Banken im Stresstest - EZB: Einige Banken sind mangelhaft gegen massive Geldabflüsse gewappnet

Die Europäische Zentralbank sieht die Banken im Euroraum insgesamt gut aufgestellt, falls Kunden im grossen Stil Geld abziehen. Es gebe aber einige Schwachstellen. Namen wurden keine genannt.
07.10.2019 17:20
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Bild: Pixabay

Die Aufseher wollten wissen, wie viele Tage Banken im Falle eines Schocks "anhand der verfügbaren Zahlungsmittel und Sicherheiten ohne Zugang zu den Refinanzierungsmärkten ihre Geschäftstätigkeit aufrechterhalten" können. Den Angaben zufolge hält etwa die Hälfte der Geldhäuser mehr als sechs Monate durch, ohne auf fremdes Kapital angewiesen zu sein. Bei extremen Verwerfungen waren es noch mehr als vier Monate.

Damit hätten die Institute mehr Zeit auf Finanzturbulenzen zu reagieren, als vor der Finanzkrise. Eine lange Überlebensdauer gebe ihnen ausreichend Zeit, um ihre Notfall-Finanzierungspläne umzusetzen. Nachbesserungsbedarf sehen die Aufseher allerdings beim Management von Sicherheiten im Krisenfall bei einigen Instituten.

Allerdings: Elf Banken würden in einer extremen Situation nur weniger als zwei Monate geschäftsfähig bleiben. Und auch im schwächsten Szenario gebe es noch vier Geldhäuser, die weniger als sechs Monate durchhalten könnten. Die Kontrolleure wollen sich die Schwachstellen nun genauer anschauen. Welche Institute dies betrifft, wurde nicht kommuniziert. 

Verschärfte Regeln

Seit der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 haben die Aufseher die Vorschriften generell verschärft und unterziehen die Institute regelmässigen Gesundheitschecks. Die Banken sind verpflichtet, ausreichend Vermögenswerte vorzuhalten, um im Falle von gravierenden Liquiditätsengpässen 30 Kalendertage zu überleben. Die EZB mit Sitz in Frankfurt überwacht seit November 2014 die grössten Geldinstitute im Euroraum direkt.

Universalbanken wären der EZB zufolge von Mittelabflüssen stärker betroffen, als Institute mit klassischem Privatkundengeschäft. Erstere seien auf weniger stabile Refinanzierungsquellen angewiesen, wie die Einlagen von Grosskunden und Unternehmen.

Hypothetische Stressszenarien

Die Prüfung sollte unter anderem aufzeigen, wie verwundbar die Geldhäuser bei Schocks sind. Die Aufseher hatten ihnen hypothetische Stressszenarien vorgegeben, in denen es etwa zu starken Geldabflüssen von Konten kommt oder sie in finanzielle Probleme geraten aufgrund von Bonitätsherabstufungen der Ratingagenturen.

Die EZB will die Ergebnisse ihrer Untersuchung mit den Instituten besprechen. Diese sollen in die jährliche Bankenprüfung einfliessen. Sie sollen allerdings nicht automatisch Einfluss auf die Kapitalanforderungen haben.

(Reuters/AWP/cash)