Banken-Jobabbau geht 2017 wohl weiter

Trotz Trump-Rallye bei Bank-Aktien: Die Job-Situation für Banker bleibt angespannt .
02.01.2017 13:11
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum.
Schild am Zürcher Paradeplatz, dem symbolischen Schweizer Finanzzentrum.
Bild: cash

Bank-Aktien waren zuletzt nach oben geschossen angesichts von Erwartungen, dass die Gewinne der Branche nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-Wahlen steigen dürften. Doch für alle, die in dem Sektor arbeiten, gibt es einen Haken: Den Job zu behalten, das wird wohl trotzdem nicht einfacher werden. 

Zwar könnten niedrigere Steuern, höhere Zinsen und weniger Regulierung unter Trump dabei helfen, die Gewinne der US-Banken 2018 im Median um 22 Prozent zu steigern. Gleichzeitig dürften die Banken aber weiter ihre Kosten senken, indem sie Händler und Filialen durch die Ausnutzung von Technologien ersetzen, hatten Analysten von Morgan Stanley vergangenen Monat erklärt. Und höhere Zinsen können zwar die Margen der Banken erhöhen, gleichzeitig aber auch die Nachfrage nach neuen Hypotheken und dem Verkauf von Unternehmensanleihen bremsen. Das bedeutet unter dem Strich, dass weniger Mitarbeiter benötigt werden.

"Mir fällt es schwer, mir einen Ausbau von Arbeitsplätzen im Finanzbereich vorzustellen", sagt Fred Cannon, Analyse-Chef bei Keefe, Bruyette & Woods. Gewinne aus "höheren Zinsen werden in die Einnahmen fließen ohne eine Ausweitung der Kosten".

Die Zahl der Beschäftigten bei den großen US-Banken ist seit der Finanzkrise rückläufig. Zunächst lag das an einer Konsolidierung in der Branche, später dann an hohen Rechtskosten und stagnierenden Erträgen. Seither hat sich das Tempo der Entlassungen branchenweit verlangsamt. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres ging die Anzahl der gestrichenen Jobs auf weniger als 19.400 zurück. Doch Analysten zufolge ist noch immer keine Erholung in Sicht angesichts des Trends hin zur Automatisierung. Finanzkonzerne wie Bank of America Corp. und Morgan Stanley befinden sich inmitten von Programmen zur Kostensenkung, die sie wahrscheinlich nicht aufgeben werden, obwohl die Trump-Rally höhere Erlöse signalisiert.

Die Wahl des Milliardärs zum US-Präsidenten im November veranlasste viele Analysten dazu, ihre Prognosen zu ändern.

Noch zu Beginn des Jahres waren die Kurse von Banken gefallen. Mike Mayo, Analyst von CLSA, sprach damals von einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit dafür, dass Investoren bei Bank of America zu einer Restrukturierung und möglicherweise zu einer Aufspaltung drängen würden. Rund sechs Monate später erklärte Berenberg Bank in einer 264 Seiten umfassenden Studie, dass US-Banken jahrelang vielen Verbindlichkeiten und niedrigen Zinsen ausgesetzt seien.

Konkurrenz Fintech

Jetzt verkünden Analysten wie Paul Miller von FBR Capital Markets, dass sie mit Blick auf die Bank-Aktien optimistischer eingestellt seien als zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen zehn Jahren. Trotz des 22-prozentigen Anstiegs des KBW Bank Index seit den US-Wahlen gebe es seiner Meinung nach Raum für weitere Kursanstiege, während die Maßnahmen der neuen US-Regierung Gestalt annehmen würden.

Zwar dürften Banken die Stellen von Schalterangestellten und anderen Mitarbeitern in ihren Filialen abbauen, doch Kreditmanager und andere Banker würden eingestellt, falls sich die Nachfrage infolge des Wirtschaftswachstums erhöhe, meint Analyst Kevin Barker von Piper Jaffray. Seinen Worten nach heuern die Unternehmen auch mehr Programmierer und Cybersecurity-Mitarbeiter an.

"Banken müssen weiter zu den technologischen Fortschritten im Bereich Fintech aufschließen, ob es nun um Bezahlvorgänge oder Online-Kreditvergabe geht", erklärt Barker.

Es gibt das Risiko, dass die Euphorie rund um Bank-Aktien nur von kurzer Dauer sein könnte. Niemand weiß, wie stark die Regierung von Trump die Finanzregulierung letztlich eindämmen wird. Und falls die Zinsen zu schnell steigen, könnten die Kreditverluste zunehmen, und Kontoinhaber mit Guthaben werden möglicherweise auf der Jagd nach mehr Rendite ihre Einlagen verschieben, was unter dem Strich zu einem Anstieg der Finanzierungskosten führen dürfte.

Dennoch: Erstmals seit Jahren mache die Arbeit als Bankanalyst wieder Spaß, sagt Cannon. Investoren würden sich stärker für den aktuell heißen Sektor interessieren.

"Plötzlich gibt es Portfoliomanager, die kaum eine Position bei Finanzwerten haben, diese aber zum Jahresende hin besitzen müssen", berichtet er. "Die Telefone klingeln jetzt viel öfter.

(Bloomberg)