Banken klagen über EZB-Negativzinspolitik

Banken im Euroraum eint die Sorge rückläufiger Erträge im Handelsgeschäft und schwacher Ertragskraft.
10.03.2016 19:22
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Bild: cash

Die Manager der Institute gehen von weiterem Druck aus, ausgelöst durch den Entscheid der EZB, die Zinssätze noch tiefer unter Null zu drücken. In einem Umfeld negativer Zinsen werden Sparer zur Kasse gebeten, und Kredit wird fast umsonst gewährt. Das Ziel ist, das Wirtschaftswachstum zu befördern und die Inflation zu stimulieren.

Die Hoffnung auf negative Zinsen zu setzen, habe einen Endpunkt erreicht, sagte Wolfgang Kirsch, Chef der DZ Bank in Frankfurt, vor Journalisten in der Vorwoche. Es sei geboten, darauf zu achten, was dies für den Finanzsektor bedeute, ergänzte Kirsch.

Die Situation bringt die Banken in die ungewöhnliche Lage, dass sie Einlagen ablehnen. Stuart Gulliver, CEO of HSBC Holdings, sagte, die in London ansässige Bank habe begonnen, Banken und Nicht-Banken aufzufordern, von Einlagen bei HSBC im Euroraum Abstand zu nehmen.

Die Herausforderung immer weiterer Zinssenkungen ereilt die Banken zu einem Zeitpunkt, wo sie ihr Geschäft neu aufstellen, Mitarbeiter entlassen und sich auf striktere Auflagen bei Kapitalausstattung und Aufsicht einstellen. Parallel dazu streben sie danach, die Ertragskraft zu erhöhen. Mehr Druck auf die Gewinne legt nahe, dass weitere Kürzungen folgen.

Nicht nur trübe Aussichten

Es gibt gewisse Indizien, dass die Sorgen überzogen sind. In Dänemark, wo die Zinsen zum überwiegenden Teil seit vier Jahren negativ sind, meldete der Bankensektor das ertragsstärkste Jahr seit 2008, sagte der dänische Notenbankgouverneur Lars Rohde in einem Interview am 28. März.

Die Institute dort profitierten von weniger notleidenden Krediten und höheren Gebühreneinnahmen, da Kunden auf Asset-Management-Konten umstiegen und auf ein gestuftes System, bei dem sie nur auf einen Teil der Einlagen bei der Notenbank Zinsen entrichten mussten.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Einlagensatz seit Januar 2015 auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent gehalten. Die nächste Entscheidung der SNB steht am 17. März an. Im Euroraum hatte die EZB erstmals Mitte 2014 den Einlagensatz in den negativen Bereich gesenkt. Im vergangenen Jahr stieg das Nettozinsergebnis bei den 12 grössten Banken um 5,5 Prozent, da die Volumen der ausgegebenen Kredite stiegen, zeigen von Bloomberg ausgewertete Daten.

Auswirkungen sind der EZB bewusst

Die EZB sei sich der Auswirkungen negativer Zinsen auf Banken bewusst, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure in der Vorwoche. “Lassen Sie mich hervorheben, dass wir uns dieser Entwicklung klar bewusst sind. Wir verfolgen dies regelmässig. Wir beobachten, welche Programme in anderen Jurisdiktionen zum Einsatz kommen, um mögliche negative Auswirkungen zu begrenzen, mit Bezug zur Kreditvergabe der Banken.”

Während mehr Wachstum den Banken helfen würde, sind deren Manager besorgt, dass das Heilmittel negativer Zinsen letztlich schlimmer sei als die Ursache, die damit bekämpft werden soll - und dass es letztlich nicht funktioniere.

"Wenn die Zinsen weiter in den negativen Bereich sinken, machen die Banken grössere Verluste auf der Haben-Seite ihrer Bilanz, bei den Einlagen", sagte John Cryan, der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, bei einer Veranstaltung in der Vorwoche. "Das müssen wir kompensieren, und das bedeutet, dass wir für Kredite mehr verlangen müssen. Und just das versuchten Notenbanker, eben nicht zu tun", so Cryan weiter.

(Bloomberg)