Banken und Zykliker bringen Schweizer Börse auf Kurs

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch auf Erholungskurs eingeschwenkt. Gefragt waren vor allem die unter die Räder gekommenen Bankaktien und zyklische Werte.
28.09.2016 17:33
Der Hauptsitz von Actelion: Die Aktien des Unternehmens stehen am Mittwoch an der SMI-Spitze.
Der Hauptsitz von Actelion: Die Aktien des Unternehmens stehen am Mittwoch an der SMI-Spitze.
Bild: ZVG

Eine freundliche Eröffnung an der Wall Street, eine stabile Auftragslage der US-Industrie und der anziehende Ölpreis ermunterten laut Händlern so manchen Marktteilnehmer zu Käufen. Der SMI notierte mit 0,6 Prozent höher bei 8220 Punkten. Am Vortag hatte der Leitindex nach einem Schlussspurt leicht höher geschlossen.

Händler sprachen von einem ausgeprägten Range-Trading. "Wir befinden uns mitten in einer Handelsspanne, die sich bis auf 8100 bis 8300 Punkte verengt hat", sagte ein Börsianer. "Wir sind gestern bis 8120 gefallen und sind jetzt wieder auf dem Weg in Richtung 8300."

Mangels Firmennachrichten richten die Anleger ihren Blick verstärkt auf Aussagen von Notenbank-Vertretern und Konjunkturzahlen. Die US-Notenbankchefin Janet Yellen äusserte sich bei einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses nicht zur Geldpolitik und Konjunktur. EZB-Chef Mario Draghi verteidigte vor dem Europa-Ausschuss des deutschen Bundestage die Nullzinspolitik der EZB.

Deutsche Bank hebt die Anlegerstimmung

Mit Ausnahme der leicht tieferen SGS- und Swisscom-Aktien legten die Standardwerte zu. Die Bankaktien setzen Händlern zufolge zu der erhofften Erholung an. Der Kursanstieg der Deutschen Bank dürfte zur Stimmungsaufhellung beigetragen haben, sagten Händler. Deutsche-Bank-Chef John Cryan sagte in einem Zeitungsinterview, dass eine Kapitalerhöhung derzeit kein Thema sei und sein Institut auch nicht um Staatshilfe gebeten habe. Die deutsche Regierung dementierte einen Vorabbericht der Wochenzeitung "Die Zeit", wonach sie einen Rettungsplan für den Fall einer Schieflage der Deutschen Bank vorbereitet. "Diese Meldung ist falsch", sagte eine Sprecherin. Die Aktien des deutschen Branchenprimus waren stark unter Druck gekommen, nachdem bekanntwurde, dass der Bank wegen Immobiliengeschäften in den USA eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Dollar droht. Den Banken machen seit längerem das Niedrigzinsumfeld, hohe Kosten und zahlreiche ungelöste Rechtsfälle zu schaffen.

Die Aktien der Credit Suisse schlossen unverändert. Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam relativierte bei einer Veranstaltung in London seine Aussagen im Hinblick auf das dritte Quartal vom Vortag. "Gestern gab ich einige Warnungen zu Q3 ab, aber grundsätzlich wird es ein gutes Quartal mit einer guten Leistung der Bank", sagte Thiam am Mittwoch bei einer von der Agentur Bloomberg veranstalteten Konferenz. Thiam hatte am Dienstag gesagt, die Schweizer Grossbank spüre in Teilen des Vermögensverwaltungsgeschäfts Gegenwind.

Die Titel der UBS rückten 1 Prozent vor. Auch die Anteile der beiden Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel sowie die Versicherungstitel zogen an.

An der Spitze der Bluechips standen mit einem Plus von rund 2 Prozent Actelion und die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim. Die Aktien des Personalvermittlers Adecco und der Chemiefirma Clariant rückten um gut 1,5 Prozent vor.

ABB stiegen um 0,5 Prozent. Der Hedgefonds Cevian will einem Zeitungsbericht zufolge das Stromnetz-Geschäft des Elektrotechnikkonzerns aufspalten und die Einzelteile verkaufen. "Cevian hat sich aktiv bemüht, mehrere Interessenten für Teile der Stromnetzsparte zu gewinnen", zitierte die schwedische Zeitung "Dagens Industri" am Mittwoch einen Insider.

Die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch waren um 1,5 und 1,1 Prozent höher. Nach Ansicht von KeplerCheuvreux-Analyst Jon Cox dürfte für die beiden Uhrenhersteller das Schlimmste vorbei sein und möglicherweise eine Trendwende bevorstehen. Richemont und Swatch haben im laufenden Jahr rund einen Fünftel ihres Werts verloren.

Die als eher krisenfest geltenden Index-Schwergewichte Novartis, Roche und Nestle legten zu.

Am breiten Markt stachen GAM Holding mit einem Kursplus von 1,8 Prozent heraus. Sie waren am Vortag stark gefallen. Die Aktien von U-blox verloren 0,7 Prozent. Die Credit Suisse hat die Anlageempfehlung für die GPS-Chipfirma auf "Underperform" von "Neutral" zurückgenommen.

(Reuters)