Bankenabschlüsse - Credit Suisse kann locker mit Erzrivalin UBS mithalten

Der Quartalsgewinn der Credit Suisse liegt über den Erwartungen. Allerdings schwächelt die Universalbank Schweiz. Das scheint den Anlegern jedoch keine Sorgen zu bereiten, wie das Kursfeuerwerk zeigt.
02.11.2017 14:15
Von Lorenz Burkhalter
Filiale der Credit Suisse am Bundesplatz in Bern.
Filiale der Credit Suisse am Bundesplatz in Bern.
Bild: cash

Anders als Ende April und Anfang August legt die Credit Suisse das Ergebnis für das dritte Quartal nicht gleichentags wie die UBS vor. Nachdem die Erzrivalin ihren Zahlenkranz bereits am letzten Freitag bekanntgab, fragte man sich, wie wohl jener der kleineren der beiden Schweizer Grossbank aussehen könnte.

Seit dem frühen Donnerstag gibt es nun eine Antwort auf diese Frage: Auf den ersten Blick gibt es nichts zu meckern. Mit 244 Millionen Franken liegt der Reingewinn über den von Analysten erwarteten 227 Millionen Franken. Allerdings erleidet die Universalbank Schweiz im Jahresvergleich einen Gewinneinbruch vor Steuern um über 60 Prozent auf 426 Millionen Franken. Experten hatten bei der wichtigen Sparte mit einem Vorsteuergewinn von 490 Millionen Franken gerechnet.

Abgesehen davon ist der Zahlenkranz der Credit Suisse insgesamt von besserer Qualität als jener der UBS.

Deshalb gewinnt die CS-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 4,7 Prozent auf 16,38 Franken. Das entspricht dem höchsten Stand seit Januar 2016. Unter Miteinbezug des Dividendenabgangs errechnet sich im bisherigen Jahresverlauf ein Plus von 17 Prozent. 

In einem Kommentar aus dem Hause Morgan Stanley ist denn auch von einem "starken dritten Quartal" die Rede. Bankeigenen Berechnungen zufolge überragt der um Sonderfaktoren bereinigte Vorsteuergewinn die Markterwartungen um ganze 15 Prozent. Bei den Derivaten ist zudem von Kaufinteresse im Call-Warrant CSGXJB zu hören.

Überzeugendes Wealth Management

Die für die amerikanische Investmentbank tätige Autorin findet einerseits Gefallen an den durchs Band weg tiefer als erwartet ausgefallenen Kosten, hebt andererseits aber auch den starken Gewinnbeitrag aus dem Wealth Management sowie aus der Region Asien/Pazifik hervor. Ebenfalls geholfen hätten tiefere Kreditrückstellungen, so lässt sie durchblicken. Die Analystin empfiehlt die Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 16 Franken zum Kauf.

In dieselbe Kerbe schlägt ihr Berufskollege von der Citigroup. Er begrüsst die kostenseitigen Fortschritte und macht neben dem Internationalen Wealth Management und der Region Asien/Pazifik auch gleich noch das Corporate Center für die positive Ergebnisüberraschung verantwortlich.

Etwas enttäuscht zeigt sich der Citigroup-Analyst hingegen vom schwachen Abschneiden der Universalbank Schweiz. Auch vom Investment Banking hatte er sich einen umfassenderen Gewinnbeitrag erhofft. Dennoch wird die Aktie bei der Citigroup weiterhin mit einem Kursziel von 19,30 Franken zum Kauf empfohlen.

Unterschiedlich beurteilte Ergebnisqualität

Der Experte von Mirabaud Securities Limited begrüsst vor allem die kostenseitigen Fortschritte. Er hält sogar für möglich, dass die Grossbank die sich selber gesteckten Einsparziele übertreffen könnte. Auch bei Mirabaud Securities Limited wird die CS-Aktie mit "Buy" eingestuft. Das Kursziel beträgt 16,50 Franken.

Überraschend unterschiedlich wird in Marktkreisen die Ergebnisqualität beurteilt. Während der für Vontobel tätige Experte von einer "eher geringen Qualität" spricht, teilen viele seiner Berufskollegen diese Meinung nicht. Der für die Zürcher Bank tätige Analyst begründet seine Kritik mit den niedriger als erwartet ausgewiesenen Verlusten der Special Resolution Unit und des Corporate Centers. Den beeindruckenden Anstieg des bereinigten Vorsteuergewinns um 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr begrüsst allerdings auch er. Das Anlageurteil lautet wie bis anhin "Hold" und das Kursziel 15,40 Franken.

Ebenfalls eher zurückhaltend zur Ergebnisqualität äussert sich die Analystin von RBC Capital Markets. Sie bezeichnet die Qualität als "durchmischt", obwohl sie die Aktie mit "Outperform" und einem Kursziel von 18 Franken zum Kauf empfiehlt.

Die gegenüber dem zweiten Quartal leicht rückläufige Kernkapitalquote wirft hingegen keine grossen Wellen. Zum einen lässt sich dieser Rückgang mit strengeren Vorgaben für die Eigenmittelunterlegung von risikogewichteten Aktiven erklären und zum anderen hatten Experten im Quartalsvergleich bereits mit einer leicht tieferen Kernkapitalquote gerechnet.