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BankensoftwareTemenos-Aktie: Ist die 100-Franken-Marke das obere Limit?

Die Titel von Temenos steigen kontinuierlich an - und das bereits seit fünf Jahren. Zwar gibt es Gründe, die für eine Fortsetzung des Anstiegs sprechen, doch mehren sich auch die skeptischen Stimmen.
13.09.2017 13:47
Von Pascal Züger
Hinweistafel des Bankensoftware-Unternehmens Temenos am Hauptsitz in Genf.
Hinweistafel des Bankensoftware-Unternehmens Temenos am Hauptsitz in Genf.
Bild: Keystone

Martin Ebner stieg im Jahr 2012 bei Temenos ein, einem Spezialisten für standardisierte Bankensoftware aus Genf. Inzwischen besitzt der Grossinvestor einen Anteil von 15 Prozent. Ein Investment, welches sich als Goldgriff erwies, wie die Temenos-Kursentwicklung der letzten fünf Jahre zeigt:Kursentwicklung Temenos-Aktie seit September 2012, Quelle: cash.ch

Im September 2012 war die Temenos-Aktie knapp 15 Franken wert, heute sind es 98 Franken - der Titel hat sich also mehr als versechsfacht. Und auch in diesem Jahr geht es weiter steil aufwärts: Plus 38 Prozent.

Temenos ist ein grosser Profiteur der zunehmenden Digitalisierung im Bankwesen. Finanzinstitute benötigen Software - also Computerprogramme -, welche die Kontoverwaltung, die Kreditvergabe und die Zahlungsabwicklung vereinfachen. Und genau das bietet Temenos an.

Analysten voll des Lobes

Jüngster Treiber des Aktienkurses waren die Mitte Juli präsentierten Zweitquartalszahlen. Diese wurden äusserst positiv aufgenommen: Von Analysten wurde vor allem das starke Wachstum der Lizenzerträge hervorgehoben. Die Gebühren, die Banken für die Nutzung der Software entrichten, sind eine wichtige Einnahmequelle für Temenos. Die Erwartungen für den Lizenzumsatz seien gemäss Zürcher Kantonalbank (ZBK) dank einem starken Geschäft in Europa und einer nochmals gesteigerten Dealgrösse im Neugeschäft übertroffen werden.

Dem Lob schloss sich Vontobel-Analyst Spiliopoulos in seinem Marktkommentar an: "Temenos wird allmählich zu DEM Anbieter von Bankingsoftware, befindet sich in voller Fahrt und ist auf nachhaltigem zweistelligem Wachstumskurs." Vontobel bestätigte Ende Juli das "Buy"-Rating "mit hoher Überzeugung", bei einem 12-Monats-Kursziel von 110 Franken. Auch die ZKB empfiehlt zum Kauf.

Derzeit ist Temenos noch etwas mehr als 10 Prozent vom Vontobel-Kursziel entfernt. Können die Genfer demnächst einen weiteren Grossauftrag an Land ziehen – beispielsweise in USA, wo man stark wachsen will – dürfte dies einen Kursimpuls nach oben auslösen.

Zu schön, um wahr zu sein?

Doch bei all dem Lob und den rosigen Aussichten kann der eine oder andere Anleger auch stutzig werden: Wurde nicht schon bei anderen Firmen ein hohes Wachstum prophezeit, bevor der grosse Kursabsturz kam?

Ein Beispiel ist da etwa der tiefe Fall der Leonteq-Aktie, einem Anbieter von strukturierten Produkten. Das Wachstum wurde bis Mitte 2015 noch als nahezu grenzenlos angesehen, ehe der Höhenflug durch das Ende der Zusammenarbeit mit einer asiatischen Bank zu einem massiven Kurssturz führte.

Auch Temenos ist mit einen Kurs-Gewinn-Verhältnis 2017 von 41 bereits hoch bewertet und dann durchaus korrekturgefährdet, wenn plötzlich negative News vorliegen. Vorsichtig ist etwa die Bank Barclays, die Temenos zwar auf "Halten" einstuft, das Kursziel derzeit jedoch nur auf 70 Franken gesetzt hat (letztes Update am 20. Juli).

Der Barclays-Analyst stört sich vor allem an der unveränderten Guidance für das Gesamtjahr, welche seiner Meinung nach aufgrund des guten zweiten Quartals nach oben hätte korrigiert werden müssen. Deshalb geht er nun davon aus, dass Temenos im zweiten Halbjahr ein organisches Wachstum bei den Lizenzerträgen von bloss 5 bis 13 Prozent erreichen wird, was deutlich unter den 18 Prozent vom ersten Halbjahr läge.

Mag sein, dass Barclays zu pessimistisch ist. Denn: Das Management von Temenos ist bekannt dafür, eher tief zu stapeln. Die firmeninternen Erwartungen an das Gesamtjahr könnten durchaus auch deutlich übertroffen werden. Temenos verspricht nicht das Blaue vom Himmel, so dass übertriebene Kursfantasien erst gar nicht entstehen. Dies dürfte die Gefahr eines Totalabsturzes dämpfen. Trotzdem sollten Anleger angesichts der hohen Bewertung eine Korrektur abwarten, bevor sie wieder in Temenos investieren.