Bauchemie- und Klebstoffhersteller - Sika-Aktien rutschen mit Gewinnmitnahmen ab

Die Sika-Aktien sind am Donnerstag im Anschluss an die Vorlage rekordhoher Neunmonatszahlen mit etwas festeren Notierungen in den Handel gestartet, drehten danach allerdings ins Minus.
26.10.2017 10:30
Viele Sika-Aktionäre machen am Donnerstagmorgen Kasse.
Viele Sika-Aktionäre machen am Donnerstagmorgen Kasse.
Bild: ZVG

Als Grund dafür sehen Händler Gewinnmitnahmen. Mit den Geschäftszahlen weiss der Bauchemie- und Klebstoffhersteller weiter zu überzeugen, Fragen werfen aber die erstmals konkreter gefassten Ziele zum operativen Ergebnis aus. Nun warten die Anleger auf den nächsten Gerichtsentscheid zum Übernahmestreit mit dem Mehrheitsaktionär.

Bis um 10.25 Uhr verlieren Sika 2,1% auf 7075 Franken, während der Gesamtmarkt (SPI) mit 0,4% zulegt. Damit können die Sika-Papiere nicht auf das zu Monatsanfang erreichte Allzeithoch bei 7400 Franken vorrücken. Die Aktien blicken auf eine starke Entwicklung im laufenden Jahr zurück. Zum Schlusskurs am gestrigen Mittwoch betrug das Plus seit Anfang Jahr 48%. Im Vergleich dazu legte der SPI 16% zu.

In Expertenkreisen wird die Umsatzentwicklung von Sika nach neun Monaten als weitestgehend im Rahmen der Erwartungen beurteilt. Das gilt insbesondere für das Wachstum in Lokalwährungen, das sich am ganz oberen Ende der firmeneigenen Zielbandbreite bewegt. Besser als erwartet haben sich derweil die Ergebnisse entwickelt.

Konservative Gewinnschätzung

Fragen wirft aber die überraschend konservative Zielbandbreite für den diesjährigen EBIT auf. Mit 880 bis 900 Millionen Franken liegt diese etwas unter den bei 902 Millionen Franken liegenden Konsensschätzungen.

Sika habe ein "gutes" Neunmonatsergebnis vorgelegt, schreibt Martin Hüsler von der ZKB. Doch wegen der bereits hohen Erwartungen an das Geschäftsjahr 2017 würden die Angaben zum Ausblick am Markt verhalten aufgenommen. Schliesslich impliziere die EBIT-Guidance für das Schlussquartal eine leichte Verlangsamung des EBIT-Wachstums. Hüsler sieht für seine Gewinnschätzungen dennoch keinen Anpassungsbedarf.

Auch sein Berufskollege Markus Mayer von Baader-Helvea bezeichnet die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal als gut. Auf Stufe EBIT seien seine Erwartungen um rund 5% übertroffen worden. Vorsichtig bleiben lässt ihn die Ungewissheit rund um den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an Saint-Gobain sowie die mittlerweile stolze Bewertung.

Warten auf Obergerichtsentscheid

Der nächste wichtige "Trigger" werde der Entscheid des Zuger Obergerichts zu dem als feindlich taxierten Übernahmeversuch durch Saint-Gobain sein, schreibt auch Bernd Pomrehn von der Bank Vontobel. Damit sei im November zu rechnen. Mit Blick auf das zuletzt gefällte Verdikt, sei vor Gericht erneut mit einem positiven Ausgang für Sika und die Minderheitsaktionäre zu rechnen.

Im Handel stellen die Gewinnmitnahmen keine Überraschung dar. Die Valoren von Sika seien im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung gefragt gewesen und in den Genuss von Vorschusslorbeeren gekommen, heisst es.

(AWP)