Bauchemiekonzern - Sika-Aktien: Nahender Gerichtsentscheid erhöht Volatilität

Die Aktien des Bauchemiekonzerns Sika gehören am Freitag in einem gehaltenen Gesamtmarkt zu den grössten Verlierern unter den Bluechips. Die Gewinne des Vortages werden damit beinahe vollständig wieder eingebüsst.
13.10.2017 11:55
Gespannte Unruhe bei den Sika-Aktionären vor dem Enscheid des Zuger Obergerichts.
Gespannte Unruhe bei den Sika-Aktionären vor dem Enscheid des Zuger Obergerichts.
Bild: ZVG

Bereits in der Vorwoche fiel die Aktie mit einem Rücksetzer um 300 Franken innert zweier Tage auf, nachdem das seit rund zwei Jahren stetig steigende Papier das Allzeithoch auf 7400 Franken hinaufgeschraubt hatte. Als Grund für die zuletzt gestiegene Volatilität von Sika wird in Marktkreisen der nahende Entscheid des Zuger Obergerichts im Fall des Übernahmestreits mit St. Gobain bzw. der Schenker-Winkler-Holding (SWH) gesehen.

Bis um 11.55 Uhr büssen Sika bei druchschnittlichem Handelsvolumen 0,9% auf 7195 Franken ein. Der Gesamtmarkt (SMI) ist gehalten.

Im Vorfeld des Entscheids des Obergerichts dürfte die Volatilität der Sika-Aktie zunehmen, heisst es in einer Einschätzung von Bernstein. Dabei seien die Chancen für Ausschläge nach unten grösser als in die andere Richtung, denn anders als vor einem Jahr, als die Aktie einen Discount von rund 10% gegenüber vergleichbaren Unternehmen aufwies, verzeichne diese nun eine Prämie von rund 10%.

Urteil bis Ende Oktober erwartet

Bernstein geht davon aus, dass das Urteil des Gerichts bis spätestens am 27. Oktober 2017 publiziert wird. Die britische Bank will mit einem Kommentar die Investoren daran erinnern, dass die Auseinandersetzung zwischen Sika und St. Gobain/SWH noch nicht ausgestanden ist.

Im Streit um die Zukunft des Baustoffherstellers Sika hatte der Verwaltungsrat im Oktober 2016 einen Etappensieg gegen die Erbenfamilie Burkard errungen. Das Kantonsgericht Zug hatte damals die Anfechtungsklage der SWH gegen die Beschlüsse der Generalversammlung 2015 abgewiesen. In der Folge rekurrierte die SWH, welche die Interessen der Familie Burkhard vertritt, gegen diesen Entscheid beim Zuger Obergericht. Dessen Verdikt steht nun unmittelbar bevor. Der seit Juli amtierende CEO von Sika, Paul Schuler, sagte an der Investora 2017 im September, dass er den Entscheid "möglicherweise in den nächsten Wochen" erwarte.

Laut Bernstein ist ein aus Sika-Sicht positiver Entscheid des Obergerichts im Aktienkurs eingepreist, ein negativer dagegen nicht. Deshalb erwartet die Bank für den ersten Fall auch keine grosse Reaktion des Aktienkurses mehr, während sie das Abwärtspotential auf dem aktuellen Rekordniveau als signifikant einschätzt.

Auf mittlere Sicht gute Einstiegsgelegenheiten

Unabhängig vom Gerichtsurteil sieht Bernstein für die Familie Burkhard drei Optionen. Da sich die Bedingungen des ursprünglichen Deals wegen des Anstiegs der Aktie verändert hätten, könnte die Erbenfamilie die Transaktion mit St. Gobain neu verhandeln, sie könnte ein attraktiveres Rückkaufangebot von Sika akzeptieren oder Eigentümer von Sika bleiben und allenfalls eine neue Ankeraktionärsgruppe bilden.

Bernstein geht indes davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Schiedsspruch zu Gunsten von Sika am wahrscheinlichsten ist. Der Investment Case für die Aktie bleibe deshalb auf Sicht von 12 Monaten intakt. Allenfalls komme es im Vorfeld des Urteils zu Gewinnmitnahmen, dies ergäbe aber auf mittlere Sicht gute Einstiegsgelegenheiten. Die Bank bestätigt das Rating "Outperform" mit einem Kursziel von 7580 Franken.

(AWP)