Baustoffkonzern - Sika wächst kräftig - Aktie vor GV vom Handel ausgesetzt

Das Umsatzwachstum des Baustoffkonzerns Sika übertrifft selbst gewagte Analystenschätzungen. Im Hinblick auf die Generalversammlung vom Nachmittag wird der Handel in der Aktie vorläufig eingestellt.
11.04.2017 11:23
Von Lorenz Burkhalter
VR-Präsident Paul Hälg kann mit der Leistung von Sika sehr zufrieden sein.
VR-Präsident Paul Hälg kann mit der Leistung von Sika sehr zufrieden sein.
Bild: cash

Sika weiss, wie man Anlegerherzen höher schlagen lässt: Im zurückliegenden ersten Quartal wächst der Innerschweizer Baustoffhersteller einmal mehr kräftig. In Lokalwährungen betrachtet liegt der Umsatz um nicht weniger als 10,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Doch auch das organische Umsatzwachstum fällt mit 8,5 Prozent überzeugend aus. Analysten hatten dem Unternehmen im Vorfeld ein Umsatzplus von 7 Prozent in Lokalwährungen sowie ein organisches Wachstum von gut 5 Prozent zugetraut.

Obschon die ersten drei Monate des Geschäftsjahres als eher umsatzarm gelten, ist Sika auf einem guten Weg, das sich selbst gesteckte Ziel eines Jahresumsatzes von 6 Milliarden Franken erreichen zu können. Das vom Unternehmen angestrebte Wachstum von 6 bis 8 Prozent in Lokalwährungen bei einer überproportionalen Zunahme von operativem Gewinn und Reingewinn wird zusehends als konservativ beurteilt.

Im Hinblick auf die Generalversammlung wird die Sika-Aktie vorläufig vom Handel suspendiert. Mit 6'280 Franken liegt der letztbezahlte Kurs an der Schweizer Börse SIX um 0,7 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag. Im frühen Handel kletterte die Aktie vorübergehend sogar auf ein neues Rekordhoch von 6'335 Franken.

Interesse gilt nun der am Nachmittag stattfindenden Generalversammlung

Nach einer leichten Wachstumsverlangsamung in der zweiten Hälfte letzten Jahres habe Sika einen dynamischen Start ins neue Jahr verzeichnet, so schreibt der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst. Seines Erachtens hat das in diesem Jahr erst im April stattfindende Osterfest die Situation etwas begünstigt.

Einmal mehr steht für den Verfasser des Kommentars aber die am Dienstag ab 13 Uhr stattfindende ordentliche Generalversammlung im Vordergrund, wobei er davon ausgeht, dass die Stimmrechte der Schenker-Winkler-Holding (SWH) erneut selektiv beschränkt werden. Wegen den bestehenden juristischen Auseinandersetzungen mit SWH und Saint-Gobain stuft der Analyst die Sika-Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Erste Banken wollen ihre Kursziele überprüfen

Auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank findet sichtlich Gefallen am starken Jahresauftakt. Wie er schreibt, übertrifft das Unternehmen in Bezug auf das organische Wachstum sowohl die bankeigenen Erwartungen als auch die Konsensschätzungen einmal mehr ziemlich deutlich. Dem Experten zufolge trug das in Lokalwährungen um fast 20 Prozent wachsende Nordamerika-Geschäft substanziell dazu bei. Er hält an seiner Kaufempfehlung für die Aktie fest und wird das 6'400 Franken lautende 12-Monats-Kursziel womöglich anheben.

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst bekräftigt ebenfalls seine Kaufempfehlung und nimmt das Kursziel von 6'200 Franken auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes "in positive Revision". Seinen Berechnungen zufolge weist Sika trotz überdurchschnittlichem Wachstumsprofil und anhaltenden Margensteigerungen einen Bewertungsabschlag von 16 Prozent (EV/EBITDA für 2018) auf. Trotz rechtlichen Unsicherheiten rund um den geplanten Verkauf der Kontrollbeteiligung nach Frankreich erscheint ihm dieser Abschlag als zu hoch.

Im Berufshandel werden die zu beobachtenden Gewinnmitnahmen mit der Diskussion rund um die Anzahl Werktage im ersten Quartal begründet. Einige verhalten gestimmte Analysten begründen das starke Umsatzwachstum bei Sika nämlich mit der geringeren Anzahl Werktage im letzten Jahr. Dieser Umstand sei jedoch allen Beteiligten von Anfang an klar gewesen und sei in die Markterwartungen hineingeflossen, so begegnen Händler dem Thema.