WEF 2017

«Bei der Geldanlage gibt es noch viel zu verbessern»

Automatisierte Vermögensverwaltung hat Potenzial, tut sich vielerorts aber noch schwer. Manuela Rabener vom Robo Advisor Scalable Capital setzt auf Kooperationen - und hat die Schweiz im Fokus.
18.01.2017 18:40
Von Ivo Ruch, Davos
Manualea Rabener, Scalable Capital.
Bild: cash

Anbieter rein digitaler Vermögensverwaltung wollen die Anlagewelt umkrempeln. Mit transparenten und kostengünstigen Produkten sollen Kundengelder angelockt werden. Doch die Revolution verläuft bislang harzig, viele Player kommen noch nicht so recht auf Touren. Eine Ausnahme sind die USA, wo verschiedene Anbieter (darunter Wealthfront und Betterment) bereits mehrere Millliarden Dollar anziehen konnten.

Auf raschem Wachstumskurs ist der deutsch-britische Anbieter Scalable Capital. Vor gut einem Jahr gestartet, knackte der Robo Advisor vor Kurzem die Marke von 120 Millionen Euro verwaltete Vermögen. Allerdings ist eine Milliarde nötig, um das Startup profitabel zu führen, wie Mitgründerin Manuela Rabener am Rande des WEF im Video-Interview sagt. "Aber mit einer Milliarde ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, wenn man sich überlegt wie gross der Markt ist."

Scalable Capital wachse derzeit um rund eine Million pro Tag. Auf dieser Basis ginge es also noch mehr als zwei Jahre bis zur Gewinnschwelle. Deutlich beschleunigen würde sich der Vermögenszuwachs allerdings mit lukrativen Firmenkundengeschäften ('business-to-business'). Ein solches konnte am Dienstag vermeldet werden: eine Zusammenarbeit mit dem Industriekonzern Siemens im Bereich Vermögensaufbau für Mitarbeitende.

Strategiewechsel wird salonfähig

Kooperation anstatt Revolution: Eine Strategie, die auch bei Schweizer Fintech-Unternehmen immer beliebter wird. So ging Truewealth, der grösste hiesige Online-Vermögensverwalter, unlängst eine Kooperation mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank ein. Truewealth verwaltet aktuell rund 50 Millionen Franken, wollte ursprünglich aber bis Ende 2017 eine Milliarde anziehen.

Die vielen 'business-to-business'-Projekte waren es denn auch, die einem Schweizer Markteintritt für Scalable Capital im Wege standen, wie Rabener sagt. Das Vorhaben ist aber nur verschoben: "Die Schweiz ist ein sehr attraktiver Markt. Wir werden das Thema Ende des Jahres noch einmal besprechen."

Derzeit verlangen die Deutsch-Briten eine Verwaltungsgebühr von 0,75 Prozent auf die Anlagesumme (Kosten für Produkte nicht inbegriffen), während es bei Truewealth 0,5 Prozent sind. Dennoch soll an den Kosten festgehalten werden - auch bei einem Gang in die Schweiz: "Wir wollen ein einfaches und leicht verständliches Gebührenmodell, das global überall gleich sein soll", so Rabener, die auch schon Firmen im Mode- und Möbel-Bereich gestartet hat. 

Die USA als Vorbild

Nur die USA könnte eine Ausnahme sein, weil dort die Kostenstruktur eine ganz andere ist und das passive Investieren eine viel längere Tradition hat als in Europa. In den Vereinigten Staaten gibt es beispielsweise Robo Advisor, die seit 2009 unterwegs sind. In Europa werde man eine ähnliche Entwicklung sehen, ist Rabener überzeugt. Auch weil viele Grossbanken in Bezug auf Digitalisierung noch einiges aufzuholen hätten, was das Potenzial für Kooperationen erhöhe.

Ganz allgemein sieht Manuela Rabener in der Finanzbranche nach Jahrzehnten der Versäumnisse viel zu aufzuholen - gerade in den Bereichen Transparenz und Kosten: "Mit Technologie ist im Bereich Geldanlage noch sehr viel zu verbessern."

Im Video-Interview sagt Manuela Rabener auch, weshalb sie nach Abstechern in die Mode- und Möbelindustrie nun wieder im Finanzbereich gelandet ist.