Bei diesen Aktien gegen den Strom schwimmen

Eine französische Grossbank rät gleich bei mehreren europäischen Einzelaktien zu Wetten gegen den allgemeinen Trend. Darunter ist auch ein Titel eines bekannten Basler Unternehmens zu finden.
30.06.2014 09:19
Von Lorenz Burkhalter
Bei Clariant rechnen die BNP-Strategen mit einem rückläufigen Aktienkurs.

The trend is your friend, lautet eine alte Börsenweisheit. Aus dem Englischen übersetzt heisst das soviel wie: Versuche nicht, gegen einen Trend anzukämpfen. Es gibt aber immer wieder Momente, in denen sich das für Anleger lohnen kann.

Dieser Meinung ist man auch bei BNP Paribas. In einer Strategiestudie schreiben die für die französische Grossbank tätigen Verfasser, bei welchen europäischen Einzelaktien Anleger gegen den Strom schwimmen sollten.

Anders als die meisten ihrer Berufskollegen setzen sie bei der Aktie des Basler Chemieherstellers Clariant genauso wie bei Booker Group, EDP Renovaveis und N. Brown Group auf rückläufige Kurse.

Clariant birgt Enttäuschungspotenzial

Nach der strategischen Neuausrichtung auf hochmargige Geschäftsfelder erfuhr der Aktienkurs von Clariant über die letzten zwei Jahre nahezu eine Verdoppelung. Mit 17,42 Franken liegt er um knapp 10 Prozent über dem Stand von Anfang Jahr. Bei BNP Paribas macht man in Bezug auf die Barmittelgenerierung und die Erreichbarkeit der bis Ende 2015 definierten Mittelfristziele Enttäuschungspotenzial aus. Ausserdem sei das Unternehmen stolz bewertet.

Ähnliches gilt für die Booker Group. Die britische Nahrungsmittelkette gilt an der Börse in London als einer der dortigen Überflieger. Aufgrund des zunehmend schwierigeren Umfelds, der schwierig vorhersehbaren Ertragsentwicklung und der stolzen Bewertung sehen die Strategen den Ruf des Unternehmens als Börsenliebling in Gefahr. Sie erwarten vom aktuellen Kurs von 1,33 Pfund aus rückläufige Notierungen.

Beim portugiesischen Stromproduzenten EDP Renovaveis und beim britischen Versandhändler N. Brown Group begründen die Strategen ihre negative Haltung mit der stolzen Bewertung, dem verhaltenen Leistungsausweis des Managements sowie dem immer intensiver werdenden Wettbewerb. Deshalb könnten auch diese beiden Börsenlieblinge in Ungnade fallen, so die Experten.

Attraktive Bewertung als Kaufargument

Als kaufenswert erachten die Experten die Aktie des holländischen Transportunternehmens Faiveley sowie jene des spanischen Glasherstellers Vidrala.

Faiveley hat alleine seit Ende April gut 15 Prozent des Börsenwerts eingebüsst. Der Aktienkurs liegt mit 52,85 Euro wieder auf dem Stand von Anfang Jahr. Gemäss BNP Paribas nimmt sich das neue Management allerdings konsequent den Problemen an. Die Strategen sehen Geschäftsmöglichkeiten in den USA und China und verweisen zudem auf die mittlerweile günstige Bewertung.

Auch die Aktie von Vidrala notiert mit 36,25 Euro gut 10 Prozent unter ihren Jahreshöchstkursen von Ende März. Die französische Grossbank rechnet sowohl bei der Barmittelgenerierung als auch bei der Kapitalrendite mit zukünftigen Verbesserungen. Die günstige Bewertung mache das Unternehmen zudem zu einem Übernahmeziel.