Bei diesen Aktien gilt: «Buy on Bad News»

Prasseln schlechte Nachrichten über Unternehmen herein, kann dies ein guter Einstiegszeitpunkt für Anleger sein. cash nimmt vier Schweizer Fälle unter die Lupe.
23.09.2014 00:59
Von Frédéric Papp
Die Swatch-Aktie leidet derzeit unter «Bad News».
Die Swatch-Aktie leidet derzeit unter «Bad News».
Bild: Bloomberg

Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet: "Buy on bad news, sell on good news". Übersetzt bedeutet dies: Anleger sollen bei schlechten Nachrichten, sei es zu einem Unternehmen oder einer Branche, Aktien kaufen - und bei guten Nachrichten die Aktien verkaufen.

Das tönt natürlich paradox. Aber viele Anlageprofis befolgen diese Regel, und nicht wenige davon sind so reich geworden. So zum Beispiel Warren Buffett. Der US-Starinvestor ist bekannt dafür, in gut aufgestellte, wettbewerbsfähige Unternehmen zu investieren, die schwierige Zeiten durchmachen. So hat er zum Beispiel während der Finanzkrise Aktien der angeschlagenen US-Investmentbank Goldman Sachs gekauft, als alle die Papiere auf den Markt warfen. Wenige Jahre später brachte ihm der Deal mehrere Hundert Millionen Dollar ein.

Nicht ohne Risiko

Das Investment geht meistens aber nur auf, wenn der schlechten Nachricht nicht noch schlechtere folgen. Im schlimmsten Fall endet dann eine Investition im Konkurs des betroffenen Unternehmens. Und: Anleger brauchen einen langen Schnauf. Denn häufig führen schlechte News zu lange anhaltenden Baissen bei einzelnen Aktien oder ganzen Branchen.

cash hat vier Schweizer Aktien unter die Lupe genommen, die in den letzten Wochen durch "Bad News" durchgerüttelt wurden und entsprechend gelitten haben. Zugleich verfügen Sie aber über eine starke Stellung im Markt und sind attraktiv bewertet. Die Chancen auf überdurchschnittliche Kursgewinne sind daher intakt.

Richemont: Letzten Mittwoch waren die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont das Tagesgespräch an der Börse. Grund waren die enttäuschenden Umsatzzahlen für die Fünf-Monate-Periode April bis August. Die Aktien des Luxusgüterkonzerns büssten rund 4 Prozent an Wert ein. Doch der Titel ist schon seit einigen Monaten unter Druck. Das Minus seit Jahresbeginn beträgt 8 und innert Jahresfrist gar 13 Prozent. Der Swiss Market Index (SMI) derweil stieg im selben Zeitraum rund 8 beziehungsweise 10 Prozent.

Anleger frustriert vor allem die rückläufige Nachfrage in Asien nach hochpreisigen Uhren und Schmuck. Auch hemmen die Anti-Korruptionsanstrengungen in China das Geschäft. In Festlandchina sind laut Richemont allerdings bereits wieder leichte Erholungstendenzen sichtbar, das heisst: Wachstum in den eigenen Boutiquen und abnehmender Rückgang bei der Distribution durch Dritte. Der Ausblick für die Luxusgüterindustrie bleibt zudem dank der weiter wachsenden Mittelschicht und des weiter stark zunehmenden Tourismus aus den Schwellenländern intakt.

Die Mehrheit der Analysten bleibt denn auch weiterhin freundlich gestimmt. Im Schnitt prognostizieren sie einen Wert von gut 100 Franken je Aktie, derzeit notieren die Titel bei 81,50 Franken. Die ZKB schreibt in einem aktuellen Marktbericht: "Wir trauen der Aktie auf Jahressicht ein Kurspotenzial von 15 bis 20 Prozent zu."

Swatch: Ähnliche Probleme wie Richemont plagen auch den weltgrössten Uhrenhersteller Swatch. Am meisten belastet hingegen die "Apple Watch". Die 2015 auf den Markt kommende Computeruhr zielt auf das niedrige und mittlere Preissegment. Swatch und Tissot sind eindeutig die führenden Marken in diesen Kategorien. Beide Marken tragen rund 15 Prozent zum Ertrag des Konzerns bei.

Dass die Swatch-Uhren im unteren Preissegment Marktanteile an die Apple Watch verlieren, glaubt Swatch-Chef Nick Hayek hingegen nicht. Dennoch will Hayek im kommenden Jahr die sogenannte "Swatch Touch" auf den Markt bringen.

Die Probleme spiegeln sich im Aktienkurs wider. Seit Ende 2013 verlor die Aktie ein Fünftel ihres Wertes. Allerdings: Swatch hat genügend Marken, um einen Umsatzschwund aufzufangen. Zudem ist das Unternehmen in den wichtigsten Märkten sehr gut aufgestellt. Hinzu kommt: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für 2015 hinken die Inhabertitel den Konkurrenten wie LVMH oder Richemont hinten nach.

Syngenta: Über dem Agrochemiehersteller Syngenta braut sich seit einigen Monaten ein Unwetter zusammen. Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte, geringere Nachfrage bei den Landwirten und neuerdings Millionenklagen im Zusammenhang mit Saatgutverunreinigungen in den USA belasten die Aktie. Derzeit werden die Titel 12 Prozent tiefer gehandelt als noch zu Jahresbeginn.

Analysten stuften Syngenta in der Folge zurück. Fallen die Kurse weiter, kommen erneut Fusionsfantasien mit dem Branchenkonkurrenten Monsanto auf. Hinzu kommt: Die Gesellschaft erwirtschaftet seit über 10 Jahren konstante Free Cash Flows, überzeugt mit einem erfahrenen Management und bewegt sich in einem strukturellen Wachstumsmarkt. Daher ist ein schrittweiser Zukauf von Syngenta-Aktien sinnvoll. Der nächste Kursimpuls für die Syngenta-Aktie ist die Veröffentlichung der Drittquartalszahlen am 16. Oktober 2014.

Swiss Re: Das Fazit der alljährlichen Rencontre der Rückersicherer in Monte Carlo Mitte September fiel ernüchternd aus. Die Branche rechnet mit weiter sinkenden Prämien. Laut einer Studie der Ratingagentur Standard & Poor's dürften die Preise in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung 2014 um 5 bis 10 Prozent sinken, im Katastrophengeschäft sogar um 10 bis 15 Prozent. Die Ratingagentur Fitch erwartet, dass dieser Trend etwa auf dem wichtigen US-Markt noch bis ins Jahr 2017 weitergeht.

Vereinzelt haben Analysten ihre Einschätzungen denn auch angepasst. So stufte kürzlich die Credit Suisse die Titel von Neutral auf "Underperform" zurück. Auch Exane BNP änderte ihre Bewertung von Neutral auf Underperform und senkte das Kursziel um 11 Prozent auf 72 Franken. Derzeit notieren die Titel bei 77 Franken.

Trotz des Gegenwinds hielt sich die Swiss-Re-Aktie relativ gut. In den letzten vier Wochen kletterten die Titel rund 4 Prozent. Seit Jahresbeginn resultiert hingegen ein Minus von 6 Prozent. Für die Swiss Re spricht eine erwartete Sonderdividende im Jahr 2014 von 10,8 Prozent. Hinzu kommt: Die Aktie des Rückversicherers notiert immer noch 10 Prozent unter Buchwert. Und mittel- bis langfristig rechnet Swiss Re wieder mit höheren Rückversicherungspreisen. Attraktive Wachstumsgelegenheiten sieht der Rückversicherer derweil im Haftpflichtgeschäft, das sukzessive ausgebaut werden soll.