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Bei dieser Aktie stimmt die Chemie

Die Aktien des Lifescience-Konzerns Lonza haben sich in den letzten Jahren im Preis mehr als vervierfacht. Laut Marktbeobachtern ist dies nicht das Ende der Fahnenstange. Es gibt aber auch eine Alternative.
03.08.2015 13:44
Von Ivo Ruch
Lonza stellt Schneckenkörner, aber auch Pharma-Prdukte her.

Die Lonza-Aktie gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Titeln der letzten Wochen. Auf Monatssicht hat sie 12 Prozent zulegen können, im laufenden Jahr hat sich gar ein Plus von 27 Prozent angehäuft. Zum Vergleich: Der Swiss Leader Index (SLI), der die 30 grössten Schweizer Aktien gleichgewichtet abbildet, hat im selben Zeitraum nur 6 Prozent dazugewonnen. Seit dem SNB-Frankenschock Mitte Januar beträgt das Kursplus der Lonza-Aktie gar 53 Prozent.

Gründe für dieses Hoch gibt es mehrere: Der Lifescience-Konzern musste im ersten Halbjahr 2015 zwar einen Rückgang des Reingewinns hinnehmen. Doch weil der Grund dafür in erster Linie Restrukturierungskosten waren, honorierte die Börse das jüngste Zahlenset dennoch. Unter anderem sollen am Standort Visp Stellen wegfallen. Die Neugliederung umfasst aber auch eine Werkschliessung in Tschechien und weitere Effizienzmassnahmen.

Verlauf der Lonza-Aktie in den letzten 3 Jahren, Quelle: cash.ch

Lonza produziert chemische Produkte für den Agrarmarkt sowie Pharamzeutika. Zu den Kunden gehört unter anderem Roche. Im letzten Halbjahr ist das Pharmazulieferergeschäft am schnellsten gewachsen (Umsatz: +12 Prozent), während im Bereich chemischer Zwischen- und Endprodukte noch Luft nach oben erkennbar ist (+2 Prozent). Für das Gesamtjahr 2015 erwartet der Konzern weiteres Umsatzwachstum und eine Zunahme des sogenannten "Kern-EBIT" um 5 Prozent.

Zuversichtliche Analysten

Die Lonza-Aktie läuft aber nicht erst seit diesem Jahr sehr gut. Seit dem Tiefpunkt im Mai 2012 hat der Titel eine stetige und eindrückliche Kletterpartie hingelegt - von 33 Franken auf aktuell 142 (+324 Prozent). Das Allzeithoch aus dem Jahr 2008 liegt nur noch 16 Franken entfernt. Laut der Analysten-Gemeinde führt der Trend von Lonza zwar in diese Richtung, liegt aber nicht in unmittelbarer Griffweite: Die Bank Vontobel, die Zürcher Kantonalbank und die UBS empfehlen die Aktie zum Kauf. Aber niemand hält ein Kursziel für realistisch, das über dem Allzeithoch angesiedelt ist.

Vontobel-Analystin Carla Bänziger schrieb jüngst in einem Kommentar: "Der Kurs widerspiegelt das volle Potenzial des Unternehmens noch nicht. Angesichts der abnehmenden Schulden steigt die Wahrscheinlichkeit eines besseren Cashflows ebenso wie die von Rückzahlungen an Aktionäre." Und die Bank Safra Sarasin kommentierte die Halbjahreszahlen wie folgt: "Trotz Gegenwind von den Währungen hat Lonza starken Widerstand gezeigt in Bezug auf die Marge und den freien Cashflow."

Pendenter Quecksilber-Fall

Minuspunkte sammelt die Lonza-Aktie aufgrund der Bewertung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 für 2016 ist sie höher bewertet als die Konkurrenz. Die Neue Helvetische Bank macht deshalb auf den Wettbewerber Siegfried aufmerksam. Dort sei die Übernahme von drei Standorten des deutschen Chemiekonzerns BASF noch nicht im Aktienkurs eingepreist. Experten erwarten, dass der Pharmazulieferer Siegfried durch die Akquisition einen Umsatzschub erleben wird.

Nicht aus den Schlagzeilen kommt Lonza überdies wegen Quecksilber-Verschmutzungen im Wallis. Das Unternehmen hat neuesten Zahlen zufolge am Standort Visp zwischen 1930 und 1970 rund 50 Tonnen Quecksilber in den Kanal eingeleitet. Welche Kosten daraus für den Konzern noch entstehen, ist ungewiss. Klar aber ist, dass die Aktie bisher nicht unter den Spekulationen gelitten hat.