Bei Novartis bröckelt der Lack

Nach Citigroup stuft auch die UBS das SMI-Schwergewicht Novartis herunter. Das kommt überraschend.
01.04.2016 08:30
Von Lorenz Burkhalter
"Seine" Aktie kostete den SMI seit dem letzten Juli knapp 500 Punkte: Novartis-Chef Joe Jimenez.
"Seine" Aktie kostete den SMI seit dem letzten Juli knapp 500 Punkte: Novartis-Chef Joe Jimenez.
Bild: cash

Es mutet wie ein schlechter April-Scherz an: Nur wenige Tage, nachdem die amerikanische Citigroup der Aktie von Novartis die Liebe gekündet hatte, stuft auch die UBS Investmentbank diese von "Buy" auf "Neutral" herunter. Nach einer Reduktion der zukünftigen Gewinnschätzungen um bis zu 17 Prozent wird das 12-Monats-Kursziel auf magere 72 (vorher: 100) Franken zusammengestrichen.

Wäre das Börsengeschehen ein Fussball-Spiel, die für die Schweizer Grossbank tätige Analystin bekäme vom Schiedsrichter wohl die gelb-rote Karte für "Nachtreten". Der Zeitpunkt des Herabstufung der beiden Banken kommt überraschend, rieten diese ihren Anlagekunden im vergangenen Juli bei Kursen von 100 oder mehr Franken doch noch zum Kauf der damals sehr beliebten Novartis-Aktie. Heute, wenige Monate später und rund 30 Franken tiefer, folgt der plötzliche Sinneswandel.

Hoffnungsträger Entresto wird entzaubert

Die Begründung der Pharmaanalystin der UBS Investmentbank für ihre vorsichtigere Haltung liest sich ziemlich desillusioniert. Novartis weise schon seit dem zweiten Quartal letzten Jahres eine negative Gewinnentwicklung auf, so schreibt sie. Die Schuld gibt sie vor allem den Problemen bei der auf Augenheilmedikamente spezialisierten US-Tochter Alcon. Diese hatte der Pharmakonzern aus Basel in den Jahren 2008 bis 2010 in mehreren Etappen für teures Geld von Nestlé erworben. Nun kämpft Alcon mit einem in die Jahre gekommenen Medikamentenportfolio, was Bilanzbereinigungen in Form von Goodwill-Abschreibungen zur Folge haben könnte.

Doch damit nicht genug: Auch den Verkaufsstart des gegen Herzinsuffizienz eingesetzten Präparats Entresto in den USA bezeichnet die Expertin als enttäuschend. Es werde in Anbetracht fehlender klinischer Beweise für die Wirksamkeit und ungenügender Promotionsmassnahmen wohl noch Jahre dauern, bis das Medikament zu einem Schlüsselprodukt heranwachse, so die Befürchtung.

Kann Roche im SMI für Novartis aufkommen?

In dieselbe Kerbe haut ihr für die Citigroup tätiger Kollege. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und streicht seine Schätzungen für den Spitzenumsatz von Entresto von 10 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf gerademal 2 Milliarden Dollar zusammen. Mit dieser Anpassung begründet der Analyst denn auch die einschneidende Reduktion seines Kursziels auf 79 (110) Franken.

Für ihn steht fest: Anleger sollten aus der seit wenigen Tagen mit "Neutral" eingestuften Novartis-Aktie in den Genussschein des Basler Platzrivalen Roche oder aber in die Valoren von AstraZeneca und Novo Nordisk umschichten.

Mehrheit der Analysten empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf

Alleine der Kurszerfall beim Schwergewicht Novartis hat den Swiss Market Index (SMI) seit dem letzten Sommer knapp 500 Punkte gekostet. Ob der Genussschein von Roche in Zukunft von Umschichtungen profitieren und den Effekt eines möglichen Kursrückgangs bei Novartis auf den SMI auffangen kann, wird sich zeigen müssen.

Fakt ist: Auch nach den Herunterstufungen durch die Experten der UBS Investmentbank und der Citigroup empfiehlt noch immer jeder zweite Analyst die Novartis-Aktie zum Kauf. Auf das durchschnittliche Kursziel von 91,77 Franken bezogen, errechnet sich ein Aufwärtspotenzial von nicht weniger als 31 Prozent. Allerdings sind wegen den verhalteneren Aussichten beim Schlüsselmedikament Entresto weitere Schätzungs- und Kurszielreduktionen wahrscheinlich.