«Bei Überschüssen zuerst die Aktionäre»

Die Swiss Re will laut Finanzchef David Cole überschüssiges Kapital auf verschiedene Weise den Aktionäre weitergeben. Zentral ist für den Rückversicherer aber der Schutz des Eigenkapitals.
23.02.2016 14:58
Von Marc Forster
David Cole ist seit März 2011 Finanzchef de Swiss Re.
Bild: cash

Weil die Swiss Re aber in den vergangenen Jahren gemessen an ihren eingegangenen Verpflichtungen stets ein so genanntes "Überschusskapital" anhäufte, konnten höhere Dividenden und Sonderdividenden ausbezahlt werden. Für 2015 erhöht der Rückversicherer die Ausschüttung pro Aktie von 4,25 auf 4,60 Franken, entrichtet aber anders als in den Vorjahren keine Sonderdividende.

"In den vergangenen Jahren haben wir auf diese Weise Geld an die Aktionäre zurückgeführt, in die Zukunft gerichtet aber greifen wir diesmal zu seinem Aktienrückkauf", sagt David Cole im cash-Video-Interview. Damit folgt Swiss Re einem Trend in der Branche: Viele Rückversicherer tun sich angesichts der Geldflut auf dem Markt schwer, ihr Kapital im Kerngeschäft lukrativ zu investieren. Auch Marktführer Münchener Rück hat die Dividende auf ein neues Rekordniveau von 8,25 Euro je Aktie geschraubt und will weiterhin rund eine Milliarde Euro pro Jahr über Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückgeben.

Sicherung des Kapitals

Voraussetzung für den Aktienrückkauf von Swiss Re ist, dass der Konzern weiterhin von Grossschäden verschont bleibt, über genug überschüssige Liquidität verfügt und sich keine anderen attraktiven Anlagemöglichkeiten ergeben. Auf die eine oder andere Weise werde der Konzern immer bemüht sein, Geld an die Aktionäre weiterzugeben, sagt Cole zu cash.

Erste Priorität habe für die Swiss Re zu allen Zeiten die Sicherung der Kapitalbasis, hält Cole fest. Die Swiss Re geniesst im Markt einen guten Ruf und grosses Vertrauen, weil sie über eine sehr solide Eigenmittelausstattung verfügt. Die tiefen und negativen Zinssätze würden die Kapitalbasis direkt nicht sofort angreifen, sagt Cole weiter. Sie hätten aber klar einen mittel- und langfristig negativen Einfluss auf die Gewinne: "Swiss Re geht es da wie allen  Langzeit-Investoren." Im Verhältnis betrachtet sei der Rückversicherer aber in einer sicheren Zone.

Dies hilft laut Cole auch angesichts der derzeit unsicheren Lage an den Finanzmärkten und den geopolitischen Krisen auf der Welt. "Wir sollten deswegen ein bisschen besorgt sein, aber die richtige Antwort darauf ist, dass man sich gut positioniert."

Aufgelöste Reserven erhöhen Gewinn

Möglich ist die Gewinnbeteiligungs-Politik der Swiss Re aber auch deshalb, weil es für Swiss Re im Kerngeschäft rund läuft: Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn dank des Ausbleibens teurer Schadensfälle um knapp ein Drittel auf 4,6 Milliarden Dollar. Das ist etwas mehr als von Analysten erwartet. 2014 hatten Kosten für die Neuausrichtung der Lebensversicherungs-Sparte und die verlustbringende Trennung von einer Konzerntochter in den USA den Gewinn geschmälert. An der Börse kam das Resultat nur bedingt gut an und der Kurs der Aktie bewegte sich am Nachmittag um 1,7 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs.

Wie in vergangenen Jahren hübschten zudem Reserveauflösungen den Gewinn der Swiss Re auf: "Dies widerspiegelt aber auch die gute Qualität unseres gezeichneten Portefeuilles." Die Schadenansprüche an den Rückversicherer seien eher tief gewesen, ausserdem haben die Swiss Re, als die Reserven vor einigen Jahren für entsprechende Geschäfte angelegt wurden, mit einer höheren Inflation gerechnet. Dies zahlt sich laut Cole ebenfalls aus.

Im Bezug auf die gesamte Brache sagt der Swiss-Re-CFO, dass künftig eher mit geringeren Reserveauflösungen zu rechnen sei. Dies habe nicht zuletzt mit dem Preisdruck in der Branche zu tun.  

David Cole ist Bürger der USA und der Niederlande und seit 2011 Finanzchef der Swiss Re. Bis August 2014 bekleidete er auch den Posten des Chef-Risikomanagers. Im cash-Video-Interview erklärt Cole unter anderem die Entwicklung der Prämieneinnahmen und des Gewinns des Konzerns im vergangenen Jahr.

(Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters)