Bei Vontobel fliesst Geld ab

Der Abgang eines Star-Fondsmanagers hinterlässt bei der Bank Vontobel Bremsspuren.
26.07.2016 08:10
Zeno Staub, CEO von Vontobel.
Zeno Staub, CEO von Vontobel.
Bild: ZVG

Im ersten Halbjahr flossen 8,7 Milliarden Franken ab, wie das Zürcher Institut am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatte Vontobel noch Zuflüsse von 6,4 Milliarden Franken verbucht. Wachstumstreiber der Bank war in den vergangenen Jahren Fondsmanager Rajiv Jain, der im März nach 22 Jahren seinen Abgang angekündigt hatte. Danach zogen Investoren aus seinen Fonds bei Vontobel 11,8 Milliarden Franken ab.

Vontobel kann dafür für das erste Semester des laufenden Jahres trotz des schwierigen Marktumfelds einen klaren Gewinnanstieg verbuchen. Das Konzernergebnis verbesserte sich um 8 Prozent auf 105,7 Mio Franken, wie Vontobel am Dienstag mitteilt. Trotz dem Abgang eines wichtigen Fondsmanagers konnte die Bank in den ersten sechs Monaten Netto-Neugelder in Höhe von 3,1 Mrd Franken anziehen. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren der Bank allerdings netto noch Gelder über 6,4 Mrd Franken zugeflossen.

Die betreuten Kundenvermögen (AuM) litten unter der Delle wegen des Abgangs Jains und bildeten sich per Ende Juni auf 140,1 Mrd Franken zurück, nachdem sie Ende 2015 noch 147,8 Mrd Franken betragen hatten. Die gesamten Kundenvermögen einschliesslich der Custody-Vermögen lagen mit 179,3 Mrd Franken um 4 Prozent unter dem Stand von Ende Jahr.

Der Betriebsertrag ging im Vergleich zur Vorjahresperiode um 2 Prozent auf 496,8 Mio Franken zurück. Der Geschäftsaufwand verringerte sich gleichzeitig allerdings um 5 Prozent auf 367,1 Mio Franken.

Erwartungen übertroffen

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat die Bankengruppe die Markterwartungen klar übertroffen. Von AWP befragte Analysten rechneten im Durchschnitt mit einem Betriebsertrag von 492,3 Mio Franken und einem klar tieferen Konzernergebnis von 84,4 Mio. Sie hatten zudem einen Netto-Neugeldabfluss von -1,7 Mrd erwartet und sahen die AuM bei rund 132 Mrd Franken.

Das laufende Jahr 2016 bleibe "herausfordernd", hält Vontobel in der Medienmitteilung fest. Das Institut gehe weiterhin von "hoch volatilen Märkten, niedrigen Zinsen und einem andauernd unsicheren politischen Umfeld aus", das sich auf die Vontobel-Fokusmärkte und den Heimmarkt Schweiz auswirken werde. Vontobel werde weiter die "Wachstums- und Ertragsziele konsequent weiterverfolgen".

(AWP/Reuters)