«Beim Investieren auf ­Bordeaux setzen»

Der Wein-Profi Philipp Schwander über Weinanlagen, Weinpreise und die spannendsten Anbauregionen der Schweiz.
09.02.2015 13:30
Interview: Ivo Ruch
Philipp Schwander, Master of Wine und Weinhändler.
Philipp Schwander, Master of Wine und Weinhändler.
Bild: ZVG

cash: Welchen Tipp geben Sie Leuten, die in Wein investieren wollen?

Philipp Schwander: Nur die berühmtesten Weine der besten Jahrgänge kaufen. Aber ich würde noch zuwarten, weil die Preise weiter sinken werden. Der chinesische Markt, der in den letzten Jahren fast 80 Prozent der berühmten Crus Classés abgenommen hat, ist zusammengebrochen. Da dürfte es noch weitere Reduktionen geben. Beim Investment würde ich einen Schwerpunkt auf Bordeaux legen. Sie sind sehr gut haltbar.

«cash VALUE Anlegen» 2015
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Gibt es Weine, die deutlich unterbewertet sind?

Wer hervorragende Qualität zu einem tiefen Preis kaufen möchte, sollte Spanien unter die Lupe nehmen. Der Inlandkonsum hat sich dort innerhalb von zehn Jahren halbiert. Das übt einen extremen Preisdruck auf die Winzer aus. Allerdings eignen sich diese Weine meistens nicht als Investition.

Und ein Weintrend für die Zukunft?

In den Ex-Ostblockländern gibt es viele hervorragende Weinregionen, die noch kaum Beachtung finden. Wenigen Schweizern ist auch bewusst, dass die Qualität der deutschen Rotweine markant gestiegen ist.

Welcher Wein wird überschätzt?

Die weissen Burgunder aus Puligny-Montrachet, Meursault und andere berühmte Appellationen. Die wenigsten reifen wirklich gut, und es gibt nicht viele, die wirklich hervorragend sind. Die Preise sind, zurückhaltend formuliert, völlig überrissen.

Welches ist der häufigste Fehler beim Weinkauf?

Meist kauft man Wein an Degustationen. Dies birgt bei Laien eine grosse Gefahr, weil der Wein zusammen mit Speisen völlig anders schmeckt. Deshalb sollte man unbedingt einen Test zuhause mit verschiedenen Speisen machen.

Wie viel darf ein Alltagswein höchstens kosten?

Ich persönlich würde schauen, dass ich 15 Franken nicht überschreite, bei einigen Konsumenten darf der Alltagswein sogar bis 20 Franken kosten. Unter 12 Franken sinkt die Qualität häufig überproportional, weil gewisse Arbeiten wie eine Fassreifung nicht mehr vorgenommen werden können.

Hat Schweizer Wein Potenzial?

Das ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ich glaube, die Erfolgsgeschichte des Schweizer Weinbaus beginnt erst. Was auch wichtig ist: Die Ausbildung der Schweizer Winzer und die Kellerei-Einrichtungen sind hervorragend. Einzig jene Winzer, die Dienst nach Vorschrift leisten und keine besonderen Anstrengungen unternehmen, werden Probleme bekommen.

Gibt es eine Schweizer Region, die grosse Fortschritte gemacht hat?

Neuenburg mit seinen Pinots Noirs ist eine sehr spannende Gegend, immer mehr aber kommen auch interessante Weine aus Zürich und dem Thurgau. Die Bündner Herrschaft, das Wallis und Tessin arbeiten schon seit längerem sehr gut. Das Waadtland bringt zwar hervorragende Chasselas hervor, glänzt aber nicht mit Innovation.

Ihre Firma gibt es seit über zehn Jahren. Was muss ein erfolgreicher Unternehmer mitbringen?

In meinem Fall war es sicher meine langjährige Erfahrung als Weineinkäufer. Aus­serdem ist es wichtig, den Mut zu haben, neue Wege zu beschreiten und nicht einfach das zu machen, was alle machen. Entscheidend ist auch, dass die Mitarbeiter Freude an ihrer Arbeit haben. Und, das darf man auf keinen Fall vergessen, es gehört immer auch eine Portion Glück dazu.

Weinhandel ist ein beliebtes Hobby. Profitieren die Konsumenten davon?

Für den Weinliebhaber ist die Schweiz ein Eldorado. Sie zählt zu den wettbewerbsintensivsten Märkten der Welt, und man gewinnt wirklich den Eindruck, dass es Mode geworden ist, Weinhändler zu werden. Bei einer Bevölkerung von 8 Millionen haben wir rund 3300 Weinhandlungen. Wer seinen Job nicht gut macht, geht schnell unter.

Der St. Galler Philipp Schwander (49) absolvierte eine Lehre als Textilkaufmann und stieg früh in die Weinszene ein. Seit 2003 ist er Inhaber der Selection Schwander in Zürich und einer der grössten Weinimporteure der Schweiz. Zudem bestand er als einziger Schweizer die härteste Weinprüfung der Welt, den «Master of Wine».