Belagerter Chemiekonzern - Gute Zahlen machen Clariant als Ziel noch attraktiver

Das Tagesgeschäft bei Clariant läuft überraschend gut. Der Chemiehersteller übertrifft die Erwartungen im dritten Quartal deutlich. Dennoch kann sich die Aktie nur mit Mühe behaupten.
31.10.2017 11:54
Von Lorenz Burkhalter
Clariant-Hauptsitz in Muttenz BL.
Clariant-Hauptsitz in Muttenz BL.
Bild: ZVG

Der Schlagabtausch mit dem oppositionellen Finanzinvestor White Tale dürfte Clariant-Chef Hariolf Kottmann und seine Geschäftsleitungskollegen in den vergangenen Wochen ziemlich absorbiert haben. Dasselbe gilt für den mittlerweile abgesagten transatlantischen Schulterschluss mit Huntsman.

Wie der am frühen Dienstag veröffentlichte Zahlenkranz beweist, tangierten diese Störfaktoren das Tagesgeschäft jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Der Spezialitätenchemiehersteller aus Basel übertrifft die Analystenschätzungen sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) teilweise deutlich.

Nachdem die Aktie von Clariant zu Wochenbeginn unter Druck geraten war, setzte sie an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel zu einer Erholung an. Zur Stunde gewinnt sie noch 0,5 Prozent auf 24,78 Franken.

Der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst findet insbesondere an der starken Umsatzentwicklung sichtlich gefallen. In Franken betrachtet stieg der Umsatz im Jahresvergleich um stolze 12 Prozent, wovon 9 Prozent organisch. Selbst die schwächste Region Lateinamerika habe ein Wachstum von 3 Prozent erzielt, so lautet der Tenor.

Dem Experten zufolge konnte der Spezialitätenchemiekonzern gerade in den Geschäftsbereichen Care Chemicals und Catalysis glänzen. Bei Catalysis waren im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung negative Einflüsse im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm "Harvey" erwartet worden. Diese Ängste erweisen sich rückblickend als übertrieben.

Neuausrichtung der letzten Jahre macht sich endlich bezahlt

Einziges Haar in der Suppe ist der leicht schwächer als erwartet ausgefallene Umsatz- und Gewinnbeitrag von Natural Resources. Der Analyst der Zürcher Kantonalbank rechnet hier über die kommenden Quartale jedoch mit einer Belebung. Er stuft die Aktie deshalb weiterhin mit "Übergewichten" ein.

Etwas zurückhaltender äussert sich sein Berufskollege von Baader-Helvea. Vom prozentual zweistelligen Umsatzwachstum schliesst er zwar darauf, dass sich die strategische Neuausrichtung der letzten Jahre endlich bezahlt macht. Dieser Umstand reiche jedoch nicht aus, um den Markt über den gescheiterten Zusammenschluss mit Huntsman und den Disput mit dem oppositionellen Grossaktionär White Tale trösten zu können. Da der Experte nicht mit einer raschen Lösung dieses Problems rechnet, lautet sein Anlageurteil für die Aktie wie bis anhin "Hold". Das Kursziel gibt er mit 25 Franken an.

Clariant ein attraktives Übernahmeziel

Die für die Bank Vontobel tätige Expertin begrüsst hingegen das starke Umsatzwachstum und die verbesserte Rentabilität. Anders als bei Catalysis sieht sie die Geschäftsentwicklung bei Natural Resources durchaus durch den Wirbelsturm "Harvey" beeinträchtigt. Für den Vontobel-Analystin steht dennoch fest: Angesichts des starken Ergebnisses wird Clariant als Übernahmekandidat noch attraktiver. Sie empfiehlt die Aktie deshalb mit "Buy" und einem Kursziel von 28 Franken.

Auch bei Baader-Helvea wird ein Verkauf von Clariant ins Ausland für möglich gehalten. Dabei könnte ein Interessent bis zu 30 Franken je Aktie bieten, so liess man die Anlagekunden am letzten Freitag in einem Kommentar wissen. Auf kurze Sicht wird das Handelsgeschehen allerdings von der Ungewissheit rund um den Disput mit White Tale überschattet.