Beliebte Zocker-AktieEvolva: Kapitalerhöhung wird wahrscheinlicher

Umsatz und Reinverlust verfehlen bei Evolva einmal mehr die Analystenerwartungen. Die liquiden Mittel schmelzen weiter vor sich hin. In Erwartung einer baldigen Kapitalerhöhung steht die Aktie unter Verkaufsdruck.
14.08.2017 15:52
Von Lorenz Burkhalter
Evolva stellt auch Süssstoffe für Trendgetränke her.
Evolva stellt auch Süssstoffe für Trendgetränke her.
Bild: Pixabay

Bei Anlegern ist die Aktie von Evolva wegen ihren starken Kursausschlägen beliebt. Doch wie das am Montagmorgen veröffentlichte Halbjahresergebnis zeigt, befindet sich das auf Nahrungsmittelzusatzstoffe spezialisierte Unternehmen noch immer in einem Überlebenskampf.

Mit 3,6 Millionen Franken verfehlt der Umsatz die bei 5,1 Millionen Franken liegenden Analystenschätzungen klar. Im Jahresvergleich hat Evolva sogar einen leichten Rückgang zu beklagen. Folglich fällt mit 20,3 Millionen Franken auch der Reinverlust höher als erwartet aus. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Experten hatten durchschnittlich mit einem Fehlbetrag von 19,3 Millionen Franken gerechnet.

Die liquiden Mittel lagen zur Jahresmitte bei 34 Millionen Franken, nach 47,5 Millionen Franken per Ende Dezember letzten Jahres. Enttäuscht wird auch, wer sich anlässlich der Ergebnisveröffentlichung Informationen in Bezug auf die zukünftige Strategie erhoffte. Noch will sich der neue Konzernchef Simon Waddington nicht so recht in die Karten schauen lassen.

An der Schweizer Börse SIX wird die Evolva-Aktie zur Stunde mit einem Minus von 4,4 Prozent auf 0,44 Franken abgestraft. Damit liegt sie knapp 40 Prozent unter dem Stand von Ende Dezember.

Als eine der ersten ihrer Berufsgruppe meldet sich die Analystin der Bank Vontobel zu Wort. Ihre Prognosen seien bei den Produktumsätzen klar übertroffen worden, so schreibt sie. Im Gegenzug zeigt sie sich enttäuscht von den deutlich unter den Erwartungen ausgefallenen Projektumsätzen. Dasselbe gilt für die vom Unternehmen zur jeweiligen Umsatzentwicklung in diesem Jahr gemachten Aussagen.

Eine Kapitalerhöhung liegt in der Luft

Der Vontobel-Expertin zufolge wurden erste Schritte unternommen, um das Unternehmen in die richtige Richtung zu führen. Das gilt sowohl für die Kostenseite als auch für die strategischen Schwerpunkte. Die beiden Schlüsselprojekte Nootkatone und EverSweet scheinen sich entsprechend den bankeigenen Prognosen zu entwickeln. Sprich: Die Zulassung von Nootkatone in den USA wird für die zweite Hälfte nächsten Jahres erwartet, die Markteinführung von EverSweet steht für 2018 auf dem Plan. 

Die Analystin will ihre Prognosen entsprechenden Anpassungen unterziehen. Während sie am "Hold" lautenden Anlageurteil für die Aktie festhält, nimmt sie das Kursziel von 0,65 Franken in negative Revision.

Für Gesprächsstoff sorgen auch die vor sich hinschmelzenden liquiden Mittel. Wie die für die Bank Vontobel tätige Analystin schon im Ausblick auf die Halbjahresergebnispräsentation schrieb, wird Evolva vermutlich nicht um eine Kapitalerhöhung herumkommen. Ihres Erachtens muss das Unternehmen den Aktionären zuvor allerdings aufzeigen, wohin es in Zukunft strategisch gehen soll.