Beratung ohne Berater - Commerzbank-Tochter gewinnt Kunden mit Robo-Berater

Während die Deutsche Bank am Start einer neuen digitalen Vermögensverwaltung für Privatkunden im Spätsommer arbeitet, ist die Comdirect Bank bereits seit einigen Wochen mit einer entsprechenden Plattform im Markt.
08.07.2017 19:03
Robo-Beratung hat Ziel, die Dienstleistungen eines traditionellen Finanzberaters zu digitalisieren und zu automatisieren.
Robo-Beratung hat Ziel, die Dienstleistungen eines traditionellen Finanzberaters zu digitalisieren und zu automatisieren.
Bild: pixabay.com

Die erste Bilanz der Tochter der Commerzbank zu dem Robo-Berater fällt positiv aus. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Start von Cominvest im Mai. Cominvest wird von Markt sehr gut angenommen, und wir freuen uns über den guten Zulauf, auch von neuen Kunden“, sagt Sabine Schoon, Leiterin Corporate Strategy & Consulting bei dem Unternehmen, gegenüber Bloomberg.

Wie viele Nutzer das neue Angebot anlocken konnte, will Comdirect nicht verraten. Genaue Zahlen sollen bei der Vorlage des Halbjahresberichts am 1. August genannt werden. „Was wir aber bisher sagen können, ist, dass das durchschnittliche Anlagevolumen erfreulich über dem Einstiegsbetrag von 3000 Euro liegt“, erklärt Schoon.

Robo-Plattformen sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Sie bieten eine automatisierte Anlageberatung bei vergleichsweise geringen Gebühren. Nutzer müssen in vielen Fällen zum Start nur ein paar Fragen beantworten, etwa zum Anlagezeitraum und zum Risiko. Im Gegenzug gibt es einen Anlagevorschlag. Die Angebote richten sich dank niedriger Mindestsummen an einen breiteren Kreis und nicht nur an Anleger mit grossem Vermögen.

Im Fall der Comdirect ist der Einstieg ab 3000 Euro möglich. Quirion, eine Plattform der Berliner Quirin Bank AG, wirbt auf ihrer Webseite mit einer Vermögensverwaltung ab 10.000 Euro.

Deutsche Bank will nachziehen

Das geplante Angebot der Deutschen Bank läuft unter dem Namen "Digitales Diskretionäres Portfolio-Management". Die genauen Mindestanlagebeträge würden noch nicht feststehen, aber technisch sei es möglich, dies ab einer Summe von 2500 Euro anzubieten, erklärt ein Sprecher von Deutschlands grösster Bank . Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass wir damit innerhalb eines Jahres wenigstens 1 Milliarde Euro an neuem Anlagegeld einsammeln“.

„Der Robo-Advice-Markt dürfte in den nächsten Jahren weiter stark wachsen“, meint auch Matthias Hübner, Partner bei der Strategieberatung Oliver Wyman Inc., gegenüber Bloomberg. Deren Daten zufolge gibt es etwa „20 bis 25 aktive Player“ in Deutschland. Bis zu umgerechnet knapp 620 Millionen Euro würden derzeit dort von Robo-Beratern verwaltet. Das Unternehmen erwartet, dass das Volumen bis zum Jahr 2020 auf rund 20 Milliarden Euro ansteigen wird.

Prominente Markteintritte grosser Anbieter könnten laut Hübner für einen weiteren Schub sorgen: „Wir erwarten hier eine zusätzliche Welle, da sich die grossen Marktteilnehmer wie Banken, Asset-Manager und auch Versicherer intensiv mit Robo-Advice beschäftigen und mit eigenen Angeboten an den Start gehen werden“.

Hübner glaubt, dass die grossen Unternehmen vermutlich einen Grossteil der Aktiva in den nächsten Jahren für sich beanspruchen werden - so dass Start-up-Firmen nur einen kleineren Teil ausmachen dürften.

Angebote in Deutschland noch bescheiden

Eine Analyse seines Unternehmens zeige aber auch, dass die aktuell auf dem deutschen Markt verfügbaren Angebote verglichen mit den USA noch relativ teuer seien. Hübner: „Auf lange Sicht wird sich das heutige Gebühren-Niveau von Robo-Advisors am Markt nicht durchsetzen lassen“.

Im internationalen Vergleich seien die Nutzung und Akzeptanz von Robo-Advisors in Deutschland noch etwas im Rückstand. „Der Grund hierfür ist die grundsätzlich geringere Affinität der Deutschen zu Fonds- und Aktieninvestments sowie zur Digitalisierung. Das bedeutet aber auch, dass der deutsche Markt entsprechendes Aufholpotenzial bietet“, erklärt er.

Auch Schoon von Comdirect sieht Nachholbedarf. "Grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland noch sehr viel Potenzial besteht beziehungsweise noch viel Basisarbeit zu leisten ist, um deutlich mehr Menschen von der Anlage in Wertpapieren zu überzeugen“, sagt sie. "Wir sind aber überzeugt, dass an Wertpapieren für den Vermögenaufbau langfristig kein Weg vorbeiführt. Und daher wollen wir die Geldanlage in Wertpapiere so einfach wie möglich gestalten." Ein Weg dabei könnten Robo-Berater sein.

(Bloomberg)