Berset appelliert an Verantwortung der Prämienzahler

Die Krankenkassenprämien für Erwachsene steigen im nächsten Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent oder 19.15 Franken pro Monat. Am grössten ist der Anstieg bei den Kinderprämien.
26.09.2016 12:27
Alain Berset, Chef des Eidgenössische Departements des Innern (EDI).
Alain Berset, Chef des Eidgenössische Departements des Innern (EDI).
Bild: ZVG

Gesundheitsminister Berset appelliert nun auch an die Eigenverantwortung der Versicherten. Der Grund für die steigenden Kinderprämien - es sind 6,6 Prozent oder 6.55 Franken - sei, dass die Prämien bei den Kindern in den letzten Jahren die Kosten nicht mehr decken konnten. Das gab das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag bekannt.

Zwar müssen die Krankenkassen für Kinder tiefere Prämien festsetzen als für Erwachsene. Die Höhe des Rabatts ist aber nicht vorgeschrieben. Auch die jungen Erwachsenen werden 2017 stärker zur Kasse gebeten: Ihre Prämien steigen im Schnitt um 5,4 Prozent.

Die Prämienerhöhung um 4,5 Prozent gilt für sogenannte Standardprämien - die Grundversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Je nach Kanton variieren die Zahlen stark.

In sieben Kantonen (AG, BE, LU, SH, TG, ZG, ZH) liegen die durchschnittlichen Anpassungen der Standardprämien unter 4 Prozent. Personen in elf Kantonen (AI, BL, FR, GE, GL, GR, JU, NE, SO, TI, VS) müssen mit einem Anstieg von über 5 Prozent rechnen. Mit 7,3 Prozent die höchste Anpassung hinnehmen müssen die Jurassier, die kleinste Erhöhung gibt es mit 3,5 Prozent im Kanton Bern.

Am höchsten sind die Durchschnittsprämien für Erwachsene weiterhin in Basel und Genf mit 567 respektive 554 Franken. Die günstigsten Prämien bezahlen Erwachsene in Appenzell Innerrhoden mit 347 Franken und in Nidwalden mit 360 Franken.

Doch längst nicht alle Versicherten bezahlen diese Beträge. Wer ein alternatives Versicherungsmodell wählt oder eine höhere Franchise bezahlt unter Umständen mehrere hundert Franken weniger als eine Person mit der Höchstprämie.

Gesundheitsminister Alain Berset appellierte an der Medienkonferenz vom Montag an die Versicherten, es liege auch in ihrer Verantwortung, die eigene Prämie zu minimieren. Allerdings lohnt sich eine hohe Franchise weniger als auch schon: In diesem Bereich steigen die Prämien auf das kommende Jahr stärker als bei den tiefen Franchisen, wie BAG-Direktor Pascal Strupler sagte.

Die Krankenkassen müssen ihre Versicherten bis Ende Oktober über die Prämien für das kommende Jahr informieren. Ein Wechsel der Krankenkasse oder des Versicherungsmodells ist dann bis Ende November möglich.

Einen Einfluss auf die Prämienanstiege 2017 hat auch der sogenannte verfeinerte Risikoausgleich. Kassen mit vielen gesunden Versicherten müssen ab dem kommenden Jahr mehr Geld in den Ausgleich einzahlen, ihre Prämien dürften stärker ansteigen. Krankenkassen mit Versicherten, die teure Medikamente benötigen, erhalten mehr Geld aus dem Ausgleichstopf. Diese Kassen dürften die Prämien moderater nach oben anpassen.

"Für Krankenkassen lohnt es sich immer weniger, Gesunde anzuwerben", sagte Strupler. Die Prämien der verschiedenen Kassen würden sich in der Folge immer mehr angleichen.

Die Krankenkassenprämien sind seit der Einführung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung im Jahr 1996 jedes Jahr angestiegen, in den letzten zehn Jahren im Schnitt um 3,6 Prozent. Lag die Durchschnittsprämie bei der Einführung noch bei 173 Franken pro Monat, sind es im nächsten Jahr bereits 447 Franken.

Ein Ende des Anstiegs ist nicht absehbar. Die Gesundheitskosten und damit auch die Prämien werden weiter steigen, sagte Gesundheitsminister Berset. Ein Grund sei die Demografie, "bis 2050 werden in der Schweiz doppelt so viele 80-Jährige leben wie heute."

Dazu komme der medizinisch-technische Fortschritt. Dadurch würden zwar die Behandlungen immer besser, was gut für die Patienten sei. Dafür stiegen aber auch die Kosten. Das Ziel sei die "beste Behandlung zu bezahlbaren Preisen", so Berset. Kritik äusserte der Gesundheitsminister am teils unbegründeten Mengenwachstum.

Zurzeit erschwerend für die Krankenkassen hinzu kommen die Negativzinsen, wie Berset weiter sagte. Bei Reserven von rund sechs Milliarden Franken habe die Zinssituation einen Einfluss auf das Budget.

(SDA)