Big Mac war gestern: Hier kommt der iPhone-Index

Investoren, die in der Vergangenheit den Preis eines Big Mac genutzt haben, um die Über- oder Unterbewertung einer Devise festzustellen, müssen möglicherweise umdenken.
31.07.2016 10:41
Von gross bis klein: Die aktuellen iPhones von Apple.
Von gross bis klein: Die aktuellen iPhones von Apple.
Bild: ZVG

Der neue iPhone-Index von Nomura Holdings legt den Schluss nahe, dass der US-Dollar die am meisten unterbewertete Währung ist unter 23 wichtigen globalen Devisen - basierend auf dem Preis für das Handy von Apple in verschiedenen Ländern.

Das ist der entgegengesetzte Rückschluss im Vergleich zu anderen Kaufkraftparitäts-Barometern wie etwa dem Big-Mac-Index, welcher den Greenback unter den am meisten überbewerteten Devisen auf dem vierten Rang führt.

"Der iPhone-Index sollte etwas verlässlicher sein als der Big-Mac-Index - niemand wird in ein anderes Land fliegen, um einen Big Mac zu kaufen, wohingegen sie vielleicht für ein iPhone in ein anderes Land fliegen", sagt Bilal Hafeez, globaler Chef für Devisen-Analysen bei Nomura in London.

Wertet der Dollar stark auf?

Anzeichen für eine Veränderung des konjunkturellen Umfelds - die Arbeitslosenzahlen, Einzelhandelsumsätze und Hausbaubeginne schlugen im Juni allesamt die Erwartungen - haben auf dem Futures-Markt zu einem Umdenken geführt, was den Dollar antreiben und damit dem iPhone-Index Recht geben könnte.

Hafeez geht davon aus, dass der Dollar bis Jahresende auf 1,05 Dollar je Euro aufwerten wird - verglichen mit zuletzt 1,0990 Dollar. Das ist optimistischer als die 1,08-Dollar-Median-Prognose in einer Bloomberg-Umfrage.

Seit Jahren hatten Händler den Big-Mac-Index genutzt, der auf dem Preis für den Hamburger von McDonald’s Corp. basiert, um den relativen Wert von Devisen herauszufinden. Hinzu kamen ein OECD-Massstab und Barometer, die Verbraucher- und Erzeugerpreisen als Grundlage nutzen. Sie alle zeigen den Dollar als auf breiter Front überbewertet.

Der iPhone-Index ist besser als die traditionellen Barometer, weil er das "definierende Produkt des digitalen Zeitalters" verwendet, meint Hafeez. "iPhone ist Technologie am oberen Ende. Das wird die grössere Triebfeder in der Zukunft sein."

Grosse Preisspanne bei iPhone

In Ländern wie Russland, in denen das iPhone auf Dollar-Basis mehr kostet, ist davon auszugehen, dass der Greenback relativ unterbewertet ist im Vergleich zur lokalen Währung - und umgekehrt.

Typische Preise reichen von 649 Dollar in den USA über 705 Dollar in Grossbritannien und 1213 Dollar in Brasilien, heisst es von Nomura. Hafeez zufolge kann es sich niemals um perfekte Vergleiche handeln, weil die Preise auch lokale Steuern und andere Kosten beinhalten können.

Apple hat nach eigenen Angaben weltweit 231 Mio. iPhones verkauft in dem Geschäftsjahr, das im September 2015 zu Ende gegangen ist.

Esoterische Kaufkraft-Indizes sind nichts Neues. Kit Juckes von Societe Generale hat nach eigenen Angaben sein eigenes iPad-Barometer aufgestellt sowie Indizes, die auf den Kosten für Martinis und Kaffeeprodukte basieren.

Sie sind eine "unbeschwerte Art und Weise, um auf den fairen Wert einer Devise zu schauen, um andere Massstäbe zu unterstützen - wie fundamentale Kurse am Devisenmarkt", sagt Juckes, der von London aus als Stratege arbeitet.

Juckes ist "leicht optimistisch" mit Blick auf den Dollar. Er geht davon aus, dass die US-Währung bis zum Ende des Jahres auf 1,08 Dollar je Euro aufwerten wird.

(Bloomberg)