Biosimilars: Stieg Lonza wegen Roche aus?

Noch bis vor wenigen Monaten galt das Geschäft mit Biosimilars bei Lonza als zukünftiger Wachstumstreiber. Nun wollen die Basler nichts mehr davon wissen. Und das zu Recht - trotz negativer Marktreaktion.
25.07.2013 09:20
Von Lorenz Burkhalter

Das Basler Life Science Unternehmen Lonza informierte heute Donnerstag zeitgleich mit der Präsentation der Halbjahreszahlen über den Ausstieg aus dem Joint-Venture mit Teva Pharmaceuticals zu informieren. Das israelische Partnerunternehmen wird in Zukunft auf eigene Faust Nachahmerprodukte für biotechnologisch hergestellte Medikamente entwickeln.

Der Entscheid, sich aus dem Geschäft mit sogenannten Biosimilars zurück zu ziehen, kommt nicht überraschend. Nur wenige Monate nach der Stabsübergabe an den neuen CEO Richard Ridinger kündigte Lonza Ende November an, das Joint-Venture mit Teva Pharmaceuticals einer strategischen Prüfung zu unterziehen.

Lonza gab weder damals noch heute Gründe für die strategische Prüfung und den letztendlichen Ausstieg aus dem Joint-Venture bekannt. Folglich kann nur darüber spekuliert werden. Es liegt allerdings auf der Hand, dass die regulatorischen Vorgaben komplexer und strenger als ursprünglich erwartet ausgefallen sind. Dadurch wäre der Investitionsbedarf für die beiden Partnerunternehmen auf längere Sicht wohl aus dem Ruder gelaufen. Ausserdem war das Joint-Venture mit ihren Entwicklungsprojekten in den letzten Monaten zeitlich gegenüber anderen Anbietern in Rückstand geraten.

Kommt Roche Schlüsselrolle beim Entscheid zu?

Als Lonza im Jahr 2009 den Einstieg ins Geschäft mit Biosimilars bekannt gab, dürfte das Unternehmen den Grosskunden Roche vor den Kopf gestossen haben. Denn schon damals war Lonza schon mit der Antikörperproduktion für einige biotechnologisch hergestellte Medikamente der Basler beauftragt. Möglicherweise wehrte sich der Grosskunde erfolgreich dagegen, über das Joint-Venture mit Teva Pharmaceuticals aus den eigenen Reihen angegriffen zu werden. Und das erst noch mit der Erfahrung, welche sich Lonza in den Jahren zuvor als Zulieferer angeeignet hatte.

In Analystenkreisen wurde das Joint-Venture mit dem israelischen Partnerunternehmen von Anfang an als zukünftiger Wachstumstreiber gehandelt. Dieser Wachstumstreiber fällt nun weg. Möglicherweise wird der eine oder andere Analyst seine zukünftigen Umsatz- und Gewinnschätzungen mit dem Rotstift überarbeiten müssen. Dementsprechend harsch dürfte die Reaktion des Marktes ausfallen. Strategisch betrachtet ist der Entscheid aus Sicht der Lonza-Aktionäre dennoch zu begrüssen.

Nachdem die Aktien von Lonza im vorbörslichen Handel zeitweise um knapp 5 Prozent einbrachen, verlieren sie an der SIX im frühen Handel noch gut 1 Prozent. Der Einbruch wird sowohl in den Basiswerten als auch in den Derivaten von regen Handelsaktivitäten begleitet.