Blackrock rechnet mit steigender Popularität von ETF

Auch nach der Finanzkrise bleibt die Vermögensverwaltung ein grosses Geschäft. Doch in der Branche zeichnet sich eine Zeitenwende ab.
03.07.2016 07:20
BlackRock gilt als weltgrösster Vermögensverwalter.
BlackRock gilt als weltgrösster Vermögensverwalter.
Bild: cash

Die Zahlen sprechen für sich: Während Banken Stellen abbauen, hat die Beschäftigung bei den größten börsengehandelten Vermögensverwaltern von 2008 bis 2015 um 20 Prozent zugelegt, wie aus Zahlen von Bloomberg hervorgeht. Nun warnen jedoch Larry Fink von BlackRock und Gregory Johnson von Franklin Resources vor einer Zeitenwende.

Betroffen sind Gesellschaften, die auf aktives Management setzen, um durch Auswahl von Aktien und Anleihen den Markt zu schlagen. Sie schneiden im Vergleich zu Wettbewerbern, die Indexfonds anbieten, schwach ab. Verantwortliche der Fondsgesellschaften zeichnen schon ein Bild von sinkenden Anlagevolumina, geringeren Gewinnmargen und verstärkten Zusammenschlüssen.

"Große Firmen sprechen mit großen Firmen", sagt Joseph Sullivan, Chief Executive Officer der Fondsgesellschaft Legg Mason. “Es gibt derzeit eine Menge von Gesprächen auf höchster Ebene.”

Mehrere Firmen haben jüngst Stellen gestrichen. Pacific Investment Management, deren Pimco Total Return einst größter Anleihefonds der Welt war, hat die Stellen um drei Prozent oder 68 Mitarbeiter gekürzt, nachdem das verwaltete Vermögen von einem Hoch vor drei Jahren um ein Viertel gesunken war.

Indexfonds ziehen an

GMO, bekannt für die dem Markt oft entgegengesetzten Einschätzungen von Mitgründer Jeremy Grantham, hat sogar rund zehn Prozent der 650 Stellen abgebaut. Hintergrund waren starke Rückgänge der Anlagen. Tucker Hewes, ein Sprecher von GMO, wollte dies nicht kommentieren.

Profiteure der Entwicklung sind die passiven Fonds. Die Indexfonds haben in den USA in den vergangenen fünf Jahren 1,7 Billionen Dollar angezogen, während aktive Fonds Abflüsse verzeichneten. Ein Grund sind die geringeren Gebühren. So berechnen Aktien-ETFs teilweise nur 0,05 Prozent pro Jahr, während aktive Fonds im Schnitt auf 0,82 Prozent kommen.

Die Entwicklung ist aber nicht nur den höheren Gebühren, sondern auch dem mangelnden Erfolg geschuldet. Auf Fünf-Jahres-Sicht bis Ende Dezember haben nur 39 Prozent der Aktien-Investmentfonds ihre Referenzindizes geschlagen, wie Morningstar feststellt. Bei Anleihefonds sieht es nicht viel besser aus. In den vergangenen zwei Kalenderjahren hinkten drei Viertel der steuerpflichtigen Anleihefonds hinter dem Marktdurchschnitt hinterher.

"Die Wahrheit ist, dass Indexfonds das Ruder übernommen haben", so Franklin CEO Johnson zur Financial Times Anfang Juni. Das Unternehmen ist eine der internationalen Größen bei Aktien- und Anleihefonds, musste sich im Februar jedoch von einem Prozent seiner 9400 Mitarbeiter trennen. In jedem der vergangenen drei Quartale hatte das Unternehmen Kapitalabzüge von über 20 Mrd. Dollar erlitten. Hinzu kam die enttäuschende Entwicklung des Aushängeschilds. Der 48 Mrd. Dollar schwere Templeton Global Bond Fund hinkte im vergangenen Jahr vergleichbaren Fonds hinterher.

Auch BlackRoch baute Stellen ab

Fink rechnet in Zukunft mit noch massiveren Umschichtungen, wie er auf einer Konferenz am 31. Mai sagte. Er verwies dazu auf neue Regelungen des US-Arbeitsministeriums, nach denen Finanzberater bei Empfehlungen für die Altersvorsorge die Interessen des Anlegers an die erste Stelle setzen müssen. Dies könnte den günstigen Indexfonds in die Hände spielen.

BlackRock ist mit seiner Mischung aus aktiven Fonds und ETFs für den Wandel gewappnet. Trotzdem soll die Gesellschaft rund 400 Stellen oder rund drei Prozent der 13.000 Beschäftigten abgebaut haben, wie informierte Kreise im März berichteten. Bis Jahresende soll die Belegschaft aber wieder wachsen, so eine der informierten Personen.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Sean Healey, CEO der Affiliated Managers Group, stuft die Konsolidierung der Branche nicht als Lösung ein. Ganz im Gegenteil: Die Verwaltung größerer Fonds mache Manager oft weniger erfolgreich.

Peter Kraus, CEO der AllianceBernstein Holding, rechnet mit einer anhaltenden Schwäche aktiv verwalteter Fonds. In einem Interview mit Bloomberg TV im Juni ging er von einer Schrumpfkur der Fonds aus. Erst wenn die von aktiven Fonds verwalteten Gelder um bis zu 30 Prozent gesunken seien, dürften sie ihre Fähigkeit, Indizes zu schlagen, wieder erlangen. Für viele Fonds dürfte eine derartige Kur allerdings schlimmer als die eigentliche Krankheit sein.

(Bloomberg)