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Bleibt die Airbus-Aktie auf Kurs?

Grossaufträge sind Wind unter den Flügeln von Airbus. Gerade diese Woche füllen sich die Auftragsbücher wieder. Doch lohnt sich die Aktie des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns wirklich?
16.06.2015 15:00
Von Marc Forster
Eine Regionalversion des A330 (Bild) könnte zum Erfolgsjet für Airbus werden.

Die Aviatik-Welt trifft sich diese Woche zum Flugsalon in Le Bourget bei Paris. Während die Flugzeuge in der Luft ihre Show-Runden drehen, werden auf dem Flugfeld Milliardengeschäfte vereinbart. Die Airlines geben während der Flugshows von Paris oder Farnborough in England, die sich von Sommer zu Sommer abwechseln, gerne ihre Grossbestellungen auf.

Mit besonders dicken Scheckbüchern kommen nicht selten die Repräsentanten der Carrier vom arabischen Golf. Die Bestellungen von Emirates, Etihad oder Qatar Airways sind Umsatzbringer für die Hersteller Airbus und Boeing. Und damit Treiber für deren Aktien. Airbus konnte diese Woche bereits 145 Bestellungen einheimsen, darunter Order für die neu aufgelegte, verbrauchsgünstigere Version des für Airbus lukrativen Dauerrenners A320 (A320neo) oder den Grossraumjet der neuesten Generation A350. Bei Boeing belaufen sich die Order auf 79 Flugzeuge.

Vertrauensbeweis

Laut Analysten am wichtigsten für Airbus ist aber, dass Saudi Arabian Airlines 20 Stück vom A330R bestellen will. Airbus konzipiert vom Ende der 80er Jahre aufgelegten, zuverlässigen Mittel- und Langsteckenjet A330 eine leichtere und damit verbrauchsgünstigere Regional-Variante. Dieses Flugzeug besteht im Moment nur auf dem Papier, soll aber mit bis zu 400 Passagieren im stark anschwellenden Regionalverkehr etwa in Asien oder im Mittleren Osten zum Einsatz kommen.

Dass die Saudis das Flugzeug ordern, ist ein Vertrauensbeweis, auch wenn Airbus damit ausgerechnet mit einem seiner ältesten Grossraummodelle Erfolg hat. Weiter erhofft sich der Hersteller, den A330R in Asien, besonders in China, absetzen zu können.

Die Aktie des europäischen Flugzeugbauers – die wichtigsten Produktionsstätten befinden sich in Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und Spanien – kletterte im Frühling auf ein Allzeithoch. Das an der Börse Euronext kotierte Papier hatte im April bei 66,10 Euro sein Allzeithoch. Aktuell steht das Paper bei 58 Euro 44 Prozent höher als zum Jahresanfang, wobei klar ist, dass die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank viel von diesem Kursanstieg bewirkt hat.

Es gab auch Rückschläge

Wie gesagt, die Auftragslage beeinflusst die Anleger-Sicht auf Airbus entscheidend. Dabei hat es auch Rückschläge gegeben. Grosskunde Emirates stornierte vor einem Jahr seine Bestellungen für 70 der neuen A350, und vor einem Monat stürzte ein Prototyp des Militärtransporters A400M in Spanien ab. Bei einem Unternehmen wie Airbus lässt sich die Entwicklung nie verlässlich voraussagen. Der Rüstungsteil der Gruppe hat nur bis 2018 Aufträge, und zum Sparen angehaltene Regierungen streichen ihre Verteidigungsbudgets zusammen.

Wann der (lange unter Startschwierigkeiten leidende) Grossraumjet A350 Gewinn einfliegt, ist unsicher, und beim prestigeträchtigen, aber teuren A380 dürfte Airbus die Entwicklungskosten nie hereinholen. Zudem schleppt Airbus strukturelle Probleme mit sich herum, denn das Zusammenspiel ehemals eigenständiger Firmen in verschiedenen Staaten funktioniert nicht perfekt. Ausserdem ist unter anderem der französische Staat an Airbus beteiligt, der eigene Vorstellugen von Industriepolitik hat. Schliesslich ist Airbus relativ stark den Schwankungen im Euro-Dollar-Kurs ausgesetzt.

Analysten sind optimistisch

Ist Airbus nun ein Investment? Oder droht mit der Flugzeugbauer-Aktie eine Bruchlandung? Die Credit Suisse und die UBS jedenfalls haben Airbus auf dem Kaufzettel. Mit 69 Euro (CS) und 72 Euro (UBS) haben die beiden Grossbanken "Price Targets" klar über dem aktuellen Kurs gesetzt. Im vergangenen Jahr hat Airbus 60 Milliarden Euro Umsatz und 4 Milliarden Euro Betriebsgewinn erreicht und ist laut Konzernchef Tom Enders auf dem Weg, die Ziele für 2015 zu erreichen.

Anleger freut, dass die Dividendenrendite bei immer hin 3,2 Prozent liegt und im dritten Quartal möglicherweise ein Aktienrückkauf kommt. Auf kürzere Frist wirkt Airbus vertrauenserweckend, in längerer Frist sieht es eher nach einem Blindflug aus.