+++Börsen-Ticker+++Gute Unternehmenszahlen beflügeln Wall Street

Die US-Börsen haben sich am Dienstag nach starken Unternehmenszahlen mit Gewinnen präsentiert.
01.08.2017 22:45
Gute Unternehmensbilanzen heisst gute Laune bei den Händlern am Dienstag an der Börse in New York.
Gute Unternehmensbilanzen heisst gute Laune bei den Händlern am Dienstag an der Börse in New York.
Bild: Bloomberg

22:45

"Bis jetzt war es eine sehr gute Berichtssaison", sagt Craig Erlam, Analyst beim Devisenbroker Oanda. "Das verhilft den US-Aktien zu Rekordwerten und macht Enttäuschungen über die Unfähigkeit von US-Präsident Donald Trump wett, seine wirtschaftspolitischen Ideen umzusetzen."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent höher auf 21'963 Punkten. Im Verlauf war er auf ein Rekord von 21'990 Zählern geklettert. Damit ist das Marktbarometer nur noch wenige Punkte von der psychologisch wichtigen Marke von 22'000 Stellen entfernt. Der breiter gefasste S&P 500 erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 2476 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,2 Prozent auf 6362 Punkte.

Ihr Augenmerk richten Anleger nun auf Apple. Der Technologiekonzern wollte nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vorlegen. Die Papiere notierten 0,9 Prozent fester. Der Technologiesektor hat in diesem Jahr besonders stark zugelegt. Das schürte Befürchtungen, Papiere der Branche könnten überbewertet sein und vor einer Korrektur stehen.

Die Aktien von Sprint sprangen rund 11 Prozent in die Höhe. Der Mobilfunkanbieter verdiente im abgelaufenen Quartal erstmals seit drei Jahren wieder Geld. Zudem kündigte Firmenchef Marcelo Claure Informationen zu einer Fusion "in der nahen Zukunft" an. Als ein möglicher Partner gilt die US-Tochter der Deutschen Telekom.

Aus Enttäuschung über den Ausblick warfen Anleger die Aktien von Mosaic aus ihren Depots. Die Papiere des Düngemittelherstellers fielen mehr als 5 Prozent.

Nach Vorlage enttäuschender Absatzzahlen gaben Ford-Aktien 2,4 Prozent nach, General-Motors-Papiere verloren 3,4 Prozent. Die grossen US-Autokonzerne verkauften im Juli deutlich weniger Fahrzeuge auf ihrem Heimatmarkt.

Enttäuschende Konjunkturdaten setzten die US-Währung unter Druck. Ein überraschender Rückgang der Bauausgaben und ein geringeres Wachstum der Industrie drückten den Dollar.

Auslöser war auch die Entlassung des Kommunikationschefs von US-Präsident Donald Trump, Anthony Scaramucci, nach zehn Tagen im Amt. Wenige Tage zuvor hatte Trump seinen Stabschef ausgewechselt. "Nicht nur mich erinnert das ganze Drama und die Verwicklungen in Washington an das Drehbuch einer Seifenoper", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. "Viele Fragen sind offen, und der Markt ist noch nicht überzeugt, dass dem Neuanfang im Weissen Haus auch endlich wirtschaftspolitische Erfolge folgen werden." Einem einflussreichen US-Senator zufolge sind die Chancen für Steuersenkungen - eines der Wahlversprechen Trumps - gering.

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18:00

Ermutigende Unternehmenszahlen haben Anleger am Dienstag in die Aktienmärkte Europas gelockt. Kursgewinne an der Wall Street hoben die Stimmung zusätzlich. Dax und EuroStoxx50 legten jeweils etwa ein Prozent auf 12.251 und 3477 Punkte zu. Der Höhenflug des Euro, der Waren europäischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig macht, bremste die Erholung der europäischen Märkte allerdings.

Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,1794 Dollar, nachdem sie zuvor auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 1,1845 Dollar gestiegen war. Die Analysten der Bank Morgan Stanley rechneten vor, dass ein zehnprozentiger Kursanstieg des Euro die Firmengewinne um fünf bis acht Prozent schmälert und das Wachstum im darauffolgenden Jahr um etwa 0,7 Prozentpunkte drückt. Seit Jahresbeginn hat der Euro um gut zwölf Prozent aufgewertet.

Die Bilanz der bisherigen Berichtssaison ist JPMorgan zufolge positiv. Die europäischen Firmen hätten ihre Gewinne im zweiten Quartal im Schnitt um etwa 13 Prozent gesteigert, schrieben die Experten der Bank in einem Kommentar. Triebfeder hierfür seien unter anderem die Energiewerte.

BP bildete allerdings eine Ausnahme. Der Reingewinn des britischen Ölkonzerns halbierte sich wegen Abschreibungen auf 684 Millionen Dollar. Die Aktie stieg an der Londoner Börse trotzdem um 2,4 Prozent, weil Anleger einen noch größeren Rückgang befürchtet hatten. Dank der starken Bar-Einnahmen sei die Dividende sicher, urteilten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Positiv sei auch die Entwicklung des Ölförder-Geschäfts.

Am Tag vor dem Diesel-Gipfel mit der deutschen Bundesregierung gingen auch die Aktien von BMW, Daimler und Volkswagen auf Erholungskurs und legten bis zu 1,5 Prozent zu. "Die Hoffnung besteht darin, dass die Politik den Autobauern Schützenhilfe gewähren wird", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock, mahnte jedoch zur Vorsicht. Die Branche stehe vor hohen Investitionen in neue Antriebstechnologien. Auch die drohenden Kosten für Strafen, Rückrufe und Fahrzeugrücknahmen spiegelten sich bislang nicht in den Kursen wider.

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16:30

Für den Dow Jones Industrial bedeutete dies einen erneuten Rekord bei 21 988,34 Punkten, den der Leitindex am Dienstag in den ersten Handelsminuten aufstellte. Er scheiterte damit nur knapp an der Marke von 22 000 Punkten, die ihm vorerst noch verwehrt bleibt. Zuletzt stand er 0,35 Prozent höher bei 21 968,38 Punkten.

Der Dow entwickelte sich damit weiterhin etwas besser als seine Indexkollegen, bei denen die jüngsten Rekorde schon einige Tage zurückliegen. Börsianer konstatierten dabei einen Favoritenwechsel hin zu den Standardwerten. Der Auswahlindex der Technologiewerte Nasdaq 100 zeigte sich daher auch am Dienstag wieder einen Tick zögerlicher: Er legte um 0,26 Prozent auf 5895,72 Punkte zu. Gleiches galt für den breit gefassten S&P 500 mit einem Anstieg um 0,24 Prozent auf 2476,16 Punkte.

Eine Serie von US-Wirtschaftsdaten blieb dabei am Markt weitgehend ohne Auswirkungen. Gemessen am Inflationsmass PCE war das Preisniveau in den USA im Juni nur moderat um 1,4 Prozent gestiegen, was etwas Druck vom geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed nimmt. Der vielbeachtete ISM-Einkaufsmanagerindex war ausserdem auf 56,3 Punkte gefallen. Ein Rückgang war hier von den Experten aber schon erwartet worden.

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13:00

Die Ölpreise haben sich am Dienstag nur wenig bewegt. Am Mittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 52,73 Dollar. Das war ein Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung im September stieg um zehn Cent auf 50,27 Dollar.

Damit haben sich die zum Teil starken Preisanstiege beim Öl vorerst kaum noch fortgesetzt. Marktbeobachter erklärten die jüngste Erholung, die zu einem Anstieg der Ölpreise über die Marke von 50 Dollar geführt hatte, unter anderem mit sinkenden Ölreserven in den USA. In der vergangenen Woche hatte ein unerwartet starker Rückgang der amerikanischen Lagerbestände an Rohöl noch einen kräftigen Preisschub ausgelöst.

Die Entwicklung der Ölreserven bleibt im Fokus der Anleger. Am Abend werden Lagerdaten des Interessenverbands American Petroleum Institute (API) erwartet und am Mittwoch die offiziellen Daten der US-Regierung. Experten rechnen damit, dass die Ölreserven der USA weiter gesunken sind.

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11:30

Dax und EuroStoxx50 stiegen bis zum späten Vormittag um je etwa ein halbes Prozent auf 12.170 und 3467 Punkte. Einige Firmenbilanzen machten den Anlegern Kauflaune, sagte ein Händler. Zudem seien auch Schnäppchenjäger unterwegs, nachdem der Dax im Juli 1,7 Prozent verloren hatte. Allerdings solle man nicht zu viel erwarten. "Schliesslich ist der August mit seinen unterdurchschnittlichen Umsätzen nicht gerade der beste Monate für die Aktienmärkte", sagte Markus Huber, Händler beim Brokerhaus City of London Markets. Zudem sei erfahrungsgemäss der Sommer eine nachrichtenarme Zeit.

Gebremst wurden Europas Börsen vom anhaltenden Höhenflug des Euro, der seit Montagabend wieder über 1,18 Dollar notiert. Mit dem hohen Wechselkurs - seit Jahresbeginn hat der Euro inzwischen um zwölf Prozent aufgewertet - verschlechtern sich die Absatzchancen der Exportunternehmen der Euro-Zone auf dem Weltmarkt. Längerfristig dürfte dies deren Gewinne schmälern. Viele Börsianer erwarten aus rein technischer Sicht eine Gegenbewegung, fürchten aber, dass die innenpolitischen Turbulenzen in Washington den Dollar zu unattraktiv machen.

Mit seiner Personalpolitik schwäche US-Präsident Donald Trump den Dollar, sagte Fondsmanager Thomas Altmann vom Broker QC Partners. "Alle haben mit einer 'America first' Politik gerechnet – wenn auch mit einer vollkommen anderen Ausgestaltung." Denn die grösste Unterstützung für die US-Wirtschaft komme derzeit vom schwachen Dollar und nicht von neuen Gesetzen. Der Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Senat, der Republikaner Orrin Hatch, bezeichnete derweil Trumps Pläne für eine Senkung der Unternehmenssteuer als wenig realistisch.

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09:20

Der Dax stieg in den Anfangsminuten um 0,2 Prozent auf 12.141 Punkte, ehe er seine Gewinne wieder eingrenzte. Unterstützt wurde der Markt von ermutigenden Firmenbilanzen, die den Anstieg des Euro auf über 1,18 Dollar etwas in den Hintergrund drängten, sagte ein Händler. Der Anstieg der Gemeinschaftswährung dürfte längerfristig die Absatzchancen der deutschen Exporteure auf dem Weltmarkt schmälern.

Infineon zogen nach einem leichteren Start um zwei Prozent an. Der Chipbauer hatte seinen Gewinn im zweiten Quartal stärker als erwartet gesteigert. Anfangs Schlusslicht im Dax waren HeidelbergCement mit einem Abschlag von zwei Prozent. Der Baustoffkonzern hatte die Anleger mit einem Gewinnrückgang verprellt. Allerdings grenzten die Aktien rasch ihre Verluste wieder ein.

Im TecDax sorgte SMA Solar mit einer Prognoseanhebung für Furore: Die Aktien hoben um zwölf Prozent auf 34,36 Euro ab.

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09:00

Die Schweizer Börse bleibt heute wegen des Nationalfeiertages geschlossen.

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08:35

Die Börsen in Fernost haben sich am Dienstag freundlich präsentiert. Investoren schauten vor allem auf Konjunkturdaten. Sie erhoffen sich daraus Bestätigung für die gute Lage der Weltwirtschaft. Am Vormittag wird die erste Schätzung zum Wachstum in der Euro-Zone im zweiten Quartal erwartet. Am Nachmittag folgen in den USA unter anderem der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie und die Bauausgaben.

Ermutigende Geschäftszahlen vieler Unternehmen verhalfen dem Aktienmarkt in Tokio trotz eines starken Yen-Kurses, der zu einer Belastung im Auslandsgeschäft werden kann, zu Gewinnen. Der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei ging mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 19.985 Punkten aus dem Handel. Der chinesische Markt in Shanghai lag 0,4 Prozent im Plus. Dabei stützte der Einkaufsmanagerindex von Caixin/Markit für die chinesische Industrie, der im Juli stärker als erwartet gestiegen war. Der MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans legte 0,5 Prozent zu.

Am Devisenmarkt notierte der Euro weiter über der Marke von 1,18 Dollar. Mit 1,1845 Dollar notierte er zeitweise so hoch wie zuletzt am 14. Januar 2015, gab dann aber leicht auf 1,1815 Dollar nach. Auf den Dollar drückten zudem die politischen Turbulenzen in den USA. Nach nur zehn Tagen verlor der Kommunikationschef von US-Präsident Donald Trump, Anthony Scaramucci, sein Amt wieder.

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08:20

Der Euro hat am Dienstag die am Vorabend genommene Hürde von 1,18 Dollar zunächst verteidigt. Mit 1,1845 Dollar notierte er zeitweise so hoch wie zuletzt am 14. Januar 2015, gab dann aber leicht auf 1,1815 Dollar nach. Die Kursbewegung hatte schon am späten Montagnachmittag eingesetzt, kurz nachdem die EZB den Referenzkurs mit 1,1727 Dollar deutlich niedriger festgelegt hatte. "Wenngleich der Euro reif für eine Korrektur ist, könnte die Reise bis in den Kursbereich bei 1,1870 Dollar fortgesetzt werden", sagte Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets.

Börsianer führten den Kursanstieg auch auf die innenpolitische Entwicklung in Washington zurück. Viele Investoren zweifelten an der Einigkeit der Republikaner von US-Präsident Donald Trump, die aber für die Durchsetzung beispielsweise seiner steuerpolitischen Vorstellungen nötig wäre. So hält der Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Senat, der Republikaner Orrin Hatch, Trumps Pläne für eine Senkung der Unternehmenssteuer für wenig realistisch. Zudem gab es erneut eine überraschende Personalie im Weissen Haus: Trump feuerte am Montagabend seinen Kommunikationschef Anthony Scaramucci, der erst zehn Tage im Amt war.

Der Dollar habe dem Euro-Anstieg nichts entgegenzusetzen, stellte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt fest. "Ich bin sicher, nicht nur mich erinnert das ganze Drama und die Verwicklungen in Washington an das Drehbuch einer Seifenoper", sagte Reichelt.

(cash/AWP/Reuters)