+++Börsen-Ticker+++ - Rezessionsangst setzt US-Börsen zu

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession als Folge des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat Anlegern an der Wall Street zum Wochenauftakt die Stimmung verhagelt.
12.08.2019 22:35
Trübe Stimmung an der Wall Street zum Wochenstart.
Trübe Stimmung an der Wall Street zum Wochenstart.
Bild: Bloomberg

22:35

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schliesst 1,5 Prozent tiefer auf 25'896 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 sinkt 1,2 Prozent auf 2882 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringert sich um 1,2 Prozent auf 7863 Punkte.

Sollten sich die USA und China nicht einigen, treten am 1. September neue Strafzölle in Kraft. "Ich denke nicht, dass der Handelskrieg in der nächsten Zeit zu Ende gehen wird, er könnte bis 2020 andauern", sagt Ryan Nauman, Marktstratege bei Informa Financial Intelligence.

Investoren suchten in der Folge Schutz in Anleihen, die Rendite der US-Bonds sank. Das drückte auf Bankaktien, die besonders sensibel auf niedrigere Zinsen reagieren: Die Papiere der Bank of America, Citi und J.P. Morgan verlieren zwischen 2,0 und 2,9 Prozent.

Auch Tech-Werte gehören zu den Verlieren: So geben die Papiere von Microsoft und Amazon 1,4 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent nach und ziehen damit dem S&P nach unten.

Gegen den Trend gewinnen die Titel von Amgen 4,9 Prozent. Ein US-Richter hatte zwei Patente für ein wichtiges Rheumamittel für gültig erklärt und damit den Plänen von Novartis einen Riegel vorgeschoben, ein Nachahmermedikament auf den Markt zu bringen. "Auch wenn nun mit einem Berufungsverfahren zu rechnen ist, ist die Angst überwunden, dass der schlimmste Fall eintritt", sagt Jefferies-Analyst Michael Yee. Amgen erwirtschaftet in den USA jährlich etwa 4,8 Milliarden Dollar Umsatz mit dem Mittel Enbrel.

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17:35

Die Schweizer Börse hat sich am Montag kaum bewegt. Im Fokus der Anleger standen Einzelwerte, zu denen es kursbewegende Nachrichten gab. Die Kursausschläge halten sich insgesamt in Grenzen - auch weil sich viele Investoren angesichts der Unsicherheiten durch den Handelsstreit weiterhin zurückhielten, sagen Börsianer. Der Leitindex SMI legt 0,1 Prozent zu auf 9760 Zähler.

Mit Abstand grösster Gewinner sind die Titel von ABB, nachdem der Elektrokonzern einen neuen Firmenchef angekündigt hatte: Sandvik-Chef Björn Rosengren soll Anfang März 2020 den Chefsessel übernehmen. Er gilt als Fachmann für Restrukturierungen. Die Aktie legt 3,1 Prozent zu.

Zu den Verlierern zählen die Luxusgüterwerte Richemont und Swatch mit einem Minus von 2,2 und 1,4 Prozent. Grund dafür sind die Spannungen in Hongkong, wo der Flugverkehr eingestellt wurde. China ist für die Firmen ein wichtiger Markt.

Auch die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS geben 1,7 und 1,4 Prozent nach. Börsianer führen das auch auf die erwarteten Zinssenkungen in wichtigen Währungsräumen zurück. Niedrige Zinsen lasten ganz generell auf den Erträgen von Banken.

Am breiten Markt geben die Titel des Chipherstellers AMS 11,8 Prozent nach. Das österreichische Unternehmen will im Rennen um Osram die beiden Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausstechen und die angeschlagene Münchner Lichttechnikfirma für bis zu 4,3 Milliarden Euro übernehmen.

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15:55

Die Furcht vor einer weltweiten Rezession als Folge des Handelskonflikts USA vs. China vermiest den Anlegern an der Wall Street zum Wochenauftakt die Stimmung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnet 0,7 Prozent schwächer bei 26'113 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verliert 0,5 Prozent auf 2903 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt 0,5 Prozent nach auf 7920 Stellen.

Sollten sich die USA und China nicht einigen, treten am 1. September neue Strafzölle in Kraft. "Wenn US-Präsident Donald Trump dieses Datum verschiebt, könnten wir eine kurze Zeit Ruhe haben, aber so lange die Drohung neuer Zölle im Raum steht, wird die Volatilität hoch bleiben", sagt Randy Frederick, Vize-Präsident für Handel und Derivate bei Charles Schwab.

Die US-Bank Goldman Sachs geht nicht mehr davon aus, dass der Streit vor den US-Präsidentschaftswahlen 2020 beigelegt wird. Zugleich schraubten die Experten ihre Prognose für das US-Wachstum zum Jahresende herunter. Das Weltwirtschaftsklima des Münchner IFO-Instituts trübte sich ebenfalls ein.

Investoren suchen Schutz in Anleihen, die Rendite der US-Bonds sinkt. Das drückt auf Bankaktien, die besonders sensibel auf niedrigere Zinsen reagieren: Die Papiere der Bank of America, Citi und J.P. Morgan verlieren zwischen 1,8 und 2,5 Prozent.

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14:15

Unregelmässigkeiten in einem Werk brocken CannTrust den grössten Kursturz der Firmengeschichte ein. Die in den USA notierten Aktien des Anbieters von Cannabis-Produkten brechen am Montag vorbörslich um mehr als 25 Prozent ein.

Die kanadische Gesundheitsbehörde zufolge wurden im Werk Vaughan im Bundesstaat Ontario Vorschriften missachtet. Die Behörde monierte unter anderem fehlende Genehmigungen für Lagerräume und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen. Das Unternehmen akzeptierte nach eigenen Angaben die Mängelliste und versprach Abhilfe.

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12:00

Die Schweizer Börse verliert bis Montagmittag nach einem festen Start an Schwung. Mangels Anschlusskäufen und aufgrund von Gewinnmitnahmen seien die Anfangsgewinne im Verlauf schnell abgeschmolzen, heisst es im Handel.

Der SMI steht nach einem Tageshoch von 9863 Zählern um 11 Uhr noch um 0,2 Prozent im Plus bei 9767 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI tritt bei 1482 Punkten praktisch auf der Stelle. Der breite SPI rückt 0,1 Prozent auf 11'876 Zähler vor.

AMS brechen mit aktuell -9,6 Prozent massiv ein. Der Sensorenhersteller macht einen neuen Versuch zur Übernahme des deutschen Lichttechnikkonzerns Osram und will sich den Kauf insgesamt rund 4 Milliarden Euro kosten lassen.

Schwächer sind die Anteile der Luxusgüterhersteller Richemont (-2,3%) und Swatch (-1,5%). Für die Aktien der Banken Credit Suisse (-0,9%), Julius Bär (-0,8%) und UBS (-0,7%) könnten sich ebenfalls nur wenige erwärmen, sagt ein Händler.

Die Anteile von ABB (+3,4%) ziehen derweil steil an. Der Elektrotechnikkonzern erhält mit Björn Rosengren einen neuen Konzernchef.

Gefragt sind Vifor (+1,7%). Händler erwähnen den guten Zwischenbericht, den der Arzneimittelhersteller in der vergangenen Woche publiziert habe.

Am breiten Markt stehen mit Hochdorf (-7,1%), Aryzta (-6,6%) und Schmolz+Bickenbach (-4,9%) Aktien unter Druck, die seit einiger Zeit mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. (Lesen Sie den ausführlichen Börsenbericht am Mittag.)

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11:00

Das britische Pfund bleibt wegen der Sorge über die Folgen eines ungeregelten Austritts Grossbritanniens aus der EU auf Talfahrt. In der Nacht zum Montag wurden für ein Pfund zeitweise nur noch 1,0724 Euro gezahlt. Dies ist der niedrigste Kurs seit dem Herbst 2009. Das Rekordtief von 1,0200 Euro für ein Pfund aus dem Krisenjahr 2008 rückt damit in greifbare Nähe. Zuletzt kostete ein Pfund am Montag wieder 1,0796 Euro.

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09:07

Der Swiss Market Index (SMI) legt zum Börsenstart 0,6 Prozent auf 9808 Punkte zu. 

Im Fokus der Anleger stehen ABB (+3,3 Prozent) und AMS (-8,7 Prozent). Der Elektrotechnikkonzern ABB erhält mit Björn Rosengren einen neuen Konzernchef. Er wird ab März 2020 die Industriegruppe führen. Rosengren kommt vom Technologiekonzern Sandvik und folgt auf Ulrich Spiesshofer, der unlängst zurückgetreten war.

AMS macht einen neuen Versuch zur Übernahme des deutschen Lichttechnik-Konzerns Osram und will sich den Kauf insgesamt rund 4 Milliarden Euro kosten lassen. Die Österreicher hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt mit einer Übernahme geliebäugelt. Geplant ist die Schaffung eines weltweiten Anbieters von Sensorlösungen und Photonik. Die Finanzierung der Übernahme sei mit einer Brückenfinanzierung von 4,2 Milliarden Euro durch die Grossbanken HSBC und UBS abgesichert. Ausserdem will AMS über eine Kapitalerhöhung frische Mittel im Umfang von 1,5 Milliarden Franken aufnehmen.

Die negative Marktreaktion wird im Handel mit den vielen Unwägbarkeiten rund um den möglichen Deal erklärt - nicht zuletzt wegen der schon bislang hohen Verschuldung des Unternehmens. Dazu zähle vor allem auch die angekündigte Kapitalerhöhung, heisst es im Handel.

Novartis legen 0,1 Prozent zu. Dass die Tochter Sandoz in Patentstreitigkeiten bezüglich des Biosimilars Erelzi eine Niederlage erlitten, wird in Börsenkreisen neutral aufgenommen. Der District Court of New Jersey hat gegen das entsprechende Sandoz-Produkt zum Referenzmedikament Enbrel (Etanercept) des US-Konkurrenten Amgen entschieden. Sandoz wird Berufung gegen das Urteil einlegen.

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08:40

Asiens Börsen haben zu Beginn der neuen Börsenwoche überwiegend Erholungsversuche gestartet. So stiegen am Montag die Kurse in Südkorea und an den chinesischen Festlandbörsen legte der CSI 300 kurz vor Handelsschluss um 1,15 Prozent zu.

Der Hongkonger Hang-Seng-Index drehte ins Plus und notierte zuletzt minimal höher. Das Börsenbarometer leidet seit Tagen unter den weiter heftigen Protesten gegen die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone. Jüngst hatte ein Treffen einer US-Diplomatin mit regierungskritischen Aktivisten in Hongkong einen neuen Schlagabtausch zwischen den Regierungen in Washington und Peking ausgelöst.

Auch insgesamt blieben die Anleger in Asien angesichts des Handelsstreits zwischen China und den USA und der daraus resultierenden Furcht vor einem Konjunktureinbruch vorsichtig. Der Anlagenstratege Andrew Sheets von der US-Bank Morgan Stanley verwies darauf, dass die Geldpolitik den hohen Erwartungen, die an sie gestellt werden, eventuell nicht gerecht werden kann. So könnten die Währungshüter zwar eine aggressivere Gangart an den Tag legen, aber fraglich bleibe, ob damit auch das Wachstum angekurbelt werden könne.

In Japan wurde wegen eines Feiertages nicht gehandelt. Auch in Singapur, Indien, Malaysia, den Philippinen und Thailand blieben die Börsen geschlossen.

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08:10

Der Swiss Market Index (SMI) legt in der von Julius Bär berechneten Vorbörse um 0,3 Prozent zu. Am Freitag schloss der Leitindex noch kaum verändert bei 9750 Punkten.

Im Leitindex legt die ABB-Aktie am deutlichsten zu (+1,2 Prozent), nachdem der Industriekonzern mit Björn Rosengern den Nachfolger von Ulrich Spiesshofer als CEO festgelegt hat.

Die restlichen SMI-Werte sind ebenfalls höher, wenn auch in geringerem Ausmass. Die drei Schwergewichte Roche, Novartis und Nestlé legen je 0,3 Prozent zu. Eine Erholung zeichnet sich auch bei den Grossbankaktien Credit Suisse (+0,4 Prozent) und UBS (+0,5 Prozent) ab.

Im breiteren Markt gibt AMS deutlich nach (-7,6 Prozent). Der Sensorenhersteller macht ein milliardenschweres Übernahmeangebot für Osram.

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07:30

Die Ölpreise sind am Montag leicht gefallen. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 58,41 Dollar. Das waren 12 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 18 Cent auf 54,32 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden die Ölpreise weiter durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet. Der anhaltende Handelskrieg senke die Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum, sagte Analyst Alfonso Esparza vom amerikanischen Handelshaus Oanda. Ausserdem reagiere der Ölmarkt sensibel auf die Rhetorik im Handelskonflikt. Zwar wolle Saudi-Arabien als führendes Förderland einen freien Fall der Ölpreise verhindern, sagte Esparza. Allerdings sah er kaum Möglichkeiten, wie dies umgesetzt werden könnte.

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06:10

Im frühen Handel gab der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien ausgenommen Japan 0,2 Prozent nach. Australische Anteilsscheine sanken im Schnitt um 0,1 Prozent, während sich die südkoreanischen Papiere nach Verlusten zum Ende vergangener Woche um 0,4 Prozent erholten. Die Märkte in Japan und Singapur blieben am Montag feiertagsbedingt geschlossen.

Die Sorgen über den Handelsstreit wurden verstärkt durch eine Warnung von Goldman Sachs vor dem wachsenden Risiko einer Rezession. Die Investmentbank ging zudem nicht mehr davon aus, dass der Handelskonflikt vor der US-Präsidentenwahl 2020 beigelegt werden könnte.

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06:07

Die Aktien der Fluglinie Cathay Pasific fallen um über 4 Prozent, nachdem das Unternehmen Angestellte auf Wunsch der chinesischen Regierung gefeuert hat. Den Mitarbeitern war vorgworfen worden, sich an den regierungskritischen Protesten in Hongkong beteiligt zu haben.

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06:05

Der Euro notiert mit 1,0895 Franken leicht schwächer als am Freitag. Zum Dollar steht die Schweizer Währung bei 97,19 Rappen.

(cash/AWP/Reuters)