+++Börsen-Ticker+++ - Wall Street spürt türkisches Börsenbeben

Das Börsenbeben in der Türkei hat am Freitag auch die Wall Street erreicht. Alle drei grossen Indizes verloren rund 0,7 Prozent.
10.08.2018 22:45
Vor allem die Bankaktien kamen am Freitag an der Wall Street unter die Räder (im Bild der Sitz der Citigroup im Londoner Canary Wharf).
Vor allem die Bankaktien kamen am Freitag an der Wall Street unter die Räder (im Bild der Sitz der Citigroup im Londoner Canary Wharf).
Bild: Herve Boinay

22:45

Der Dow-Jones-Index schliesst bei 25'313 Punkten, der breiter gefasste S&P 500 mit 2833 und die Technologiebörse Nasdaq mit 7839 Punkten.

Eine schwächelnde Wirtschaft und einer galoppierende Inflation haben in der Türkei eine Währungskrise ausgelöst. Ausserdem kündigte US-Präsident Donald Trump wegen des Streits um die Freilassung des in der Türkei festgesetzten US-Geistlichen Andrew Brunson eine Verdoppelung der Strafzölle auf türkische Aluminium- und Stahlimporte an.

In New York kamen vor allem Bankwerte unter die Räder. Die Papiere der Citigroup geben mehr als 2 Prozent nach. Die Titel von J.P. Morgan, Wells Fargo und Bank of America liegen rund 1 Prozent im Minus. Auch die Aktien von Unternehmen mit starkem internationalen Geschäft gerieten unter Druck. Anteilsscheine von Boeing, 3M und Caterpillar geben zwischen 1,3 und 1,9 Prozent nach.

Zu den Verlierern gehört auch Booking Holdings mit einem Minus von 2,3 Prozent. Der Betreiber von Buchungsportalen wie Booking.com und Kayak steigerte zwar Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal überraschend stark. Der für das laufende Vierteljahr in Aussicht gestellte Überschuss blieb aber hinter den Erwartungen zurück.

+++

17:35

Die Anleger an der Schweizer Börse haben zum Wochenschluss den Rückzug angetreten. Politische Unsicherheiten drängten die Investoren aus dem Markt, sagen Händler. Der SMI büsst bis Handelsschluss 1,3 Prozent auf 9031 Punkte ein.

"Zum Handelsstreit der USA mit China und den Spannungen der USA mit Iran und Russland kommt nun noch die Währungskrise in der Türkei hinzu", sagt ein Börsianer. Panikverkäufe liessen die Lira um mehr als 10 Prozent abstürzen, was auch den Euro mit nach unten zog.

Der Franken dagegen legt deutlich zu. Zum Euro erreichte er den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Die Anleger befürchten, dass der erstarkende Franken die Position der inländischen Firmen auf dem Weltmarkt beeinträchtigt, weil er ihre Waren verteuert.

Die stärksten Einbussen verzeichnen die Aktien der Banken: Credit SuisseUBS und Julius Bär fallen um 2,0 bis 2,4 Prozent. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft mit den europäischen Bankaktien. Händler sagen, der starke Zerfall der türkischen Lira belaste den Sektor.

Am breiten Markt stachen die Aktien von Aryzta mit einem Minus von 14,4 Prozent hervor. Bei 8,62 Franken markierte der Titel ein Rekordtief. Die Zürcher Kantonalbank schrieb in einem Kommentar, es bestehe für die Aktionäre die Gefahr eines Totalverlustes.

Die Aktien von Dätwyler sausen 5,5 Prozent in die Tiefe. Die Industriegruppe hat 2018 den Nettoumsatz um 7,7 Prozent auf 694,1 Millionen Franken und den Gewinn um 17 Prozent auf 62,5 Millionen Franken gesteigert. Die Zahlen seien schlechter als erwartet. Dätwyler enttäusche vor allem mit der Margenentwicklung, sagt ein Händler. (Lesen Sie den ausführlichen Börsenkommentar zum Freitag.)

+++

16:25

Der Franken hat zur wichtigsten Exportwährung Euro deutlich zugelegt und den höchsten Stand seit rund einem Jahr erreicht. Ein Euro kostete zuletzt 1,1359 Franken. Viele Anleger trennten sich von der Gemeinschaftswährung, weil sie nach Angaben von Experten ein Übergreifen der türkischen Währungskrise auf die Eurozone befürchteten. Der Franken gilt bei Anlegern als sicherer Hafen und ist daher in unruhigen Zeiten besonders gefragt.

Der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist ein hoch bewerteter Franken jedoch ein Dorn im Auge, denn er macht Schweizer Waren im Ausland teuer und damit wenig attraktiv. Sie stemmt sich seit Jahren mit Negativzinsen und Devisenmarkt-Interventionen gegen eine Franken-Aufwertung.

+++

15:45

Die Ausläufer des Börsenbebens in der Türkei sind auch jenseits des Atlantik spürbar. Die US-Indizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verlieren zur Eröffnung am Freitag bis zu 0,7 Prozent.

"Probleme in Schwellenländern sind wichtiger denn je, weil diese sich zum Motor des weltweiten Wirtschaftswachstums entwickelt haben", sagt Peter Cecchini, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Cantor Fitzgerald. "Das wird letztendlich von grossem Interesse für den US-Markt sein." Eine schwächelnde Wirtschaft und einer galoppierende Inflation haben in der Türkei eine Währungskrise ausgelöst. Ausserdem kündigte US-Präsident Donald Trump wegen des Streits um die Freilassung des in der Türkei festgesetzten US-Geistlichen Andrew Brunson eine Verdoppelung der Strafzölle auf türkische Aluminium- und Stahlimporte an.

Bei den US-Aktienwerten gehört Booking Holdings mit einem Kursminus von 1,9 zu den Verlierern. Der Betreiber von Buchungsportalen wie Booking.com oder Kayak steigerte zwar Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal überraschend stark auf 3,54 Milliarden Dollar und 20,13 Dollar je Aktie. Der für das laufende Vierteljahr in Aussicht gestellte Überschuss von 36,70 bis 37,70 Dollar je Aktie blieb aber hinter den Erwartungen zurück.

+++

12:10

Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich am letzen Handelstag der Woche weiter im Abwärtsmodus. Handelsstreit, Türkei-Krise und ein steigender Frankenkurs lasten auf den Kursen. Der SMI notiert am Mittag 1,0 Prozent tiefer bei 9051 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI verliert 1,1 Prozent auf 1481 Zähler und der breite SPI 1,0 Prozent auf 10'791 Punkte. Von den 30 grössten Titel schafft es einzig Lonza ins Plus.

Grösster Verlierer unter den Bluechips sind Aryzta (-6,5%). Der Analyst der ZKB sieht bei den Titeln unverändert die Gefahr eines Totalverlusts für die Aktionäre. Mit einer Kapitalerhöhung, dem geplanten Picard-Verkauf und Kostensenkungen könnte aber Stabilität zurückgewonnen werden.

Schwach zeigen sich auch die Bankenwerte Julius Bär (-1,7%), UBS (-1,6%) und CS (-1,5%). Die Krise in der Türkei weckt die Skepsis im Blick auf eine Reihe europäischer Finanzhäuser und belastet den Sektor insgesamt, heisst es im Handel.

Einziger Gewinner im SMI/SLI ist Lonza (+0,1%). Vergleichsweise geringe Verluste weisen Swiss Re (-0,3%) oder Sika auf (-0,6%).

Im breiten Markt ist Dätwyler (-4,9%) im ersten Halbjahr zwar gewachsen und der Ausblick wurde bestätigt. Das Ergebnis blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. (lesen Sie den ausführlichen Börsenbericht am Mittag.)

+++

10:15

Die Schweizer Börse gibt am Freitagmorgen deutlich nach. Die Anleger sind weiterhin verunsichert wegen des Handelsstreits der USA mit China und wegen der Spannungen der USA mit Iran und Russland und ziehen sich zurück. Der SMI fällt um 0,8 Prozent auf 9072 Punkte. Am Donnerstag war der Leitindex um 0,3 Prozent gesunken.

19 der 20 SMI-Werte geben nach. Die stärksten Einbussen verzeichnen die Aktien der Banken: Julius Bär, UBS und Credit Suisse fallen um 2,0 bis 1,6 Prozent und befinden sich damit in bester Gesellschaft mit den europäischen Bankaktien. Händler sagen, der starke Zerfall der türkischen Lira belaste den Sektor. Auch Versicherer büssen an Wert ein.

Unter Druck stehen auch Aktien zyklischer Firmen wie Adecco mit minus 1,4 Prozent. Der Personalvermittler hatte gemäss dem am Vortag veröffentlichten Quartalsbericht etwas an Schwung verloren. Kepler Cheuvreux, Vontobel und Goldman Sachs senken das Kursziel für den Titel.

Am breiten Markt stechen die Aktien von Aryzta mit einem Minus von 2,6 Prozent hervor. Bei 9,858 Franken markierte der Titel ein Rekordtief. Die Zürcher Kantonalbank schreibt in einem Kommentar, es bestehe für die Aktionäre die Gefahr eines Totalverlusts.

Die Aktien von Dätwyler sausen um 5,5 Prozent in die Tiefe. Die Industriegruppe hat 2018 den Nettoumsatz um 7,7 Prozent auf 694,1 Millionen Franken und den Gewinn um 17 Prozent auf 62,5 Millionen Franken gesteigert. Dätwyler enttäusche mit der Margenentwicklung, sagt ein Händler.

Die Aktie von Rieter sackt um 3,5 Prozent ab auf 152,60 Franken. UBS senkte das Kursziel auf 170 von 210 Franken.

+++

09:16

Der Swiss Market Index startet mit minus 0,6 Prozent bei 9090 Punkten in den letzten Handelstag der Woche. Die Vorgaben aus Übersee sind eher verhalten. Die US-Börsen gaben im Vergleich zum Europa-Handelsschluss etwas nach und auch an den asiatischen Börsen überwiegen die roten Vorzeichen.

Deutlich geben die Bankentitel im SMI nach: Julius Bär und UBS verlieren 1,4 Prozent, die Credit Suisse 1,3 Prozent.

Die Aktien des Personaldienstleisters Adecco gibt 1,0 Prozent nach und knüpft damit an das Minus des Vortages an. Im Nachgang der gestrigen Zahlen hat Goldman Sachs das Kursziel auf 74 von zuvor 77 Franken gesenkt und die "Neutral"-Bewertung bestätigt. Das erste Halbjahr sei zwar im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, für das dritte seien die Erwartungen allerdings etwas gesenkt worden, so der Analyst. Er rechnet durch die Investitionen in Digitalisierungsinitiativen mit leichtem Druck auf die Margen.

Im breiteren Markt verlieren Vifor Pharma 1,4 Prozent , deren Kurs bereits an den Tagen zuvor deutlichere Bewegungen nach oben und unten gezeigt hatten.

Dätwyler (-4,0 Prozent) ist im ersten Halbjahr gewachsen und hat den Gewinn gesteigert. Allerdings wurden die Analystenerwartungen damit ziemlich deutlich verfehlt.

Zudem stehen nach Zahlen auch Conzzeta (+2,5 Prozent) und die Berner Kantonalbank (-1,2 Prozent) unter Beobachtung.

+++

08:50

An den asiatischen Börsen haben Anleger zum Wochenschluss den Rückzug angetreten. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Freitag 1,3 Prozent auf 22.298 Punkte nach, der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,2 Prozent.

Sorgen bereitet den Anlegern weiterhin die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Autoimporte mit höheren Zöllen zu belegen. Die Handelsgespräche zwischen den beiden Ländern sollten am Freitag fortgesetzt werden. Die negative Stimmung konnte auch durch besser als erwartet ausgefallene Zahlen zum japanischen Wirtschaftswachstum nicht aufgehellt werden.

Chip-Werte verzeichneten nach einer Herunterstufung der Branche von Morgan Stanley Verluste. Aktien von Advantest gaben 4,9 Prozent nach, Anteilscheine von Tokyo Electron notierten 3,5 Prozent niedriger. In China gingen die Kurse ebenfalls nach unten, der Schanghaier Index gab 0,4 Prozent nach. Allerdings sollte die Aussicht auf staatliche Hilfen für Technologiefirmen die Kurse stützen, sagte Stratege Josh Sheng von Tongshengtonghui Asset Management. "Die Risikobereitschaft an Chinas Börsen wächst, dank der Staatshilfen und steigenden Infrastruktur-Ausgaben." 

+++

08:10

Der Swiss Market Index gibt in der von Julius Bär berechneten Vorbörse um 0,1 Prozent nach. Im gestrigen Handel sank der Leitindex um 0,3 Prozent auf 9146 Zähler.

Einzig positiver SMI-Wert ist Lonza (+0,4 Prozent), die deutlichsten Abschläge im Leitindex verzeichnet die zyklische Adecco (-0,4 Prozent).

Stärker sind die Bewegungen im breiteren Markt: Nach Zahlen stehen Dätwyler mit 2,1 Prozent im Minus, während Vifor Pharma vorbörslich mit minus 1,1 Prozent. Hier könnten Gewinnmitnahmen eine Rolle spielen.

+++

08:00

Der Euro hat am Freitag an die Kursverluste vom Vortag zu Dollar und Franken angeknüpft. Am Morgen fiel die europäische Gemeinschaftswährung unter 1,15 Dollar. In kurzer Zeit verlor der Euro mehr als ein halbes Prozent an Wert und erreichte bei 1,1438 Dollar den tiefsten Stand seit Juli 2017. Aktuell liegt die Notierung auf 1,1453 Dollar.

Auch zum Franken sank der Wert der Gemeinschaftswährung spürbar. Im Tief ging es hier im frühen Handel bis auf 1,1402 Franken hinab. Aktuell notiert der Euro zu 1,1423 Franken nach 1,1465 am Vorabend. Der Dollar hat demgegenüber zum Franken auf 0,9972 Franken von 0,9930 angezogen.

Marktbeobachter sprachen von einer nervösen Stimmung am Markt. Sie erklärten die Kursverluste beim Euro mit dem rasanten Kursverfall der türkischen Lira, der mittlerweile auch die Gemeinschaftswährung belastet. Seit Donnerstag kam es zu heftigen Kursverlusten bei der türkischen Währung, die zum Euro und zum Dollar neue Rekordtiefststände erreichte.

+++

07:45

Die türkische Lira ist am Freitag erneut auf ein Rekordtief gefallen. Der Dollar verteuerte sich zur türkischen Devise um mehr als drei Prozent auf 5,75 Lira.

Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung mehr als ein Drittel an Wert eingebüsst. Die wachsende Einflussnahme von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die Zentralbank beunruhigt internationale Investoren schon seit Monaten. Hinzu kommt der Streit zwischen Washington und Ankara über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson. Gespräche hochrangiger Regierungsvertreter beider Seiten brachten keinen Durchbruch. Aus türkischen Kreisen hiess es, die von Aussen-Staatssekretär Sedat Önal angeführte Delegation sei inzwischen wieder von Washington zurück nach Ankara gereist.

+++

06:40

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte am Nachmittag 0,8 Prozent im Minus bei 22.416 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,56 Prozent auf 1730 Zähler nach.

Unter Druck standen Papiere von Unternehmen der Chip-Branche. Morgan Stanley hatte die US-Branche zuvor herabgestuft. Zur Begründung hiess es, es sei schwer, den Firmen trotz zahlreicher Widrigkeiten noch zusätzliches Aufwärtspotenzial zu attestieren. Dies habe zum Teil mit den wachsenden Handelsspannungen zu tun. In Tokio verloren Aktien von Advantest 3,5 Prozent, Anteilscheine von Tokyo Electron notierten 3,3 Prozent niedriger. Die negative Stimmung konnte auch durch besser als erwartet ausgefallene Zahlen zum japanischen Wirtschaftswachsrum nicht aufgehellt werden.

(cash/AWP/Reuters)