+++Börsen-Ticker+++ - Zögerliche Anleger an der Wall Street

Die US-Börsen haben am Donnerstag uneinheitlich geschlossen. Auf die Stimmung in New York lastete der erste Rückgang bei Aufträgen im US-Industriesektor seit etwa einem Jahrzehnt.
22.08.2019 22:30
Auch die Händler an der Wall Street warten gespannt auf die Notenbanktagung in Jackson Hole.
Auch die Händler an der Wall Street warten gespannt auf die Notenbanktagung in Jackson Hole.
Bild: Bloomberg

22:30

Hintergrund ist die anhaltenden Sorge über die Auswirkungen des US-chinesischen Handelsstreits. Ebenfalls für Verstimmung sorgten die US-Notenbank-Gouverneure Patrick Harker und Esther George, die wenig Neigung zu einer weiteren Zinssenkungen zeigen. Seit Tagen wird am Markt mit Spannung auf eine für Freitag angesetzte Rede von Fed-Chef Jerome Powell beim Notenbankertreffen in Jackson Hole gewartet.

Der Dow-Jones-Index steigt um 0,2 Prozent auf 26'252 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gibt dagegen um 0,1 Prozent auf 2923 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verliert 0,4 Prozent auf 7991 Zähler.

Der Index von IHS Markit zu neuen Aufträgen in der US-Industrie fiel im August nach einer ersten Schätzung auf 49,5 von 51,7 im Juli. Das ist der niedrigste Wert seit August 2009. Werte über 50 signalisieren Wachstum, Werte unter 50 eine Kontraktion. Weltweit gehe es der Branche schon seit einiger Zeit schlecht, sagt der Investitionsexperte Joe Mallen von Helios Quantitative Research. "Jetzt sehen wir erste Auswirkungen auf die USA." Dies sei zwar nicht unerwartet, jedoch trotzdem schlecht für die Aussichten der US-Konjunktur.

Bei den Einzelwerten legt Boeing 4,2 Prozent zu. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Berufung auf Insider, der Flugzeugbauer peile für Februar eine Wiederaufnahme der Produktion der 737 mit 52 Maschinen pro Monat an. Im Juni solle diese Zahl auf 57 Stück steigen, was ein Rekord wäre.

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17:40

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag den Rückwärtsgang eingelegt. Der Leitindex SMI sinkt um 0,4 Prozent auf 9806 Punkte. Die Anleger zeigten sich ernüchtert, weil in den Mitschriften des jüngsten Zinstreffens der US-Notenbank Hinweise auf eine aggressive Zinssenkung der Fed fehlten. Die Zinssenkungsfantasie gilt als Hauptmotor der jüngsten Kursrally. Vor Beginn der alljährlichen Notenbankkonferenz in Jackson Hole realisierte deshalb manch ein Investor seine Gewinne.

Die Blucheips rutschten mit wenigen Ausnahmen ins Minus. Zu den grössten Verlierern gehören die Indexschwergewichte: Die Pharmawerte Novartis und Roche geben 0,9 beziehungsweise 0,7 Prozent nach, die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé 0,5 Prozent. Verkauft wurden auch die Versicherungstitel Swiss Life, Swiss Re und Zurich, die zuletzt kräftig zugelegt hatten.

Zu den wenigen Gewinnern gehören die Banken Credit Suisse und UBS mit rund 1,5 Prozent Kursplus. Die Gewinnaussichten der Banken sind bei höheren Zinsen besser.

Am breiten Markt fallen die Sunrise-Aktien um 6,4 Prozent. Der Telekomkonzern will sich mit Zugeständnissen bei der Finanzierung die Zustimmung der Aktionäre für die milliardenschwere Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz sichern. 

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16:05

Ermutigende Geschäftszahlen von US-Detailhändlern geben der Wall Street Auftrieb. Da Anleger aber auf weitere Hinweise auf die US-Geldpolitik warten, halten sie sich mit grösseren Engagements zurück. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 gewinnen zur Eröffnung bis zu 0,5 Prozent.

Die am Mittwochabend veröffentlichten Fed-Protokolle liessen eine Zinssenkung der US-Notenbank im September um einen halben Prozentpunkt deutlich unwahrscheinlicher erscheinen, sagt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Nun richte sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Rede von Fed-Chef Jerome Powell am Freitag bei dem alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Dort eine aggressive Lockerung der Geldpolitik zu signalisieren sei riskant, wenn er sich der Unterstützung der übrigen Führungsriege nicht sicher sein könnte, warnte Hewson. Die Fed-Bankerin Esther George sprach sich ungeachtet entsprechender Forderungen von US-Präsident Donald Trump gegen weitere Zinssenkungen aus.

Zu den Favoriten am US-Aktienmarkt zählt Nordstrom mit einem Kursplus von gut 11 Prozent. Dank eines starken Online-Geschäfts machte der Detailhändler einen überraschend hohen Quartalsgewinn von 141 Millionen Dollar. Damit reihte sich Nordstrom in die Serie ermutigender Bilanzen aus der Branche ein. In den vergangenen Tagen hatten auch Target und Lowe's überzeugt. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

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11:40

Die Schweizer Börse zeigt sich nach einem verhaltenen Start im Verlauf schwächer. Vor dem Beginn des Notenbankertreffens in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming neigten die Anleger zu Vorsicht, heisst es am Markt. Daher bröckelten die Kurse ab. Da und dort komme es nach dem starken Anstieg der Vortage auch zu Gewinnmitnahmen, sagt ein Händler. Zuletzt hatte die Hoffnung auf Zinssenkungen und staatliche Konjunkturhilfen für kräftige Gewinne gesorgt.

Der SMI notiert gegen 11 Uhr 0,2 Prozent leichter bei 9826 Punkten. Der 30 Aktien umfassende SLI sinkt um 0,1 Prozent auf 1491 und der breite SPI um 0,2 Prozent auf 11'953 Zähler.

AMS stechen dabei mit einem Abschlag von 1,9 Prozent heraus. Der Sensorenhersteller kann im Übernahmepoker um den deutschen Lampenhersteller Osram mitmachen, ein Stillhalteabkommen wurde aufgehoben.

Die als defensiv eingestuften Schwergewichte Nestlé (-0,5%) und Roche (-0,5%) sind zu einem Gutteil für das SMI-Minus verantwortlich. Ein Teil des bisherigen Jahresgewinns des SMI ist Nestlé geschuldet, hat die "schwerste" Schweizer Aktie in der Zeit doch um mehr als 35 Prozent zugelegt.

Auf der Gewinnerseite sind dagegen die auf Jahressicht betrachtet gebeutelten Aktien der Grossbank UBS (+0,8%), auch Credit Suisse (+0,9%) legen zu. Händler sprechen dabei von einer technischen Bewegung.

Besondere Aufmerksamkeit erhalten am breiten Markt derweil Sunrise, die um 4,2 Prozent fallen. Der Telekommunikationskonzern zeigt sich offen für Änderungen beim UPC-Deal. (Lesen Sie den ausführlichen Börsenbericht am Mittag.)

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09:08

Der Swiss Market Index (SMI) gibt unmittelbar nach Handelseröffnung 0,2 Prozent auf 9827 Punkte nach. Händler gehen von einem insgesamt eher ruhigen Geschäft vor dem Beginn des jährlichen Notenbanker-Treffens in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming aus. Am Mittwoch hatte die Hoffnung auf Zinssenkungen und staatliche Konjunkturhilfen für kräftige Gewinne gesorgt.

Am deutlichsten sind die Abschläge bei Alcon (-0,8 Prozent) und Swatch (-0,6 Prozent). Positiv notieren Novartis (+0,4 Prozent) und Swiss Life (+0,1 Prozent).

AMS fallen am breiteren Markt mit einem Minus von 2,9 Prozent auf. Der Sensorenhersteller kann im Übernahmepoker um den deutschen Lampenhersteller Osram mitmachen. Das Münchner Unternehmen hat den Weg für ein Übernahmeangebot der Österreicher freigemacht: Das bestehende Stillhalteabkommen mit AMS wurde aufgehoben.

Neben AMS bieten auch Bain Capital und The Carlyle Group mit. Während die Österreicher 38,50 Euro je Osram-Aktie offerieren, haben die Finanzfirmen 35 Euro angeboten. Am Markt kamen die 4,3 Milliarden schweren Übernahmepläne von AMS nicht gut an.

Gar um 3,1 Prozent geben die Sunrise-Aktien nach. Der Telekommunikationskonzern zeigt sich offen für Änderungen beim UPC-Deal. Konkret sei es denkbar, eine Kapitalerhöhung in geringerem Umfang durchzuführen und das restliche Geld in Form einer Pflichtwandelanleihe zu beschaffen, heisst es. Gleichzeitig geht Sunrise auf Konfrontationskurs mit seinem Hauptaktionär Freenet, der sich gegen die 6,3 Milliarden Franken schwere Übernahme der Kabelnetzbetreiberin UPC Schweiz stemmt. Die Freenet-Vertreter werden von zukünftigen Beratungen über die Transaktion ausgeschlossen. Da geraten die Zahlen zum zweiten Quartal etwas in den Hintergrund.

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08:50

Asiens wichtigste Aktienmärkte haben am Donnerstag keine eindeutige Tendenz aufgewiesen. Die grössten Verluste verzeichneten die Notierungen in Hongkong, wo der Hang-Seng-Index zuletzt 0,85 Prozent tiefer bei 26 048,04 Punkten notierte. An den chinesischen Festlandbörsen zeigte sich der CSI 300 kurz vor Handelsschluss dagegen 0,14 Prozent höher bei 3787,30 Zählern. Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss mit einem Plus von 0,05 Prozent bei 20 628,01 Punkten.

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08:10

Der Swiss Market Index (SMI) gibt in der von Julius Bär berechneten Vorbörse um 0,1 Prozent nach. Im gestrigen Handel legte der Leitindex um 0,8 Prozent auf 9848 Zähler zu.

Sämtliche SMI-Werte werden mit geringen Abschlägen gehandelt, kein Titel tanzt dabei aus der Reihe.

Im breiteren Markt fallen AMS mit minus 1,1 Prozent auf. Osram hat den Weg für ein Übernahmeangebot von AMS freigemacht. Den Anlegern scheint das nicht zu gefallen.

Einzig positiver Wert ist vorbörslich Sunrise (+0,4 Prozent). Der Telekomkonzern lieferte heute Zahlen und geht nun auf Konfrontationskurs mit dem Hauptaktionär Freenet.

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07:55

Die Ölpreise sind am Donnerstag im frühen Handel leicht gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 60,09 Dollar. Das waren 21 Cent weniger als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 16 Cent auf 55,52 Dollar.

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06:35

Die Protokolle zum jüngsten Zinsentscheid im Juli zeigten, dass die Währungshüter unentschlossen waren: Während "ein paar" Mitglieder des zinsentscheidenden Offenmarktausschusses für eine stärkere Zinssitzung von einem halben Prozentpunkt oder mehr waren, sprachen sich "mehrere" dafür aus, den Leitzins überhaupt nicht anzufassen. "Die wichtigste Aussage der Protokolle ist, dass der Zinsschritt um 25 Basispunkt eine Kalibrierung war, eine Anpassung in einem Zyklus, und nicht der Beginn einer Reihe von Zinssenkungen", sagte Rodrigo Catril, Zinsstratege bei der National Australia Bank.

Vor dem Notenbankertreffen in Jackson Hole und der Veröffentlichung der Protokolle des jüngsten Treffens der Europäischen Zentralbank (EZB) gingen daher viele Investoren in Wartestellung. Der 225 Werte umfassende Nikkei notierte am Nachmittag unverändert bei 20.614 Zählern. Der chinesische Leitindex bewegte sich kaum.

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06:30

Der Schweizer Franken wurde mit 0,9835 Franken je Dollar und 1,0895 Franken je Euro gehandelt.

Der Dollar legte zu und notierte bei 106,46 Yen. Der Euro wurde kaum verändert zum späten New Yorker Handel mit 1,1087 Dollar gehandelt.

(cash/AWP/Reuters)