Börsen-Vorschau - Aktienmärkte gönnen sich Verschnaufspause

Wegen des Erntedankfests in den USA dürfte die nächste Woche an den Börsen der Welt etwas ruhiger ablaufen. Einfluss hat aber weiter die Politik, unter anderen in der Form der US-Steuerreform.
18.11.2017 12:21
Die USA feiern am Donnerstag Thanksgiving, einer der wichtigsten Feiertage des Landes.
Die USA feiern am Donnerstag Thanksgiving, einer der wichtigsten Feiertage des Landes.
Bild: pixabay.com

Zum US-Erntedankfest werden sich die internationalen Börsen Experten zufolge eine Verschnaufpause gönnen. Grundsätzlich seien die Aussichten für Aktien - vor allem für europäische - aber unverändert gut, betonte Richard Turnhill, Chef-Anlagestratege des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock. Die ausgelaufene Bilanzsaison sei positiv ausgefallen und die Weltwirtschaft wachse weiter.

In der Schweiz wartet die Bank Julius Bär am Montag mit einem Zwischenbericht nach zehn Monaten des Geschäftsjahres auf. Am Dienstag folgt unter anderem die Aussenhandelsstatistik für den Oktober mit den Uhrenexporten, was für die beiden SMI-Mitglieder Swatch und Richemont von Bedeutung ist. Am Donnerstag legt der Automatisierungstechniker Carlo Gavazzi die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 vor.

Da in den USA in der der Thanksgiving-Woche kaum Konjunkturdaten auf dem Terminplan stünden, richteten Anleger ihre Aufmerksamkeit allerdings verstärkt auf die Verhandlungen über die Steuerpläne von US-Präsident Donald Trump, sagte DZ Bank-Volkswirtin Christine Schäfer voraus. "Es wird sich sehr wahrscheinlich zeigen, ob Trump endlich eines seiner grossen Wahlversprechen umsetzen kann." Ihre Kollegen von der Rabobank warnten allerdings vor überzogenen Erwartungen. Ungeachtet der Zustimmung im Repräsentantenhaus sei eine Verabschiedung im Senat keine ausgemachte Sache.

Trump-Schwiegersohn im Visier

Kopfschmerzen bereiteten Investoren allerdings die neuen Enthüllungen um angebliche russische Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahl. Dem "Wall Street Journal" zufolge hat US-Sonderermittler Robert Mueller im vergangenen Monat mehrere Mitglieder aus dem Wahlkampfteam des Präsidenten vorgeladen. Laut einem Insider steht vor allem Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Visier der Ermittler.

Die Verzögerungen bei den Gesprächen zur Bildung einer neuen deutschen Regierung, der so genannten Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen in Berlin, bringen Börsianer dagegen nicht aus dem Konzept. Zum einen rechneten sie mehrheitlich mit einer Einigung. Ausserdem würde selbst ein Scheitern den deutschen Leitindex Dax nicht von seinem Aufwärtstrend abbringen, betonte LBBW-Analyst Wolfgang Albrecht. "Für einen Dämpfer bräuchte es schon mehr als innenpolitische Querelen."

Verkürzte Handelswoche an der Wall Street

Zu den wenigen US-Konjunkturdaten, die in der neuen Woche auf dem Terminplan stehen, gehören die Frühindikatoren am Montag und die Auftragseingänge für langlebige US-Güter am Mittwoch. Commerzbank-Analyst Christoph Weil prognostizierte hier einen Anstieg von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat - fast drei Mal so viel wie der Durchschnitt. Am Donnerstag bleibt die Wall Street wegen des traditionellen US-Familienfests Thanksgiving komplett geschlossen und öffnet am Freitag ihre Tore nur für einen verkürzten Handel.

(Reuters/cash)