Börsen-Vorschau - Aktienmärkte steuern in unruhige See

Investoren sollten sich nach Einschätzung von Börsianern auf einen holprigen Start ins zweite Halbjahr einstellen.
03.07.2017 00:51
Die Aktienmärkte werden nicht frei von Unwettern sein.
Die Aktienmärkte werden nicht frei von Unwettern sein.
Bild: Pixabay

"Wir erwarten eine unruhige erste Juli-Woche mit dem Risiko, dass es weiter nach unten geht", sagte Aktienmarktexperte Heinz-Gerd Sonnenschein von der deutschen Postbank zur Nachrichtenagentur Reuters. EZB-Präsident Mario Draghi hatte jüngst Spekulationen angeheizt, wonach die Zeit der ultralockeren Geldpolitik langsam zu Ende geht. Dies trieb den Euro in der abgelaufenen Woche auf ein 14-Monats-Hoch von 1,1445 Dollar.

"Es besteht nicht viel Hoffnung, dass hier schon der Boden gefunden ist", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Londoner Brokerhaus CMC Markets. Auch Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock, äusserte sich verhalten. "Die Märkte bleiben risikofreudig, dennoch können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass wir wahrscheinlich den stärksten Teil der Kursentwicklung dieses Jahres in den Büchern haben."

Belastend für die Aktienmärkte dürfte sich weiterhin der starke Euro auswirken. Denn dieser macht Waren aus der Euro-Zone im Welthandel teurer und die Firmen weniger wettbewerbsfähig. "Weiter steigende Euro-Dollar-Notierungen sind nun schon allein deshalb nicht auszuschliessen, weil sich die EZB ja weiterhin optimistisch geben muss und letztlich auch ein schrittweises Ende der Anleihekäufe verkünden wird", sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Ein Euro-Kurs von 1,17 Dollar sei daher möglich.

SMI möglicherweise vor Negativ-Monat

Anleger werden daher Experten zufolge mit Argusaugen darauf schauen, ob weitere Notenbanker der Euro-Zone Hinweise auf den EZB-Kurs geben. "Spannend wird nun, ob die EZB weitere Versuchsballons steigen lässt, um den Markt auf eine Straffung der Zinspolitik vorzubereiten", sagte Sonnenschein. Unter anderem treten EZB-Chefvolkswirt Peter Praet (Dienstag), Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny (beide Donnerstag) öffentlich auf.

Der SMI hat zum Halbjahresende zuletzt zwischen 8900 und 8999 Zählern und notierte zuletzt mit 8905 Punkten 0,4 Prozent im Minus. Damit steuert der Leitindex erstmals seit Oktober auf einen Monat mit negativer Entwicklung zu.

Wie steht es um US-Arbeitsmarkt?

Höhepunkt für Investoren ist am Freitag der Arbeitsmarktbereicht der US-Regierung, von dem sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der geplanten Zinserhöhungen der Notenbank Federal Reserve (Fed) erhoffen. Die Ökonomen der Commerzbank rechnen mit 210'000 neu geschaffenen Stellen nach 138'000 im Mai. Einen Vorgeschmack liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Mittwoch. Darüber hinaus stehen die Auftragseingänge für langlebige US-Güter (Mittwoch) und das Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager (Donnerstag) auf dem Terminplan. Am Mittwoch veröffentlich die Fed zudem die Protokolle ihrer Juni-Sitzung.

Die US-Notenbank hatte den Schlüsselzinssatz zur Versorgung der Banken mit Geld Mitte Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht und eine weitere Anhebung bis Ende Dezember signalisiert. Börsianer sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung bereits im September bei rund 20 Prozent.

(cash/Reuters)