Börsen-Vorschau - Anleger bleiben trotz Katalonien-Krise in Partylaune

In der kommenden Woche werden der Abspaltungskrimi um Katalonien sowie mehrere US-Bankenbilanzen im Fokus der Anleger stehen. In Deutschland und den USA dürfte die Rekordjagd weitergehen.
07.10.2017 13:35
Gute Stimmung unter Tradern an der Wall Street.
Gute Stimmung unter Tradern an der Wall Street.
Bild: Bloomberg

Die Rekordlaune am deutschen Aktienmarkt dürfte Strategen zufolge vorerst anhalten. "Der weltweite synchrone Wirtschaftsaufschwung, der anhaltende Gewinntrend bei den Unternehmen sowie die immer noch expansive Liquiditätspolitik der EZB geben dem Dax auch in Zukunft eine gute Unterstützung", sagen die Strategen der Weberbank. Für Schwung dürfte auch die US-Bilanzsaison sorgen, die mit den Geschäftszahlen der grossen Bankhäuser für das dritte Quartal anrollt.

Der deutsche Leitindex schloss am Freitag bei 12.956 Punkten nachdem er zuvor auf ein Rekordhoch von 12.993,53 Zählern gestiegen war. Damit erzielte er ein Wochenplus von einem Prozent.

Der Schritt über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten sei nur eine Frage der Zeit, meinen Börsianer. "Das würde dann weitere Käufer anlocken, denn es gibt eine Menge Menschen, die an die Magie der Trends glauben", sagt NordLB-Experte Tobias Basse. Aus seiner Sicht könnte das dem Dax kurzfristig Schub bis auf 13.200 Zähler liefern. Anschliessend seien aber Gewinnmitnahmen wahrscheinlich.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag 0,11 Prozent tiefer bei 9'525,12 Punkten. Im Wochenvergleich ergab sich dennoch ein klares Plus von 1,0 Prozent, immerhin bereits wieder das vierte in Folge. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 0,26 Prozent auf 1'485,91 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,18 Prozent auf 10'558,31 Punkte.

Katalonien-Entscheidung könnte fallen

Im Auge behalten Anleger die politische Krise in Spanien wegen der möglichen Unabhängigkeitserklärung Kataloniens. Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont will sich am Dienstag vor dem Regionalparlament äussern. Nach Angaben eines Abgeordneten soll dann die Unabhängigkeitserklärung angenommen werden, die demnach bereits in Arbeit ist. "Der Katalonien-Konflikt betrifft nicht nur Spanien, sondern auch die EU", sagt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen.

Zum einen könne er separatistischen Bewegungen in anderen Ländern Auftrieb geben, etwa in Schottland, der Bretagne oder Wallonien. Zum anderen stelle er die Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron infrage, die Währungsunion durch ein gemeinsames Budget, also durch mehr Umverteilung vermeintlich zu stabilisieren.

Anleger hatten nach dem Referendum spanische Aktien und Anleihen aus den Depots geworfen. Besonders unter Druck standen die Titel der Geldhäuser Banco de Sabadell und Caixabank, die in Barcelona ihren Hauptsitz haben. Börsianer befürchten Geschäftseinbussen. Sabadell will den juristischen Sitz nach Alicante verlegen. Mit der Caixabank kündigte am Freitag das drittgrösste Geldhaus Spaniens eine Verlagerung seiner Zentrale nach Valencia an.

Weitere Rekorde an der Wall Street?

Bei den Konjunkturdaten liegt das Hauptaugenmerk auf den amerikanischen Verbraucherpreisen und Einzelhandelsumsätzen am Freitag. Einige Analysten rechnen vor allem bei letzeren mit einem kräftigen Anstieg im September. "Das dürfte einmal mehr bestätigen, dass die US-Wirtschaft kräftig expandiert", heisst es bei der Commerzbank. Das könnte auch an der Wall Street für weitere Rekorde sorgen.

NordLB-Analyst Basse zufolge könnte stimmungsmässig das Pendel allerdings bald umschlagen. "Wenn der Markt eine Leitzinsanhebung der Fed stärker einpreist, könnte das zu Rücksetzern führen." Die Bewertungen amerikanischer Aktien seien bereits sehr hoch. Am Mittwoch werden Anleger im veröffentlichten Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung nach Hinweisen zum geldpolitischen Kurs suchen.

Auf der Agenda stehen am Freitag zudem das Michigan-Verbrauchervertrauen für Oktober und am Donnerstag Daten zur Industrieproduktion im Euroraum.

US-Bankenbilanzen im Fokus

Bei den Unternehmen sind die US-Banken im Fokus: JP Morgan und Citigroup legen am Donnerstag ihre Geschäftszahlen vor, Bank of America und Wells Fargo folgen am Freitag. Anleger wollen vor allem wissen, ob die US-Häuser den europäischen Konkurrenten weiter davonlaufen können.

In der Schweiz legen ebenfalls mehrere Firmen aktuelle Geschäftszahlen vor. Am Dienstag Bossard und Givaudan sowie Leclanché am Freitag.

Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stehen Weichenstellungen an. Die exklusiven Verhandlungen mit der Lufthansa und Easyjet sollen bis Donnerstag abgeschlossen sein. Dann dürfte feststehen, wer welche Teile der Fluggesellschaft samt Maschinen übernimmt.

(Reuters)