Börsen-Vorschau - Anleger hoffen auf Rückenwind durch Firmenbilanzen

Die Chancen auf eine Jahresendrally an den Aktienmärkten stehen Experten zufolge nicht schlecht.
02.11.2019 09:46
Eingang am Hauptsitz von Swiss Life am Mythenquai in Zürich. Die Firma veröffentlicht nächste Woche Quartalszahlen.
Eingang am Hauptsitz von Swiss Life am Mythenquai in Zürich. Die Firma veröffentlicht nächste Woche Quartalszahlen.
Bild: cash

"Die bisher starke Bilanzsaison hat die Rezessionsängste der Investoren reduziert und dürfte noch für weitere Rekordhochs an der Wall Street sorgen, aber auch den Aktienmärkten in Europa einen Schub geben", sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

In den vergangenen Tagen erlahmte der Elan der europäischen Börsen etwas. Nach der Rally der vorangegangenen Wochen kamen sie kam unter dem Strich kaum mehr vom Fleck, Ausnahme war der SMI, der einen Rekord erzielte. An der Wall Street markierte der S&P 500-Index ebenfalls ein Rekordhoch nach dem anderen. Dass Investoren in der alten Woche kleinere Rücksetzer zum Wiedereinstieg nutzten, wertet Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets als positives Signal. "Der Markt will und kann deshalb weiter nach oben laufen."

"Die Fortsetzung des goldenen Börsenherbstes ist aber alles andere als garantiert", warnt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. Denn weder der Handelsdeal zwischen den USA und China noch ein geordneter Brexit sei in trockenen Tüchern.

Flut von Firmebilanzen

In der neuen Woche erreicht die deutsche Bilanzsaison ihren Höhepunkt: Ein Drittel aller Dax-Firmen legt Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören BMW, Siemens und die Allianz. Anderswo öffnen unter anderem die italienische Sportwagen-Schmiede Ferrari und der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney ihre Bücher. In der Schweiz veröffentlichen Swiss Life, Adecco oder Zurich Insurance die Zahlen.

Dass die deutschen Firmen bislang die Analystenprognosen mehrheitlich übertroffen hätten, sei angesichts der niedrigen Erwartungen keine Überraschung, sagte Dirk Steffen, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Allerdings hätten die Unternehmen ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar gesteigert.

Konjunkturdaten stehen dagegen nur wenige auf dem Terminplan. Unter anderem werden Zahlen zu den Aufträgen für die Industrie in den USA (Montag) veröffentlicht.

Brexit bleibt ein Thema

Nach dem Notenbank-Entscheid ist vor dem Notenbank-Entscheid: In der neuen Woche ist die Bank von England (BoE) an der Reihe. Eine Veränderung des Leitzinses gilt als ausgeschlossen, daher richten Börsianer ihre Aufmerksamkeit auf die Einschätzung der jüngsten Entwicklung im Brexit-Drama. Experten zufolge werde sich die Notenbank alle Optionen offen halten, um eingreifen zu können, sollte es im Rahmen des britischen EU-Ausstiegs zu Verwerfungen kommen.

In London stimmte das Unterhaus nach zähem Ringen für Neuwahlen am 12. Dezember. Da deren Ausgang mehr als ungewiss sei, müsse beim Pfund Sterling und britischen Aktien in den kommenden Wochen mit größeren Kursschwankungen gerechnet werden, prognostiziert Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere.

Daneben haben Börsianer auch weiter ein Auge auf das zweite Dauerbrenner-Thema Zollstreit. Zwar biete das geplante Teil-Abkommen wenig Konkretes und werde die Beziehungen zwischen Washington und Peking kaum nachhaltig verbessern, sagte Investment-Manager Rob Mumford vom Vermögensverwalter GAM. "Unter Marktgesichtspunkten stellt die Vereinbarung jedoch einen wichtigen positiven Schritt dar, da dadurch die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China – mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Wachstum der Weltwirtschaft sowie Rezessionsrisiken – zumindest vorübergehend gestoppt wurde."

(Reuters)

 

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