Börsen-VorschauAnleger müssen sich im Spätsommer warm anziehen

Wegen des verbalen Schlagabtauschs zwischen den USA und Nordkorea müssen sich Investoren auf unruhige Zeiten gefasst machen.
13.08.2017 13:58
Sitz der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Sitz der Schweizer Börse SIX in Zürich.
Bild: cash

"Ein Zündfunke von der koreanischen Halbinsel könnte - selbst wenn er verlöscht und nicht zu einem Krieg führt - eine Korrektur auslösen", warnt Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. US-Präsident Donald Trump hat dem kommunistischen Staat für den Fall weiterer Provokationen mit "Feuer und Zorn" gedroht, wie es die Welt noch nie erlebt habe. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un konterte mit dem Verweis auf einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam. Der Schlagabtausch setzte weltweit Börsen unter Druck und vernichtete an den Aktienmärkten innerhalb weniger Tage rund eine Billion Dollar an Börsenwert.

Gleichzeitig kletterte der als "Angstbarometer" bekannte Volatilitätsindex VIX auf den höchsten Stand seit dem Wahlsieg Trumps im November. Die unerwartet niedrige Inflation in den USA verhinderte an der Wall Street allerdings einen weiteren Tag mit Verlusten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte am Freitag 0,1 Prozent auf 21.858 Punkte zu. Im Wochenvergleich verringerte sich der Dow um 1,1 Prozent.

Der deutsche Leitindex Dax zum Beispiel rutschte am Freitag zeitweise und erstmals seit vier Monaten unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten, ging dann aber kaum verändert aus dem Handel. Auf Wochensicht büßte er dennoch 2,3 Prozent ein. Die Talsohle habe der deutsche Leitindex aber noch nicht erreicht, mutmaßt Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Der Dax liege nur unweit seiner Rekordhochs. Dies bedeute, dass die Kursverluste der vergangenen Wochen vor allem dem starken Euro geschuldet seien. "Die eigentliche Korrektur hat noch gar nicht stattgefunden. Dabei sind aber die Monate August und September prädestiniert dafür." Die Gemeinschaftswährung kostet mit etwa 1,1750 Dollar zwölf Prozent mehr als zu Jahresbeginn und macht damit heimische Waren auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig.

Einzelhandelsumsätze in den USA

Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck, beurteilt die Aussichten optimistischer: "Trotz möglicher kurzfristiger Korrekturgefahren gehen wir weiter davon aus, dass der positive Grundtrend an den Aktienmärkten anhält." Die europäische Konjunktur komme immer mehr auf Touren und die USA steuerten auf den längsten Aufschwung ihrer Geschichte zu. "Zugleich gewinnt Japans Wirtschaft an Stärke, und auch die meisten Schwellenländer erfreuen sich eines positiven Konjunkturtrends."

Nach der jüngsten Flaute warten jetzt wieder jede Menge Konjunkturdaten auf die Börsianer. Den Auftakt bilden am Montag die Zahlen zur europäischen Industrieproduktion. Am Mittwoch folgen Daten zum Wirtschaftswachstum und am Donnerstag zur Inflation.

Am selben Tag stehen in den USA die Einzelhandelsumsätze auf dem Terminplan. "Dabei erwarten wir vor allem ein kräftiges Plus im Kerngeschäft ohne Autos, Baumaterial und Benzin, das im Mai und Juni enttäuscht hatte", fügt Solveen hinzu. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

(Reuters)