Börsen-Vorschau - Anlegern steht weiterhin böiges Aktienwetter bevor

Nach den jüngsten Börsenturbulenzen müssen sich Anleger Experten zufolge auf anhaltend unruhige Zeiten einstellen. Für Unterstützung in der kommenden Woche könnte die anlaufende Bilanzsaison sorgen.
14.10.2018 18:29
Novartis wie auch Roche legen kommenden Woche ihre Q3-Zahlen vor.
Novartis wie auch Roche legen kommenden Woche ihre Q3-Zahlen vor.
Bild: Bloomberg

"Sehr gut möglich, dass die zu erwartenden guten Gewinnberichte der Unternehmen in ihrer Wirkung auf die Aktienpreise verpuffen, weil die politischen Unsicherheiten auf die Bewertung drücken", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock.

Denkbar sei aber auch, dass der grosse politische Knall ausbleibe und dadurch der Weg für eine Jahresendrally frei werde. Der Swiss Market Index (SMI) rückte am Freitag zwar um 0,25 Prozent auf 8'660,38 Punkte vor. Auf Wochensicht ergab sich dennoch eine empfindliche Einbusse von 4,2 Prozent. Der deutsche schloss auf dem tiefsten Stand seit Anfang Februar 2017. In den USA gaben sich Märkte zu Wochenschluss etwas erholt: Der marktbreite S&P 500 rückte am um 1,42 Prozent auf 2767,13 Punkte vor. Noch viel besser präsentierte sich der Technologie-Index Nasdaq 100 mit plus 2,77 Prozent auf 7157,21 Zähler.

Haupt-Diskussionsthema auf dem Börsenparkett bleibt die US-Geldpolitik. "Es beginnt jetzt die Debatte über die Zinsen im kommenden Jahr", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. In diese mischt sich auch US-Präsident Donald Trump ein, der der Notenbank Federal Reserve wegen ihrer restriktiveren Geldpolitik vorwarf, verrückt geworden zu sein. Vor diesem Hintergrund warten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Fed-Sitzung am Mittwoch. Von den Mitschriften erhoffen sie sich Rückschlüsse über Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen.

Italien zankt sich mit der EU

Trump sei auch noch aus einem anderen Grund ein Risikofaktor, warnt Blackrock-Experte Lück. Um die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen zum Kongress im November zu verbessern, könnte er den Handelskonflikt mit China verschärfen.

Kopfschmerzen bereitet Investoren auch die geplante Ausweitung des Haushaltsdefizits im bereits hoch verschuldeten Italien. Damit geht die Regierung in Rom auf Konfrontationskurs mit der EU-Kommission, die eine strengere Ausgabendisziplin anmahnt. Während einige Regierungsmitglieder verbal Öl ins Feuer gössen, mühe sich Finanzminister Giovanni Tria, die Risse zu kitten, sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. Tria warb erneut für einen konstruktiven Dialog mit der Brüsseler Behörde.

Bilanzsaison könnte Schlimmeres verhindern

Unterstützung für die europäischen Aktienmärkte verspricht sich Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, von der anstehenden Bilanzsaison. "Nach eher mageren Gewinnsteigerungen von null beziehungsweise fünf Prozent in den ersten beiden Quartalen halten unsere Aktienanalysten nun ein Plus von zehn Prozent für möglich." Für US-Firmen seien sogar Zuwächse von knapp 26 Prozent drin.

In der neuen Woche legen dort unter anderem die Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die Online-Videothek Netflix (alle Dienstag) Geschäftszahlen vor. In der Schweiz nimmt die Bilanzsaison ebenfalls Fahrt auf. Roche, Temenos (Mittwoch), Kühne + Nagel, Nestlé, Novartis, Inficon (Donnerstag) und BB Biotech (Fraitag) öffnen ihre Bücher.

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Einen Hoffnungsschimmer könnten auch die Brexit-Verhandlungen liefern. Europäische Spitzenpolitiker lobten die Fortschritte bei den Gesprächen über die künftigen Beziehungen Grossbritanniens zur EU. Es sei aber unklar, ob bis zum EU-Gipfel in der kommenden Woche ein Durchbruch erzielt werde. Spekulationen auf eine nahende Einigung hatten dem Pfund Sterling in der alten Woche Auftrieb gegeben.

Konjunktur im Hintergrund

Konjunkturdaten spielen in der neuen Woche nur die zweite Geige. Die US-Einzelhandelsumsätze am Montag würden das anhaltend robuste Wachstum der dortigen Wirtschaft voraussichtlich unterstreichen, prognostiziert Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft. Der ZEW-Index am Dienstag werde signalisieren, dass die deutschen Börsenprofis mit einer Fortsetzung des heimischen Aufschwungs rechneten.

(Reuters)