Börsen-Vorschau - Brexit und Bilanzen halten Anleger in Atem

Das Gezerre um den Brexit dürfte Anlegern auch in der neuen Woche Kopfschmerzen bereiten. Hinzu kommen zahlreiche Unternehmensbilanzen.
20.01.2019 10:45
Die UBS legt am Dienstag ihre Zahlen für 2018 vor.
Die UBS legt am Dienstag ihre Zahlen für 2018 vor.
Bild: cash

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Das Gezerre um den Brexit dürfte Anlegern auch in der neuen Woche Kopfschmerzen bereiten. Die Reise der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union bleibe wohl chaotisch, prognostizierte Stefan Bielmeier, Chefökonom von der DZ Bank. "Vieles deutet nun auf eine Verschiebung oder zeitweise Absage des Brexit hin - natürlich bleibt aber auch das Risiko-Szenario des Chaos-Brexit."

Der Swiss Market Index (SMI) gewann am Freitag 1,23 Prozent und schloss auf 9'023,96 Punkten und damit fast auf Tageshoch. Damit beträgt das Wochenplus gut 2,2 Prozent, seit Anfang Jahr ging es um knapp 7,1 Prozent nach oben. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) stieg um 1,52 Prozent auf 1'401,57 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 1,12 Prozent auf 10'525,14 Stellen. 

Der Dow Jones Industrial stieg um 1,38 Prozent auf 24 706,35 Punkte. Auf Wochensicht ergibt dies ein Plus von 2,96 Prozent. Es ist für das Börsenbarometer die vierte Gewinnwoche in Folge. Der deutsche Leitindex Dax erzielte auf Wochensicht einen Gewinn von rund 3 Prozent. Seit seinem Ende Dezember markierten Zweijahrestief hat sich der Dax damit inzwischen um knapp 8 Prozent erholt.

Händler gehen daher davon aus, dass sich die Dax-Anleger in der neuen Woche - trotz des jüngsten Sprungs über die 11'000er Marke - nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen werden. Die Hoffnung auf eine baldige Lösung im Zollstreit zwischen China und den USA machte den Investoren Mut.

«Plan B» von May

Gleich am Montag will die britische Premierministerin Theresa May nun ihren "Plan B" zu den Scheidungsmodalitäten zwischen Grossbritannien und der EU präsentieren. Am 29. Januar wird das britische Parlament dann über den nächsten Entwurf entscheiden. Der ursprüngliche Plan war in der alten Woche krachend gescheitert. Das darauffolgende Misstrauensvotum überstand die Regierungschefin allerdings.

Über die Erfolgsaussichten eines modifizierten Brexit-Deals sind sich Börsianer uneins. "Das Beharren der Premierministerin auf den Kernpunkten ihres gescheiterten Deals kann fast mit dem Versuch der Wiederbelebung einer Leiche verglichen werden", sagt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Analyst JR Zhou vom Online-Broker Infinox äussert sich optimistischer. Da Grossbritannien mit leeren Händen dem Austrittsdatum 29. März entgegentaumele, steige der Druck, einen schmerzhaften ungeordneten Brexit zu verhindern.

Die Anleger in den USA können allerdings erst verzögert auf Mays "Plan B" reagieren. Die Wall Street bleibt am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.

Geschäftszahlen prasseln auf Anleger ein

Neben den Brexit-Verhandlungen rollt auch eine weitere Welle von Firmenbilanzen auf die Investoren zu. Aus der Schweiz öffnen folgende Unternehmen die Bücher: Interroll (Montag), Logitech, SGS, UBS, Arbonia, Galenica, Komax, Tornos (Dienstag), Appenzeller KB, Autoneum, Barry Callebaut, Zur Rose (Mittwoch), Belimo, Huber+Suhner, Schwyzer KB (Donnerstag), Givaudan, HBM, SFS, Starrag, FCT (Freitag).

Bei den Konjunkturdaten richten Anleger ihre Aufmerksamkeit unter anderem auf den Ifo-Index (Freitag), der die Stimmung in den deutschen Chefetagen widerspiegelt. Experten rechnen damit, dass sich diese auch zum Jahresbeginn nicht durchgreifend gebessert hat. Im Dezember sank das Barometer für das Geschäftsklima auf den schlechtesten Wert seit zwei Jahren.

Wie es dagegen um die Laune der Börsenprofis bestellt ist, zeigt der ZEW-Index am Dienstag. In den USA stehen die Frühindikatoren (Donnerstag) und die Auftragseingänge langlebiger Güter (Freitag) auf dem Terminplan. Wegen des Regierungsstillstandes kann es jedoch sein, dass einige US-Daten nicht veröffentlicht werden.

Im Blick behalten die Investoren auch China: Am Montag sollen die offiziellen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) präsentiert werden. Im Handelsstreit mit den USA hat sich Chinas Wirtschaft merklich abgekühlt und 2018 wohl das schwächste Wachstum seit Jahrzehnten hingelegt.

In Frankfurt nichts Neues

Wenige Wochen nach dem offiziellen Ende der Anleihekäufe erwarten Experten von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag keine neue geldpolitischen Entscheidungen. Angesichts einer Reihe enttäuschender Konjunkturdaten würden Anleger aber auf mögliche Änderungen der Wortwahl zum Ausblick achten. Ausserdem erhofften sie sich Hinweise auf eine mögliche Neuauflage milliardenschwerer, lang laufender Billig-Kredite für Geschäftsbanken.

Die ersten dieser sogenannten TLTROs laufen zwar erst 2020 aus. Bei einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr dürfen diese Gelder aber nicht mehr zur Berechnung bestimmter Finanzpolster herangezogen werden. Vor allem den kriselnden italienischen Banken droht dann eine Finanzierungslücke.

(Reuters/AWP/cash)