Börsen-Vorschau - Brexit und Zinssorgen verderben Börsen die Frühlingslaune

Wahre Frühlingsgefühle dürften an den Börsen in der neuen Woche Strategen zufolge noch nicht aufkommen. Denn die Themen Brexit und Handelsstreit sind in den Köpfen der Anleger nach wie vor präsent.
16.03.2019 13:06
Blickt sie durch? Grossbritanniens Premierministerin Theresa May will den EU-Austritt eventuell verschieben, erhöht damit aber auch die Finanzmarktunsicherheit.
Blickt sie durch? Grossbritanniens Premierministerin Theresa May will den EU-Austritt eventuell verschieben, erhöht damit aber auch die Finanzmarktunsicherheit.
Bild: Bloomberg

Nachdem der SMI in der Woche um 2,3 Proeznt zugelegt hat und bei 9483 Punkten noch rund 70 Punkte vom Rekordhoch von Januar 2018 entfernt ist, geht die Berichtsaison der kotierten Schweizer Unternehmen langsam dem Ende entgegen. Eine grössere Zahl von kleineren Gesellschaften wird nächste Woche noch Zahlen vorlegen. Am Montag unter anderem Orell Füssli, am Dienstag Asmallworld, CPH, Hochdorf, Huber+Suhner oder Peach Property. Am Mittwoch folgen unter andrem Conzzeta und Mikron, am Donnerstag Meyer Burger und die stark beachtete Apothekengruppe Zur Rose. Mit Interroll und der krisengeschüttelten Airopack werden am Freitag weitere Zahlen folgne. 

Ebenfalls am Dienstag findet eine Pressekonferenz bei Stadler Rail statt. Spekuliert wird, dass Unternehmer und Ex-SVP-Nationalrat Peter Spuhler ankündigen wird, dass sein Bautechnikunternehmen an die Börse gehen wird. 

Die Börsen in der Schweiz und weltweit sind aber weiter vor allem Notenbank- und Politikentwicklungen ausgesetzt. Richtungsweisend für die Finanzmärkte dürfte der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch sein. Die Fed dürfte aller Voraussicht nach nicht an der Spanne der Leitzinsen von derzeit 2,25 bis 2,5 Prozent rütteln. "Die Fed zeigt sich explizit geduldig", sagt Marktexperte Joachim Goldberg von der Analysefirma Goldberg & Goldberg. Dafür spricht auch der jüngste Rückgang der US-Inflationsrate. Sie fiel im Februar auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren. "Ihre Ziele Vollbeschäftigung und Preisstabilität sind weiterhin erfüllt, so dass sie sich die Tür für einen Zinsschritt im Juni offenhalten dürfte", sagen die BayernLB-Analysten.

Entscheidend dürfte die Einschätzung der Fed bezüglich der Auswirkungen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits auf die Konjunktur sein. Zuletzt gab es wieder positive Signale über eine Beilegung des Zollstreits. Doch zu dem eigentlich Ende März erwarteten Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zur Beilegung des Konflikts wird es wohl erst im April kommen. Die anstehenden Konjunkturdaten dürften Investoren genau auf mögliche Bremsspuren abklopfen. Im Euro-Raum dürfte der Einkaufsmanagerindex für die Industrie am Freitag zeigen, dass deren Schwäche noch nicht überwunden ist.

«No-Deal-Brexit» noch möglich

Aus London droht aber weiterhin Ungemach: Experten warnen, dass das Risiko eines ungeordneten Brexit nicht gebannt sei. Das britische Parlament hat sich nach hitzigen Debatten zum EU-Austritt nicht einigen können. Die Unterhausbbgeordneten in London wollen den eigentlich für den 29. März vorgesehenen Austritt aus der EU nun um maximal drei Monate verschieben. Voraussetzung ist jedoch, dass das Unterhaus bis Mittwoch dem mit der EU ausgehandelten Ausstiegsvertrag zustimmt. Mit der Entscheidung für eine Verschiebung steige zwar der Druck auf die Brexit-Anhänger, Mays Plan zuzustimmen, sind die Analysten der BayernLB der Ansicht.

Der Kursanstieg des Pfunds auf 1,33 Dollar lässt vermuten, dass die Finanzmärkte nicht an einen abrupten Bruch Grossbritanniens mit der EU glauben. Doch der Commerzbank zufolge ist das Risiko eines Brexits ohne Vertrag grösser geworden: "Lehnt das Parlament das Austrittsabkommen kommende Woche zum dritten Mal ab, ist eine lange Verschiebung des Brexit-Termins über die Jahresmitte alles andere als sicher." Ohne eine lange Verschiebung werde es aber keine zweite Volksabstimmung geben. Am Donnerstag und Freitag entscheiden in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) über das weitere Vorgehen.

Am Donnerstag tagt auch die Bank of England (BoE). Experten rechnen nicht mit einer Veränderung an den Leitzinsen. Sehr wohl müssen die Währungshüter die Unsicherheiten in der Wirtschaft wegen möglicher Brexit-Risiken aber im Blick behalten. In ruhigeres Fahrwasser dürfte die BoE-Geldpolitik erst kommen, wenn beim Brexit Klarheit erkennbar wird.

(Reuters/cash)

 

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