Börsen-Vorschau - Die Partystimmung an den Börsen dürfte vorerst anhalten

Der Höhenflug der Aktienmärkte ist Experten zufolge noch nicht zu Ende. Investoren drängen die möglichen wirtschaftlichen Belastungen der Coronavirus-Epidemie in den Hintergrund.
15.02.2020 10:30
Die gute Stimmung an den Börsen dürfte nächste Woche anhalten.
Die gute Stimmung an den Börsen dürfte nächste Woche anhalten.
Bild: Bloomberg

Das sagt Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Stattdessen haben alle Angst, eine mögliche Fortsetzung der Börsenparty zu verpassen." In der ablaufenden Woche legte der SMI um 1,6 Prozent zu und konnte mit 11'152 Punkten zwischenzeitlich erneut ein Rekordhoch aufweisen. Der deutsche Dax gewann knapp zwei Prozent hinzu und erreichte ebenfalls ein Rekordhoch bei 13.788,51 Punkten. Auch der europäische Leitindex Eurostoxx 50 legte vergangene Woche um 1,23 Prozent zu. 

Jeroen Blokland, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Robeco, nennt drei Gründe für eine Fortsetzung der Rally. So habe sich die Konjunktur nach vergleichbaren Epidemien meist rasch wieder erholt. Ausserdem sei die Weltwirtschaft vor dem Coronavirus-Ausbruch bereits auf einen Erholungskurs eingeschwenkt. "Drittens sollten Anleger die sehr lockere Geldpolitik im Hinterkopf behalten. Die Notenbanken haben deutlich gemacht, dass einer Straffung der Geldpolitik sehr hohe Hürden entgegenstehen", erläutert Blokland. Die chinesische Notenbank könnte ihren Leitzins am Donnerstag senken, um die vom Coronavirus besonders stark betroffene heimische Wirtschaft zu stützen.

Flut von Firmenbilanzen

Vor diesem Hintergrund hänge die weitere Entwicklung der Aktienkurse von den Unternehmensgewinnen ab, sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock. "Hat der Konsensus damit Recht, dass sich das Wachstum im Jahr 2020 von der Schwäche des Vorjahres erholt, könnten die gegenwärtigen Schätzungen zum Gewinnwachstum von rund neun bis zehn Prozent in den USA und sieben bis acht Prozent in Europa in etwa die Grössenordnung auch für die erwartbaren Kurszuwächse vorgeben."

Seit Jahresbeginn hat der SMI um knapp fünf Prozent zugelegt, der deutsche Dax und der US-Standardwerteindex Dow Jones immerhin jeweils mehr als drei Prozent. Rückschlüsse auf die weiteren Aussichten für die Aktienmärkte liefert eine erneute Welle von Firmenbilanzen. In der Schweiz dürften die Ergebnisse von Straumann, Sulzer, Swiss Re und Sika mit Spannung erwartet werden. Aber auch BB Biotech, Basilea, Valora sowie die Finanztitel GAM, die Kantonalbanken beider Basel, die Thurgauer KB und die Cembra Bak präsentieren ihre Zahlen.  

In Deutschland geben knapp ein Drittel aller Dax-Unternehmen in der neuen Woche Geschäftszahlen bekannt, darunter die Deutsche Telekom und der Versicherer Allianz. In den USA öffnen unter anderem der US-Einzelhändler Walmart und Berkshire Hathaway, die Investmentgesellschaft der Investorenlegende Warren Buffett, ihre Bücher.

Konjunkturdaten erwartet

Hinweise auf das Wirtschaftswachstum versprechen sich Investoren zudem von den anstehenden Konjunkturdaten. In der Schweiz publiziert die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) ihre Statistik zum Aussenhandel und zu den Uhrenexporten im Januar 2020. Das Bundesamt für Statistik (BFS) publiziert seine Produktions-, Auftrags- und Umsatzstatistik für das vierte Quartal 2019.

In Deutschland steht am Dienstag der ZEW-Index an, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt. Zwei Tage später gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Konsumenten. Wenige Stunden später folgt sein europäisches Pendant. Die Stimmung der europäischen Einkaufsmanager (Freitag) werde wohl von der Coronavirus-Expidemie belastet sein, prognostiziert Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

In den USA richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Konjunkturbarometer der der Federal Reserve Bank von New York (Montag) und der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Donnerstag). Ausserdem stehen die Frühindikatoren (ebenfalls Donnerstag) auf der Agenda.

Am Freitag verfallen Optionen auf Indizes und einzelne Aktien. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. 

(Reuters)

 

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