Börsen-Vorschau - Europäische Märkte weiterhin im Bann des Euro

Europäische Anleger hoffen in der neuen Wochen auf ein Ende der Kursflaute. An der Schweizer Börse steht der schwache Franken weiter im Fokus.
05.08.2017 14:04
Wohin gehts mit den Kursen? Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt.
Wohin gehts mit den Kursen? Bulle und Bär vor der Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Nach mehreren Wochenverlusten in den vergangenen beiden Monaten ist Experten zufolge das Ende der Kursflaute von Dax, EuroStoxx50 & Co in Sicht. "In Europa, politisch stabilisiert und vom Krisenmodus keine Spur, stellt sich die gesamtwirtschaftliche Lage so gut wie lange nicht mehr dar", betont Anlagestratege Carsten Gerlinger vom Vermögensberater Moventum.

Auch Pierre Bose, Chef-Anlagestratege für Europa bei der Vermögensverwaltung der Schweizer Grossbank Credit Suisse, äussert sich optimistisch - vor allem für deutsche Aktien. Die Kursverluste der vergangenen Wochen - ausgelöst durch die Euro-Stärke sowie die Diesel-Krise und die Kartell-Vorwürfe gegen die Autobauer - machten deutsche Titel vergleichsweise günstig. In der abgelaufenen Woche gewann der Dax 1,1 Prozent auf 12.297 Punkte.

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag den achten Tag in Folge mit höheren Kursen beendet. Der Swiss Market Index (SMI) legte zum Schluss 0,44 Prozent auf 9'176,99 Punkte zu, das neue Jahreshoch liegt nun bei 9'187,04 Punkten. Im Wochenvergleich ergab sich ein Plus von 1,7 Prozent, das zweite in Folge.

In den USA legte der Dow-Jones-Index der Standardwerte im Wochenvergleich 1,2 Prozent und der breiter gefasste S&P-500 0,2 Prozent zu, während der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,4 Prozent nachgab.

Der Euro bleibt stark

Während der schwache Franken bei Schweizer Anlegern für eine positive Stimmung sorgte, wird der Euro in Deutschland zum Problem. Ein Ende der Euro-Stärke könne er nicht erkennen, warnte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Sie sei das grösste Hemmnis für eine Erholung der europäischen Aktienmärkte.

Der Kurs der Gemeinschaftswährung ist seit Jahresbeginn um etwa 13 Prozent auf knapp 1,19 Dollar am Freitag gestiegen. Nach der Veröffentlichung überraschend starker US-Arbeitsmarktdaten fiel die Gemeinschaftswährung zum Wochenausklang aber wieder auf gut 1,17 Dollar.

Mit einem starken Euro werden Waren deutsche Firmen auf dem Weltmarkt teurer, also weniger wettbewerbsfähig. Getrieben werde die Rally weniger von der wirtschaftlichen Entwicklung, betont Moventum-Experte Gerlinger. "Die Kursentwicklung ist ein Spiegelbild der politischen Schwäche der Regierung Trump. Der US-Präsident verbringt mehr Zeit mit twittern als zu regieren." Donald Trump habe bislang keines seiner Wahlkampfversprechen umgesetzt.

Bilanzsaison geht weiter

In der Schweiz stehen in der kommenden Woche weitere Geschäftszahlen an. Am Dienstag zeigen Vifor Pharma, BCGE, Galenica, Oerlikon und Swissquote die Zahlen. Danach folgen Adecco, Zurich, Arbonia, Basilea, Kardex, lastminute.com, Valiant (alle am Donnerstag); Clientis, Conzzeta, Dätwyler, Schmolz+Bickenbach (am Freitag).

Zu den wenigen Konjunkturdaten gehört die deutsche Industrieproduktion am Montag. Am Tag darauf folgen die Zahlen zur Handelsbilanz. Den Abschluss bilden am Freitag die endgültigen Inflationszahlen für Juli. Am selben Tag stehen auch die US-Verbraucherpreise auf der Agenda. "Wir erwarten bei einigen Gütern und Dienstleistungen, die sich zuletzt verbilligten, beim Preis eine Gegenbewegung nach oben", sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

Eine anziehende Teuerung könnte der Diskussion über die Geldpolitik der US-Notenbank Fed neue Nahrung geben. "Investoren täten gut daran, sich auf einen nächsten Leitzinsschritt im Dezember einzustellen", so Analyst Dirk Gojny von der Essener National-Bank.

(csah/Reuters/AWP)