Börsen-Vorschau - «Goldener Herbst» - Aktien-Experten sehr optimistisch für die kommenden Wochen

Anleger sehen einem goldenem Herbst entgegen: Die anhaltende Flut billigen Notenbankgeldes wird die Börsen Experten zufolge in den kommenden Wochen in neue Höhen hieven.
05.09.2020 10:50
Die «Herbstchörbli» der Anleger sind gut gefüllt.
Die «Herbstchörbli» der Anleger sind gut gefüllt.
Bild: imago images / Panthermedia

Der SMI hat zum Handelsschluss am Freitag 0,7 Prozent auf 10'153 Punkte verloren. Auf Wochensicht hat der defensiv geprägte Schweizer Leitindex nur etwa ein halbes Prozent dazugewonnen. Verunsichert hat den Markt, dass in den USA die Tech-Rally ins Stocken geraten ist. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 1,3 Prozent auf 11'622 Zähler, womit sich für ihn ein Wochenverlust von 3,1 Prozent ergibt.

 

 

Dennoch sind Anlysten optimistisch: Der jüngste Strategieschwenk der US-Notenbank Fed zementiere das aktuelle Niedrigzinsumfeld auf absehbare Zeit, sagt Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank in Essen der Nachrichtenagentur Reuters. "Dies führt dazu, dass die Anlagealternativen zu Aktien weiterhin tief im Renditetal verweilen werden und folglich die relative Attraktivität der Aktienanlage nachdrücklich attraktiv bleibt." 

Die Fed will zur Unterstützung der Konjunktur künftig auch längere Zeit eine Inflationsrate über ihrem Zielgrösse von zwei Prozent tolerieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde diesem Beispiel sicher folgen, prognostiziert Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. Er rechne allerdings nicht damit, dass die Währungshüter im Anschluss an ihre Ratssitzung am Donnerstag bereits entsprechende Signale sendeten. Vorher werde man sicher die Strategie-Überprüfung abschliessen.

Einigen Experten zufolge wächst jedoch der Handlungsdruck. Nach einer Serie enttäuschender Konjunkturdaten werde die Notenbank ihre Wertpapierankäufe mittelfristig ausweiten müssen. Vor diesem Hintergrund werden Börsianer die Zahlen zum europäischen Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal am Dienstag aufmerksam analysieren.

Commerzbank-Analyst Christoph Weil erwartet ein etwas geringeres Minus als die zuvor geschätzten 12,1 Prozent. Bei den anstehenden Zahlen zur Industrieproduktion im Juli sagt er eine Fortsetzung der Erholung voraus. "Für Deutschland erwarten wir ein Plus von vier Prozent. Ähnliche Zuwächse dürften in Frankreich und Italien zu verzeichnen sein."

Neue Brexit-Gespräche

In der Schweizer Unternehmenslandschaft warten noch einige Firmen mit Halbjahreszahlen auf. Am Montag sind dies die Elektrotechnik-Gruppe Burkhalter und das Pharmaunternehmen Medacta. Am Dienstag werden SMI-Neuzugang Partners Group und die Immobiliengesellschaft Poenina informieren. Am Mittwoch folgen die Kleinfirmen Lalique und Villars. Ebenfalls am Mittwoch werden vom Staatssekretariat für Wirtschaft die Arbeitsmarktzahlen für den August eintreffen. Am Donnerstag veröffentlicht der Flughafen Zürich die Verkehrszahlen vom August, während am Freitag die Immobiliengesellschaft Fundamenta Halbjahreszahlen vorlegen wird. 

Mit einem Auge schielen Investoren zudem auf die Brexit-Verhandlungen in London. Der "Times" zufolge sehen Mitglieder der britischen Regierung die Chancen für ein Abkommen über die künftigen Beziehungen mit der EU bei lediglich 30 bis 40 Prozent. Zuvor hatte der EU-Chefunterhändler Michel Barnier der Gegenseite mangelnde Flexibilität vorgeworfen.

Ohne eine Einigung droht zum Jahresende ein ungeordneter Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Staatengemeinschaft, der Experten zufolge die Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals belasten würde. Vor diesem Hintergrund rechnen von Reuters befragte Analysten für die kommenden Monate mit einer Abwertung des Pfund Sterling auf 1,30 von derzeit etwa 1,33 Dollar.

Gleichzeitig rückt die nahende US-Präsidentschaftswahl immer stärker in den Fokus. Einer Reuters-Umfrage zufolge liegt der demokratische Bewerber Joe Biden zwar sieben Prozentpunkte vor Amtsinhaber Donald Trump, die Buchmacher von Betfair sehen Letzteren dagegen vorn. "Wetten sind zwar nicht dasselbe wie Umfragen", sagt Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Aber auch hier schmelze Bidens Vorsprung. Dies gelte vor allem in den hart umkämpften Regionen.

(cash/Reuters)

 
Aktuell+/-%
SMI11'209.09+1.17%
NASDAQ 10013'935.15+0.91%
NASDAQ13'950.22+1.19%
Merck I145.35-0.27%
Commerzbank I4.850-0.82%
Medacta Group N113.600.00%
Burkhalter Hldg N74.000.00%
Lalique Group N33.00-5.71%
Part Grp Hldg N1'287.00-0.23%
Villars Hldg N720.000.00%
Fundamenta Real N19.700+1.03%
Flughafen Zuerich N153.90+0.59%
GBP/CHF1.2769+0.08%
EUR/GBP0.8642+0.06%
EUR/USD1.2037+0.01%