Börsen-VorschauNordkorea-Krise hängt wie ein Damokles-Schwert über den Börsen

In der nächsten Woche wird die Nordkorea-Krise die Börsen verunsichern. Auch das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien wird argwöhnisch beäugt. Die Wahlen in Deutschland hingegen dürften stabilisierend wirken.
23.09.2017 16:44
Stahlbrücke, welche die chinesische Stadt Dandong mit Sinuiju in Nordkorea verbindet.
Stahlbrücke, welche die chinesische Stadt Dandong mit Sinuiju in Nordkorea verbindet.
Bild: pixabay.com

Mit der Fortsetzung der Rekordjagd an den ausländischen Börsen müssen sich Anleger nach Einschätzung von Experten noch eine Weile gedulden. Vor allem der anhaltende Streit zwischen den USA und Nordkorea sei ein Hemmschuh, sagte Anlagestratege Tobias Basse von der deutschen Bank NordLB. "Es herrscht zwar nicht die Angst, dass sich aus der Krise ein bewaffneter Konflikt entwickelt. Da die Börsen in den vergangenen Monaten aber gut gelaufen sind, nehmen Anleger neue Nachrichten gerne als Ausrede, um Gewinne zu realisieren."

Auf die deutschen Bundestagswahlen blickt der Markt dagegen gelassener. Die Nähe der beiden grossen Parteien sowie die Annahme, dass von der Wahl am Sonntag keine ernsthaften Zäsurrisiken ausgehen, sprechen laut Beobachtern gegen eine starke Reaktion der Börsen.

Das zweite grosse Thema sei vielmehr die Geldpolitik, erklärte NordLB-Experte Basse. Die Aussicht auf baldige weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve werde die Wall Street, die zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt und auch den MSCI-Weltindex von einer Bestmarke auf die nächste gehievt hatte, ausbremsen. An der Wall Street gewann der Dow Jones auf Wochensicht 0,4 Prozent. Vor diesem Hintergrund werden Börsianer die zahlreichen Auftritte führender US-Notenbanker in der neuen Woche genau verfolgen, um Rückschlüsse auf die Fed-Politik zu ziehen. Der SMI wiederum legte in der vergangenen Woche um 1,2 Prozent zu, erreichte aber 9137 Punkten kein Rekordhoch.

Verschärfung in Katalonien befürchtet

Kopfschmerzen bereitet Investoren auch das umstrittene Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens am 1. Oktober. "Bisher haben die Finanzmärkte diesen Konflikt weitgehend ignoriert, obwohl es sich um eine der wirtschaftsstärksten Regionen Spaniens handelt", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Eine Eskalation des Streits mit der Zentralregierung in Madrid würde die spanischen Anleihen kurzfristig sicher belasten. Mittelfristig werde sich am Status Quo aber nicht viel ändern - unabhängig vom Wählervotum. "Denn es ist kaum damit zu rechnen, dass eine nennenswerte Anzahl von Staaten diese Unabhängigkeit anerkennen würde, und Spanien wird dies sicherlich auf keinen Fall tun."

Wirtschaftsdaten im Blick

In der Schweiz legt am Montag der Backwarenkonzern Aryzta die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17 vor, während Novartis am Dienstag ein Investorenseminar durchführt. Zur konjunkturellen Lage kommen am Montag Zahlen der Nationalbank zur Zahlungsbilanz und den Auslandvermögen im zweiten Quartal. Am Mittwoch präsentiert die UBS den Konsumindikator für den August. Am Donnerstag publiziert ebenfalls die UBS die Real Estate Bubble Index für den Schweizer Immobilienmarkt. Am Freitag veröffentlicht die ETH-Prognosestelle KOF das Konjunkturbarometer.

Daneben hält eine Flut von ausländischen Konjunkturdaten Anleger in Atem. Den Anfang macht am Montag der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Auf europäischer Ebene konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die Inflationszahlen am Freitag. Eine anhaltend niedrige Teuerung könnte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) den Befürwortern einer raschen Drosselung der Anleihekäufe Wind aus den Segeln nehmen.

Ebenfalls am Freitag stehen in den USA Zahlen zu den Einkommen und Ausgaben der dortigen Verbraucher auf dem Terminplan. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

(Reuters/cash)