Börsendebütant - Landis+Gyr: IPO-Bank prangert Geschäftsstrategie an

Nur wenige Wochen nach dem Börsengang von Landis+Gyr äussert Morgan Stanley gewisse Zweifel an der Geschäftsstrategie. Brisant dabei: Die amerikanische Investmentbank zählt zu den federführenden Banken.
19.09.2017 08:33
Von Lorenz Burkhalter
Das Logo von Landis+Gyr.
Das Logo von Landis+Gyr.
Bild: Keystone

Auf den ersten Blick hatte die Rückkehr von Landis+Gyr an die Schweizer Börse SIX alle Zutaten für einen Erfolg: Der Innerschweizer Hersteller von Stromzählern ist vielen Anlegern noch von früher ein Begriff. Zudem ist er Marktführer in rasch wachsenden und als zukunftsträchtig geltenden Absatzmärkten.

Wer auf das schnelle Geld hoffte, wurde rückblickend allerdings enttäuscht. Gleich am ersten Handelstag geriet die bei 78 Franken ausgegebene Aktie unter Druck. Und obwohl sie sich von den Tiefstkursen von Ende August bei 72,15 lösen konnte, errechnet sich noch immer ein Minus von 6 Prozent gegenüber dem erstbezahlten Kurs.

Am Dienstag meldet sich nun der von Morgan Stanley tätige Analyst zu Wort. Nach dem Vorstoss des Rivalen Itron mittels einer Übernahme von Silver Spring Networks ins "Internet-der-Dinge", wähnt er Landis+Gyr unter Druck, die langfristige Geschäftsstrategie zu überdenken.

Wachstumsaussichten mit Fragezeichen verbunden

Der Experte schwächt das Ganze zwar etwas ab, indem er keine unmittelbare Wettbewerbsverschärfung vom Firmenkauf Itrons ausgehen sieht. Dennoch birgt seine Aussage rund um die langfristige Geschäftsstrategie nur wenige Monate nach dem Börsendebüt gewissen Zündstoff, zählte die amerikanische Investmentbank gemeinsam mit der UBS doch zu den federführenden Banken beim Börsengang.

Kursentwicklung der Landis+Gyr-Aktie seit dem Börsengang (Quelle: www.cash.ch)

Was die ach so angepriesenen Wachstumsaussichten von Landis+Gyr anbetrifft, gibt sich der Analyst überraschend zurückhaltend. Seines Erachtens geht insbesondere vom Software- und Servicegeschäft des im steuergünstigen Zug beheimateten Unternehmens Wachstumsimpulse aus. Weil dieser Geschäftszweig 2017 aber gerademal 16 Prozent zum Jahresumsatz beitragen dürfte, stuft er die Aktie nur mit "Equal-weight" und einem Kursziel von 76 Franken ein.

Auch im hohen von Itron für Silver Spring Networks bezahlten Kaufpreis sieht der Experte kein Argument für einen steigenden Aktienkurs bei Landis+Gyr. Das überrascht, liegt die Übernahmeofferte doch um 25 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag und bewertet Silver Spring Networks fast mit dem dreifachen Jahresumsatz.

UBS und Credit Suisse strotzen vor Zuversicht

Auf Basis derselben Bewertungsmassstäbe für das Software- und Servicegeschäft von Landis+Gyr kommt man bei Morgan Stanley auf einen fairen Aktienkurs von rund 80 Franken.

Deutlich zuversichtlicher geben sich die beiden ebenfalls in den Börsengang involvierten Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Seit wenigen Wochen raten sie Anlegern zum Kauf der Landis+Gyr-Aktie. Auffällig dabei ist, dass das Kursziel in beiden Fällen mit 90 Franken angegeben wird.