Börsengewitter - Blosse Korrektur - oder gar ein Stimmungsumschwung?

Nach den Kursverlusten der letzten Tage brennen Anlegern mehrere Fragen auf der Seele. Die US-Investmentbank Morgan Stanley geht den wichtigsten Fragen rund um die Börsenturbulenzen nach.
12.10.2018 08:55
Von Lorenz Burkhalter
Auch der SMI stürzte in den letzten Tagen ab.
Auch der SMI stürzte in den letzten Tagen ab.
Bild: cash

In den ersten Oktober-Tagen gaben die wichtigsten US-Aktienindizes um fast 10 Prozent nach, die Hälfte davon in den vergangenen 48 Stunden. Mit einem Minus von rund 5 Prozent kam der Swiss Market Index (SMI) noch mit einem blauen Auge davon. Aktien wie die des Sensorenherstellers Sensirion, des Cyber-Security-Unternehmens Kudelski oder des Pharmaentwicklers Idorsia erlitten allerdings hohe prozentual zweistellige Kursverluste.

Viele Anleger sind verständlicherweise verunsichert. Denn noch ist nur schwer abschätzbar, ob es sich bloss um einen kurzen Rückschlag oder um den Beginn eines grundlegenden Stimmungsumschwungs handelt.

In einer Strategiestudie warten die für die US-Investmentbank Morgan Stanley tätigen Autoren mit Antworten auf die drängendsten Fragen auf:

Was geschah in den letzten Tagen?

Die Studienautoren machen ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Kursverluste an den Aktienmärkten verantwortlich (cash berichtete). Im Zentrum steht jedoch der Renditeanstieg zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über 3,2 Prozent.

Entwicklung des Nasdaq Composite Index über die letzten drei Wochen (Quelle: www.cash.ch)

Gleichzeitig seien die Renditen der US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf oder mehr Jahren aus einem Seitwärtsband nach oben ausgebrochen und die Risikoprämie für Aktien an der Börse in New York über den Schwellenwert von 3,25 Prozent gestiegen, so heisst es.

Wie ungewöhnlich ist dieser Börseneinbruch?

Noch gibt man sich bei Morgan Stanley entspannt. Den Strategen zufolge fallen die Kursverluste beim S&P-500-Index nicht aus dem Raster der letzten Jahre. Anders verhält es sich beim Nasdaq Composite Index. Sieben Jahre ist es her, dass das Technologiebarometer letztmals 4,4 Prozent an einem einzigen Tag verlor.

Auffällig bleibt die Häufung stärkerer Kursausschläge im laufenden Jahr. Die Studienautoren machen die ungewöhnlich dünnen Handelsvolumina für diese Häufung verantwortlich und sagen für die kommenden Wochen erneut starke Kursausschläge vorher.

Was spricht für eine Kurserholung?

Die Kursverluste der letzten Tage hätten eine günstige Ausgangslage für eine Jahresend-Rally geschaffen, so heisst es bei Morgan Stanley. Andere Banken rechnen für November und Dezember saisonal betrachtet ebenfalls wieder mit steigenden Kursen (cash berichtete). Noch wollen sich die Strategen der US-Investmentbank aber nicht auf eine solche hin positionieren. 

Ihres Erachtens sind die meisten Aktienmärkte rund um den Globus im bisherigen Jahresverlauf günstiger geworden. Am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gemessen liegt die Bewertung amerikanischer und europäischer Aktien mittlerweile gar am unteren Ende der langjährigen Bandbreite.

Gleichzeitig steht der bankeigene taktische Indikator für den Weltaktienindex unmittelbar vor einem Kaufsignal. Vermutlich warten die Strategen dieses Kaufsignal ab, bevor sie sich auf eine Jahresend-Rally hin positionieren.

Am Morgan Stanley Global Risk Demand Index gemessen, schlug die Stimmung innerhalb von gerademal zwei Wochen von "Selbstgefälligkeit" auf "extreme Angst" um. Das müsste den Aktienmärkten eigentlich helfen.

Was spricht gegen eine Kurserholung?

Wie die Studienautoren schreiben, sind viele Aktienanleger verunsichert. Dass deren Verkaufsbereitschaft nun auch noch die beliebtesten US-Technologiewerte erreicht habe, versetze dem Optimismus einen zusätzlichen Dämpfer.

Auch von der US-Notenbank erhofft man sich bei Morgan Stanley vorerst keine grosse Hilfe. Anders als unter der Leitung von Janet Yellen oder Ben Bernanke sieht sich die Geldpolitik bei der Teuerung und bei der Lage am Arbeitsmarkt mit einer völlig anderen Situation konfrontiert. Und trotz harscher Kritik seitens des US-Präsidenten Donald Trump rechnen die Strategen mit einer Fortsetzung der geldpolitischen Straffung. Der sogenannte "Fed-Put" dürfte damit tiefer gesetzt sein als bei früheren Börsenturbulenzen.