Börsenkonzern  - SIX will Mehrheit am Kartengeschäft abgeben

Der neue SIX-Präsident Romeo Lacher verordnet dem Finanzkonzern den grössten Umbau seit seiner Gründung im Jahr 2008.
10.11.2017 08:29
Blick auf die Schweizer Börse im Hardturmpark in Zürich.
Blick auf die Schweizer Börse im Hardturmpark in Zürich.
Bild: ZVG

Der umsatzstärkste Bereich, das Kartenzahl-Geschäft, soll aus dem Unternehmen herausgelöst und in eine strategische Partnerschaft eingebracht werden, teilte SIX am Freitag mit. Die im Besitz von rund 130 Banken stehenden Gesellschaft will zudem die bisher getrennt geführten Divisionen Wertpapier-Handel und Wertpapier-Abwicklung zusammenlegen. Mit der Umsetzung wird ein neuer Konzernchef betraut. Am 1. Januar übernehme der frühere operative Chef der Mehrländerbörse Euronext, Jos Dijsselhof, das Ruder bei dem Zürcher Unternehmen.

"Der Umbau hat das Ziel, SIX dynamischer und beweglicher zu machen", sagte der seit Januar amtierende Lacher im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Der Verwaltungsrat habe sich einstimmig für diesen Vorschlag ausgesprochen. Reuters hatte bereits im September berichtet, dass SIX eine Abspaltung des Karten-Geschäfts auslotet.

Im europäische Markt für bargeldlosen Zahlungsverkehr werden die Karten derzeit neu gemischt. In vielen Ländern haben Banken diese nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereiche abgestoßen und ihre Bilanzen damit gestärkt. Anfang Jahr verkauften etwa die DZ Bank, die Deutsche Bank, die Commerzbank und weitere Institute die deutsche Concardis an Finanzinvestoren.

Die Konsolidierung biete Zukaufsmöglichkeiten, sagte Lacher. Allerdings könnten mögliche Übernahme-Ziele schnell sehr teuer werden. "Wir sehen großes Wertsteigerungs-Potenzial in dem Geschäft", erklärte der frühere Manager der Großbank Credit Suisse. "Die dafür notwendigen Investitionen wollen wir aber nicht alleine tragen." SIX nehme jetzt Gespräche mit möglichen Interessenten auf. "Wir sind bereit, die Mehrheit am Kartengeschäft abzugeben." Das Zürcher Unternehmen hoffe, im zweiten Quartal 2018 einen Partner präsentieren zu können.

Am Finanzinformationsgeschäft wird festgehalten

In das Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden soll die Abwicklung von Kredit- und Bankkartenzahlungen. 2016 kam der Bereich auf einen Umsatz von knapp 800 Millionen Franken.

Dagegen bleibe der Zahlungsverkehr in der SIX und bilde in Zukunft eine eigene Division. Auch am Finanzinformationsgeschäft, wo die Schweizer unter anderem mit Thomson Reuters, IDC und Bloomberg um Marktanteile kämpfen, will der Konzern festhalten. Zukäufe und Partnerschaften sollten dabei das Wachstum ankurbeln. "Denkbar ist auch, dass sich andere Anbieter an dem Geschäft beteiligen", erklärte Lacher.

Der neue Konzernchef Dijsselhof sei bereits in die Reorganisations-Pläne eingeweiht. Der 52-jährige Niederländer war bis Juni 2017 Chief Operating Officer von Euronext. Zuvor hatte er unter anderem für ABN Amro und Royal Bank of Scotland gearbeitet. Er folgt auf den langjährigen SIX-Firmenlenker Urs Rüegsegger, der Ende Mai seinen Rücktritt angekündigt hatte. Unter Rüegseggers Führung hatte SIX etwa den Anteil an der Derivatebörse Eurex an die Deutsche Börse verkauft. 

(Reuters)