Börsenkorrektur - Fonds-Manager verhalten sich nicht wie sonst

Anstatt bei den Pharma- und Nahrungsmittelaktien Zuflucht zu suchen, kauften Fonds-Manager in die Börsenkorrektur hinein Technologie- und Finanzwerte. Doch auch sonst lief in den letzten Wochen vieles anders als gewohnt.
20.04.2018 10:02
Von Lorenz Burkhalter
Anbieter von Anlagefonds präsentieren sich an einer Finanzmesse.
Anbieter von Anlagefonds präsentieren sich an einer Finanzmesse.
Bild: cash

Wenn an den Börsen auf breiter Front die Kurse fallen, suchen Fonds-Manager für gewöhnlich Zuflucht in den Aktien von Pharma- und Nahrungsmittelherstellern. Bei diesen führt das Tagesgeschäft ein weitestgehend von der konjunkturellen Entwicklung unabhängiges Eigenleben.

Als die Kurse Ende Februar an den europäischen Aktienmärkten ins Rutschen gerieten, verhielten sich die Fonds-Manager allerdings nicht wie sonst. Anders als bei früheren Börsenkorrekturen trennten sie sich von Pharma- und Nahrungsmittelaktien und nutzten die günstigeren Kurse, um bei den Technologie- und Finanzwerten kräftig auszubauen. Das zumindest verraten Erhebungen der britischen Grossbank Barclays.

Technologiewerte äusserst beliebt

Insbesondere die Finanzwerte haben es den Fonds-Managern sichtlich angetan. Mehr als die Hälfte der von Barclays mitverfolgten Aktienfonds geben diesem Titelsegment ein teilweise deutlich höheres Gewicht als in den Vergleichsindizes eigentlich vorgesehen wäre. Drei von vier Fonds-Manager kauften seit Jahresbeginn bei Finanzwerten zu.

Die umfangreichsten Wetten laufen jedoch weiterhin auf Aktien aus dem Technologiesektor. Um die Pharma- und Nahrungsmittelaktien hingegen machen die Fonds-Manager den Erhebungen zufolge einen grossen Bogen.

Wie Barclays schreibt, seien aus diesen beiden Titelsegmenten zuletzt sogar noch Gelder abgezogen worden. Das würde das schwache Abschneiden der SMI-Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis der letzten Wochen erklären.

Aktienfonds fliessen auch im April Milliarden zu

Und noch etwas unterscheidet die jüngste Börsenkorrektur von früheren Korrekturen: Normalerweise wird in einer solchen Situation netto Kapital abgezogen. Doch flossen weltweiten Aktienfonds zwischen Anfang Januar und Ende März unter dem Strich 57 Milliarden Dollar zu. Davon landeten 13 Milliarden Dollar bei aktiv investierenden und 44 Milliarden Dollar bei passiv investierenden Aktienfonds.

Ähnlich verhielt es sich seit Ende März. Gemäss dem Beratungsunternehmen Lipper flossen Aktienfonds in den zwei Wochen bis zum 18. April weitere 10,3 Milliarden Dollar zu.

Wie immer, wenn sich die Anlagevermögen an den Aktienmärkten in gewissen Titelsegmenten bündeln, ist Vorsicht geboten. Nicht selten enden solche Übertreibungen für die Anleger mit schmerzhaften Kursverlusten.