Börsenvorschau - Bewegung im Brexit-Streit könnte Börsen beflügeln

Das Brexit-Drama dürfte auch in der kommenden Woche die Börsen in Atem halten.
12.10.2019 11:44
Abwarten und Tee trinken heisst es für viele Investoren im Brexit-Streit.
Abwarten und Tee trinken heisst es für viele Investoren im Brexit-Streit.
Bild: Unsplash

Dabei könnten sich im Schlussakt die Geschicke wenden und in ein Happy End münden, sagt Nigel Green, Gründer und Chef des Anlageberaters deVere. "Es wächst das Gefühl, das Licht am Ende eines sehr dunklen Tunnels ist."

Genährt wurde der Optimismus von Aussagen des irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar. Dieser bezeichnete nach einem "sehr positiven" Treffen mit seinem britischen Kollegen Boris Johnson einen Kompromiss im Brexit-Streit als in greifbarer Nähe. Johnson will sein Land wie geplant zum 31. Oktober aus der EU führen. Knackpunkt bei den Gesprächen ist das künftige Grenzregime zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland. Die EU will eine harte Grenze verhindern, auch um ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts zu vermeiden.

Am Devisenmarkt lösten die Hoffnungen auf eine Einigung bis zum EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag eine Rally beim Pfund Sterling aus. Die britische Währung verteuerte sich seither um jeweils mehr als zwei Cent auf knapp 1,25 Dollar und gut 1,13 Euro. Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets mahnt allerdings zur Besonnenheit. "Jeglicher Deal muss nicht nur von der EU, sondern auch vom Unterhaus verabschiedet werden." Das britische Parlament sei derzeit aber nicht gerade bekannt dafür, sich auf irgendetwas einigen zu können.

Entspannungssignale im Zollstreit

Ermutigende Signale kamen auch im Zollstreit zwischen den USA und China. US-Präsident Donald Trump verkündete eine Teileinigung. Die eigentlich für kommende Woche geplante Erhöhung der Strafzölle auf chinesische Importgüter ist damit vom Tisch. Allerdings seien immer noch nicht alle Fragen ausgeräumt. Trump sagte, es werde bis zu fünf Wochen dauern, bis das Abkommen unterzeichnet sei.

Die Hoffnung auf eine Entschärfung der Dauer-Krisen Zollstreit und Brexit verhalf dem Swiss Market Index (SMI) in den vergangenen fünf Handelstagen zu einem Kursplus von gut zwei Prozent. 

Erste grosse Welle von Firmenbilanzen

Unabhängig davon läuten am Dienstag die Grossbanken Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan mit ihren Quartalsergebnissen die heisse Phase der US-Bilanzsaison ein. In den Tagen darauf folgen die Bank of America und Morgan Stanley. Ausserdem öffnen die Online-Videothek Netflix und der "Marlboro"-Anbieter Philip Morris ihre Bücher.

In der Schweiz ist diesbezüglich ebenfalls Action angesagt: Am Mittwoch stehen unter anderem Zahlen von Roche und Temenos an, am Donnerstag folgen Nestlé und Inficon.

Bei den Konjunkturdaten steht unter anderem der ZEW-Index am Dienstag auf dem Terminplan, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt. Am Tag darauf wird in den USA der Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed veröffentlicht. "Das 'Beige Book' wird ein differenzierteres Bild davon geben, wie sich der Handelskonflikt auswirkt", sagt Philippe Waechter, Chef-Volkswirt des Vermögensverwalters Ostrum. "Diese Analysen bieten auch neue Anhaltspunkte dafür, was die Fed bei ihrer nächsten Sitzung entscheiden könnte." Investoren rechnen bislang mehrheitlich mit einer erneuten Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt.

(cash/Reuters)