Börsenvorschau - Dax auf dem Sprung zum Allzeithoch

In der Karwoche stehen die Aktienmärkte im Bann von europäischen Konjunkturdaten und der anlaufenden Bilanzsaison.
08.04.2017 14:15
Die deutsche Börse ist nicht mehr weit von einem Rekord entfernt: Händlerin an der Börse in Frankfurt.
Die deutsche Börse ist nicht mehr weit von einem Rekord entfernt: Händlerin an der Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

In der Karwoche wird der Dax Experten zufolge einen neuen Anlauf zum Sprung auf ein Rekordhoch nehmen. Dank der robusten europäischen Konjunktur seien grössere Rückschläge derzeit nicht zu erwarten, sagt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. "Angesichts der Datentrends dürften wir die höchsten Kursniveaus noch nicht gesehen haben." Allerdings bremsten am Freitag der US-Luftschlag in Syrien und schwächer als erwartet ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt die Börsen beiderseits des Atlantiks aus.

Aber auch die Experten der Citigroup beurteilen die Aussichten des europäischen Aktienmarktes positiv und stufen ihn auf "Overweight" hoch. Die Konjunktur sei im Aufwind und die Zinsen seien niedrig. Ausserdem liege die Wahrscheinlichkeit eines Sieges der Euro-Kritikerin Marine Le Pen bei den französischen Präsidentschaftswahlen bei gerade einmal 20 Prozent, da die Umfragewerte der Chefin des rechtsextremen Front National stagnierten.

"Ein deutliches Überschreiten der 12.400er Marke würde die Pessimisten in Zugzwang bringen, weil Skepsis in diesem Falle kaum mehr hoffähig wäre", sagt Anlage-Experte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg & Goldberg.

In der alten Woche arbeitete sich der deutsche Leitindex zeitweise bis auf 15 Punkte an seine bisherige Bestmarke von 12.390 Zählern heran, verlor auf Wochensicht unter dem Strich aber 0,7 Prozent auf 12.225 Punkte. Nach Einschätzung von Patrick Hussy, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Sentix, könnte dies der Auftakt für einen Kursrutsch des Dax um bis zu zehn Prozent bilden. "Seit der Wahl Donald Trumps sind die Erwartungen durch die Decke gegangen. Die Anleger werden zunehmend ungeduldig, die Erfolgsmeldungen fehlen."

Beim zweiten Anlauf für eine Gesundheitsreform kommt der US-Präsident kaum voran. Gleiches gilt für seine "phänomenale" Steuerreform. Auch an der Wall Street kam die Trump-Rally zuletzt ins Stocken. Der Leitindex Dow Jones trat in der vergangenen Woche nahezu auf der Stelle.

Konjunkturdaten voraus

Am Freitag schloss der Swiss Market Index (SMI) 0,03 Prozent höher mit 8'640,91 Punkten. Im Wochenvergleich resultierte ein Minus von 0,2 Prozent. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gab dagegen um 0,03 Prozent auf 1'372,16 Zähler nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) wiederum stieg um ebenfalls 0,03 Prozent auf 9'638,15 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 17 im Minus, 12 im Plus und einer (Dufry) unverändert.

Ihre Aufmerksamkeit richten Börsianer in der neuen Woche zunächst auf die Auftragseingängen der europäischen Industrie am Dienstag. Von ihnen erhoffen sie sich eine Bestätigung ihres Konjunkturoptimismus. Am selben Tag steht der ZEW-Index auf dem Terminplan, der die Stimmung der deutschen Börsianer widerspiegelt. Am Gründonnerstag folgen die deutschen Inflationszahlen. Eine starke Teuerung könnte den Spekulationen um eine baldige Straffung der geldpolitischen Zügel durch die Europäische Zentralbank (EZB) wieder Nahrung geben.

Die US-Statistikbehörde arbeitet auch Karfreitag: Obwohl die europäischen Börsen und auch die Wall Street geschlossen bleiben, werden an diesem Tag Inflationsdaten und die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. "In den USA sind die Verbraucher zwar bester Laune, aber beim Konsum dürften sie sich im März weiter zurückgehalten haben", sagte Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz.

In der neuen Woche nimmt ausserdem die US-Bilanzsaison für das erste Quartal Fahrt auf. Wie üblich gehören Banken zu den Ersten, die ihre Bücher öffnen. Den Anfang machen am Donnerstag Citigroup, JPMorgan und Wells Fargo.

Auch in der Schweiz stehen etliche Geschäftszahlen auf dem Programm: Bossard, Burkhalter (Montag); Givaudan, Sika, Hügli, Orascom (Dienstag); Barry Callebaut, Gurit, Nebag (Mittwoch) geben Einblick in ihre Bücher.

Türkei sucht den Super-Präsidenten

Darüber hinaus wirft das türkische Verfassungsreferendum am Sonntag seine Schatten voraus. Mit dieser Reform will sich Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zusätzliche Macht sichern. Ein "Ja" wäre aus Anlegersicht kurzfristig positiv, da er auf politische Stabilität hoffen lasse, sagen Experten. Eine Ablehnung würde wegen einer möglichen vorgezogenen Parlamentswahl für Verunsicherung sorgen.

(Reuters)