Börsenvorschau - Firmenbilanzen bringen Börsianer auf Touren

Die Fahrt aufnehmende Bilanzsaison in den USA bestimmt in der neuen Woche das Wohl und Weh der Börse.
14.10.2017 17:31
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Bild: Bloomberg

In der abgelaufenen Woche setzte die Schweizer Börse neue Rekordmarken. Der breite SPI markierte am Freitag mit 10'643 Zählern ein neues Allzeithoch. Der Bluechips-Index SMI schloss die Woche bei 9312 Punkten ab- der höchste Stand seit mehr als zwei Jahren. 

Mit Spannung werden Anleger verfolgen, wie sich in der neuen Woche der derzeit grösste politische Brandherd in der Euro-Zone entwickelt - die Krise in Katalonien. Die Zentralregierung in Spanien hat den Ball ins Feld der nach Unabhängigkeit strebenden Regionalregierung zurückgespielt und eine Frist bis Montag gesetzt. Bis dahin müsse Regierungschef Carles Puigdemont erklären, ob die Unabhängigkeit nun ausgerufen worden sei oder nicht.

Nestlé und Roche mit Zahlen

An der Wall Street dreht sich in der neuen Woche alles um das Zahlenwerk von Firmen, Konjunkturtermine sind rar gesät. "Die Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum der US-Unternehmen liegen 2017 und 2018 bei über zehn Prozent", sagte Nadia Grant, Leiterin für US-Aktien beim Fondsverwalter Columbia Threadneedle. "Wir haben 2017 ein starkes Wachstum der Unternehmensgewinne gesehen, das sich im nächsten Jahr fortsetzen dürfte, denn das globale Wachstum gewinnt an Fahrt."

Am Montag präsentieren Kühne+Nagel die Zahlen zum dritten Quartal. Die Grossbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley, der Konsumgüterriese Johnson & Johnson sowie der Computerhersteller IBM lassen sich am Dienstag in die Bücher schauen. Ebay und Temenos sind am Mittwoch dran, einen Tag später folgen Nestle, Roche und Unilever. Den Abschluss am Freitag machen unter anderem der Autobauer Daimler und der US-Siemens-Rivale General Electric.

Anlageberater Dennis Etzel vom Fondshaus NFS Capital geht davon aus, dass der stärkere Euro Bremsspuren im Geschäft der exportabhängigen Firmen aus der Euro-Zone hinterlassen hat. "Von diesem negativen Währungseffekt dürften neben den grossen Autoherstellern auch die Autozulieferer und die Maschinenbauer aus der zweiten und dritten Reihe betroffen sein."

Chinas Führung legt künftige Marschroute fest

Ein Blick gen Osten dürfte sich für Investoren ebenfalls lohnen. Die Führungskader der Kommunistischen Partei in China beratschlagen ab Mitte der Woche über die Marschroute für die kommenden Jahre. Zudem werden Zahlen zum Wachstum der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft im vergangenen Quartal vorgelegt. Analyst Bernd Weidensteiner von der Commerzbank rechnet mit einem Zuwachs von knapp sieben Prozent, betonte aber: "Unter der ruhigen Oberfläche zeigen sich Probleme." So kämen Stimulierungsmassnahmen der Regierung vor allem Staats-Konzernen zugute, die privaten Firmen fielen dagegen zurück. Ausserdem schwächele der Immobilienmarkt.

"Die aussenwirtschaftliche Verflechtung Chinas ist so eng, dass sich ein Einbruch dort unweigerlich negativ auf den Rest der Welt auswirken würde", fügte Chefvolkswirt Axel Angermann vom Vermögensverwalter Feri hinzu. China habe mittlerweile einen Anteil an der Weltwirtschaft von mehr als 18 Prozent, sieben Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren.

(cash/Reuters)