Börsenvorschau - Italien und Brexit halten Anleger in Atem

Der SMI dürfte es in der neuen Woche nicht leicht haben: Die höher als erwartet ausgefallenen Defizitpläne Italiens und Sorgen um einen ungeordneten Brexit werden den Anlegern wohl zu schaffen machen.
30.09.2018 11:41
Börsenkurs der Schweizer Börse (Symbolbild).
Börsenkurs der Schweizer Börse (Symbolbild).
Bild: cash

"Italien geht klar auf Konfrontationskurs mit der EU", urteilen die Analysten der BayernLB. Das könnte vor allem den Euro weiter absacken lassen. Am Freitag fiel die Gemeinschaftswährung unter 1,16 Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Der Swiss Market Index (SMI) legte jedoch in der letzten Woche um 1 Prozent auf 9088 Punkte zu.

Die italienische Regierungskoalition und der parteilose Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria haben sich auf ein Defizitziel für 2019 in Höhe von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verständigt - so wie es die populistische 5-Sterne-Bewegung und die rechte Lega gefordert hatten. "Das hat einen schlechten Beigeschmack, die 5-Sterne-Bewegung scheint der klare Gewinner zu sein, was deutlich macht, wie die Machtverhältnisse sind", sagt Commerzbank-Stratege Christoph Rieger. "Ich habe etwas Vernünftigeres erwartet, aber das haben wir nicht bekommen", ergänzt Fondsmanager Roberto Lottici vom Vermögensverwalter Ifigest. "Ich dachte Tria ist ein Bollwerk, aber er war es nicht und ist wahrscheinlich nur auf Bitte von (Präsident Sergio) Mattarella im Amt geblieben, um Marktturbulenzen zu vermeiden." Am Donnerstag hatten Gerüchte über einen Rücktritt Trias die Runde gemacht.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici bezeichnete die Schulden des südeuropäischen Landes als "explosiv" und mahnte zur Haushaltsdisziplin. Italien muss den Entwurf bis zum 15. Oktober bei der EU-Kommission und der Eurogruppe einreichen.

May muss Brexit-Deal mit EU hinbekommen

Auch Grossbritanniens geplanter EU-Ausstieg bleibt an den Märkten ein Thema. Auf dem Parteitag der Konservativen ab Sonntag muss sich Premierministerin Theresa May zahlreichen Kritikern innerhalb der Partei stellen und ihre Brexit-Pläne verteidigen.

"Die britische Premierministern ist massiv unter Druck, einen Deal mit der EU zu erzielen, der auch von ihrer eigenen Partei breit unterstützt wird", so die Analysten der Landesbank LBBW. Dies könne nur gelingen, wenn die Brexit-Hardliner zu deutlichen Kompromissen zu bewegen seien. "Dies wäre unserer Meinung nach aber nur dann der Fall, wenn als Alternative der Verbleib in der EU drohen würde."

Bei dem jüngsten EU-Gipfel in Salzburg hatte es keine Annäherung gegeben. Knackpunkt in den Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der EU sind unter anderem der Umgang mit der irisch-nordirischen Grenze und der Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Der nächste EU-Gipfel ist für den 18. Oktober angesetzt, ein mögliches EU-Sondertreffen zum Brexit wurde für den 17. und 18. November vereinbart.

US-Arbeitsmarkt dürfte weiter boomen

Auf der Konjunkturseite wird mit den Arbeitsmarktdaten aus den USA das Wichtigste zum Wochenschluss kommen. Diese und die ebenfalls anstehenden Einkaufsmanager-Indizes dürften Experten zufolge bestätigen, dass die amerikanische Wirtschaft brummt - trotz Handelskonflikt und schwächelnden Schwellenländern.

"Motor ist die lebhafte Binnennachfrage: Die Konsumenten zeigen sich ausgabefreudig, die Unternehmen investieren kräftig und auch der Staat fährt seine Ausgaben hoch", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Balz. Das dürfte auch die US-Notenbank in ihrer Zinspolitik bestätigen. In der vergangenen Woche hatte die Fed die Zinsen weiter angehoben - und bis Ende 2019 will sie noch vier Mal nachlegen.

In der neuen Woche legt am Montag der hochverschuldete Backwarenhersteller Aryzta die Zahlen zum Jahr 2017/18 vor. Am Mittwoch steht die Konjunkturprognose des KOF an und am Freitag präsentiert die Schweizerische Nationalbank den Stand der Devisenreserven im September.

(cash/Reuters)

 
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