Börsenvorschau - Politische Risiken verängstigen SMI-Anleger

In der verkürzten Handelswoche nach den Osterfeiertagen werden sich die Anleger voraussichtlich wieder nicht gross aus der Deckung wagen.
15.04.2017 14:53
Am Donnerstag wird ABB die Q1-Zahlen vorlegen.
Am Donnerstag wird ABB die Q1-Zahlen vorlegen.
Bild: ZVG

"Die geopolitischen Risiken haben sich mit dem Militärschlag der USA gegen Syrien deutlich erhöht", sagt Marktstratege Joachim Goldberg. "Die Lust der Börsianer, sich in die eine oder andere Richtung grösser zu positionieren, ist derzeit eher gering." Zudem notieren die als Angstbarometer bezeichneten Volatilitätsindizes VIX und VDAX momentan so hoch wie seit der US-Wahl im November nicht mehr. In der Karwoche ging der Swiss Market Index (SMI) am Gründonnerstag 0,1 Prozent leicht niedriger bei 8629 Punkten aus dem Handel. Auch die Wall Street verbuchte Verluste.

Investoren dürften auch den Ausgang des für den Ostersonntag geplanten Verfassungsreferendums in der Türkei im Auge behalten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will sich mit der Änderung der Verfassung mehr Macht sichern. Ein "Ja" wäre aus Anlegersicht kurzfristig positiv, da es auf politische Stabilität hoffen lasse, sagen Experten. Dann würde es eine Erleichterungsrally bei türkischen Aktien und der Lira geben. Bei einem "Nein" rechnen Marktbeobachter mit wachsender Unsicherheit.

Frankreich-Wahlen voraus

Auch die Frankreich-Wahlen werfen ihre Schatten voraus. Zu den Favoriten zählen der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron und die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Ein Sieg Le Pens könnte die Europäische Union ins Chaos stürzen - und mit ihr die Börsen. Da voraussichtlich keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang am 23. April die absolute Mehrheit erreichen wird, treten die beiden Bestplatzierten wohl am 7. Mai zu einer Stichwahl an.

Vorsichtiger wird der Markt auch, wenn es um das Tempo der erhofften Steuersenkungen und des Infrastrukturprogramms in den USA geht. "Wegen der gescheiterten Reform der Krankenversicherung ist es wenig wahrscheinlich, dass diese Massnahmen nach der Osterpause des Kongresses rasch vorankommen", fasst Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden Deutsche Bank, zusammen.

Stimmung bei Unternehmen wohl weiter gut

Am Ostermontag legt China seine Wachstumszahlen für das erste Quartal vor. Experten rechnen mit einem stabilen Zuwachs von 6,8 Prozent. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank ihren Konjunkturbericht Beige Book. Ansonsten stehen auf der Konjunkturagenda am Freitag die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum im April im Rampenlicht. Diese dürften den Prognosen zufolge ihre zuletzt erreichten hohen Niveaus weitgehend gehalten haben. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit 56,0 Punkten nach 56,2 Punkten im Vormonat. "Die Unternehmen im Euroraum scheinen derzeit bester Stimmung zu sein, denn die Stimmungsindikatoren steigen und steigen", sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

US-Bilanzen im Fokus

Wie es um die tatsächliche Lage der Firmen in den USA bestellt ist, wird die anrollende US-Berichtssaison zeigen. Im Fokus steht am Montag zunächst Netflix. Der Videostreamingdienst legt nach Börsenschluss seine Zahlen vor. Analysten erhoffen sich davon auch Aufschluss über die Lage im US-Technologiesektor insgesamt. Am Dienstag öffnen IBM und Johnson & Johnson ihre Bücher. Am Freitag legen General Electric und Reckitt Benckiser vor.Ab Dienstag öffnet die Automesse in Shanghai ihre Pforten. Für Konzerne wie Volkswagen, Daimler oder BMW ist die Volksrepublik längst der mit Abstand grösste Einzelmarkt. Als Themen stehen Elektromobilität und Vernetzung im Mittelpunkt.

In der Schweiz stehen einige Zahlen zum ersten Quartal an: Am Donnerstag sind dies ABB, Nestlé (nur Umsatz), Kühne & Nagel und Temenos, am Freitag BB Biotech, Inficon, Panalpina und Sulzer (nur Bestellungseingang).

(Reuters)